Mülleimer schlucken in Korntal-Münchingen künftig nicht mehr bloß stumm Abfall. Sie werden auch clever: Indem sie Sensoren erhalten, die erfassen, wie voll sie sind. Darüber werden die Mitarbeiter des Bauhofs informiert – und die sparen sich damit Fahrten zu halb vollen oder gar leeren Mülleimern. Es wird dann auch nicht unnötig CO2 in die Luft gepustet.

Die Stadt modernisiere ihre Abfallbehälter sukzessive, sagt Teuta Malshi, im Rathaus zuständig für die Digitalisierung. Stadtweit würden noch dieses Jahr gezielt Behälter im laufenden Betrieb ausgetauscht und mit Sensorik ausgestattet. „Damit soll eine bedarfsgerechte Leerung und effizientere Tourenplanung ermöglicht werden.“ Weil die Stadt unterschiedliche Mülleimer-Modelle hat, erfolgt die Umsetzung schrittweise.

Schlaue Sensoren lassen sich vielerorts einsetzen

Korntal-Münchingen will aber mehr sein als eine Stadt mit smarten Mülleimern. Die Kommune will eine Smart City werden, eine schlaue, weil vernetzte Stadt. Das machte sie jüngst bei einer Veranstaltung in der Stadthalle deutlich. Sie schreibt sich eine „nachhaltige Stadtentwicklung“ auf die Fahne, „bei der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden“. Mit digitalen Technologien sollen für Probleme „intelligente“ Lösungen gefunden werden. Die Stadt könne so ihre Umweltbilanz verbessern, Ressourcen schonen und den Bürgern eine höhere Lebensqualität bieten.

Ein Sensor am Boden informiert darüber, ob ein Parkplatz frei ist oder belegt. Foto: Simon Granville

Sensoren, die je 100 bis 200 Euro teuren kleinen Helfer mit großer Wirkung, lassen sich vielerorts einsetzen. Sie messen Füllstände, aber auch Wasserverbräuche und Temperaturen. Per Funk verschicken sie die Daten und Informationen. Diese gelangen über einen zentralen Netzwerkserver auf eine Plattform. Dort werden die Daten in Echtzeit angezeigt, analysiert und genutzt. Zum Beispiel, um die Touren der Bauhoffahrzeuge zu planen.

Wie trocken ist die Erde? Sensoren stecken in Blumenbeeten

Laut Malshi helfen die Daten dabei, bessere Entscheidungen hinsichtlich der Stadtplanung, der Umwelt, der Sicherheit oder der Mobilität zu treffen. Der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) spricht davon, „den Alltag zu organisieren und besser zu machen, vor allem auch nachhaltiger zu gestalten“. Zunächst will die Stadt die Prozesse in der Verwaltung gezielt optimieren.

Bodenfeuchtigkeitssensoren sind schon im weiteren Stadtgebiet im Einsatz. Sie stecken etwa in Blumenbeeten. Diese Sensoren melden, wie trocken die Erde ist – und ob die Pflanzen Wasser brauchen. So gießen die Bauhofmitarbeiter nur dann und nur dort, wo es nötig ist. Eine Wetterstation steht in jedem der drei Stadtteile. Sowohl die Temperatur wird gemessen als auch Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und CO2. Auf der Internetseite der Stadt können die Bürger alle Daten einsehen. Ein Projekt der Waldbrandfrüherkennung hat die Stadt mit der Firma Bosch: Sensoren im Seewald informieren darüber, wie es den Bäumen geht und ob Brandgefahr besteht.

Smart-City-Insel rund um die Korntaler Stadthalle wurde eingerichtet

Rund um die Stadthalle in Korntal ist eine Smart-City-Insel eingerichtet. Das Modellprojekt macht den Bürgern gebündelt konkrete Anwendungsbereiche sichtbar. Neben Bodenfeuchtigkeitssensoren und einem Füllstandsensor in einem Mülleimer sind hier Pegelstandsensoren zur Messung von Wasserständen angebracht, Sensoren zur Messung der Luftqualität und Parksensoren. Es erfolgen auch Verkehrszählungen und Lärmmessungen.

Zugleich wurden laut der Stadtverwaltung zentrale Voraussetzungen für eine langfristig nutzbare LoRaWAN‑Netzinfrastruktur geschaffen – die Grundlage für die Datenübertragung, Datenverarbeitung und Verwendung von Sensoren. Das Netz ist öffentlich zugänglich und bezeichnet eine Funktechnologie zum Aufbau etwa von Smart Cities.

Behindertenparkplätze und Feuerwehrzufahrten werden überwacht

Hinter dem Long Range Wide Area Network steckt ein großflächiges Netzwerk, das den Kreiskommunen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse helfen soll. Für den Aufbau dieses Funknetzes für automatisierte Prozesse in der öffentlichen Verwaltung kooperieren der Zweckverband Kreisbreitband Ludwigsburg, die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim und der Energieversorger Netze BW. Noch finanziert der Landkreis das Netzwerk. Der Zweckverband wurde gegründet, um den Kreis flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen.

Hemmingen war im Kreis übrigens eine der ersten Kommunen, die sich an LoRaWAN andockte. Daraufhin hat die Gemeinde ein Parkleitsystem aufgebaut. Das plant Korntal-Münchingen derzeit nicht: Die Zahl der öffentlichen Stellplätze biete hierfür „keinen ausreichenden Mehrwert“. Sensorbasierte Lösungen würden aber punktuell eingesetzt, „wo sie konkret Sicherheit und Ordnung unterstützen“. Überwacht würden Feuerwehrzufahrten und Behindertenparkplätze, damit Unbefugte sie nicht blockieren.

LoRaWAN nennt der Bürgermeister Noak sein „persönliches Herzensprojekt“. Er betont, eine Smart City sei „keine Überwachungscity“. Mit den gesammelten – und verschlüsselten – Daten werde verantwortungsvoll umgegangen.