Es ist eine Gebäudekategorie, die wir meistens übersehen: Flachbauten. Niedrig, schmucklos und funktional sind sie eigensinnige Protagonisten unserer urbanen Realität. Claas Möller und Peter Bruns stellen sie mit ihrem Projekt „Hamburger Flachbauten“ ins Zentrum.
Die Bildsprache, das kann man jetzt bei einer Ausstellung dieser Fotografien in der Freelens-Galerie im Rahmen des Hamburger Architektursommers sehen, ist demonstrativ unaufgeregt: Frontalansichten, grauer Himmel – ein Licht, das weder dramatisiert noch verzeiht.
Die Fotografen Möller und Bruns stellen „Hamburger Flachbauten“ in den Fokus
Doch banal sind diese Flachbauten nicht. Zwar wollen sie nichts darstellen, erzählen aber doch viel. Und der Humor des Projekts, er liegt wohl in seiner leisen Subversion: Indem es die Aufmerksamkeit auf das architektonisch wenig Ambitionierte richtet, unterläuft es die gewohnte Hierarchie von Bedeutung. Die Flachbauten erscheinen wie ironische Kommentare zur Idee des Fortschritts. Über „Landmarks“, große Türme und architektonische Signale, könnten sie wohl nur müde lächeln, für den Höhenrausch haben sie nichts übrig.
Es sind oft die unspektakulären Zwischenräume, die eine Stadt interessant machen, wie etwa das Gebäude von „Leder Israel“ in Eimsbüttel. Oder der Flachbau, in dem der „Silbersack“ die Stellung hält, seit 1949.
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Und so ist dieses Fotoprojekt, das mit dem renommierten Georg-Koppmann-Preis ausgezeichnet wurde, etwas Besonderes, denn es zeigt mal nicht die klassische Backsteinarchitektur, die Gründerzeitbauten oder die protzigen Glas-Beton-Großprojekte der Gegenwart. All diese kleinen Gebäude in der Stadt, diese notdürftig gefüllten Zahnlücken, diese Erinnerungen an die Architektur der Nachkriegszeit – ja, sie verdienen ein fotografisches Denkmal. Doch sie sind in Gefahr. Ihnen droht „Nachverdichtung“. Was danach kommt, sind wir mal ehrlich, ist selten besser.
Freelens-Galerie: Bis 4.6., Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-16 Uhr, Alter Steinweg 15, Eintritt frei, freelens.com
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