Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist auf Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden bereits wenige Stunden nach der Einfahrt der „Hondius“ in den Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschließend in Bussen zum nahe gelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren und ausgeflogen.
Deutsche „Hondius“-Passagiere in Frankfurt angekommen
Der erste Evakuierungstag der MV Hondius, an deren Bord es zu acht mutmaßlichen Infektionen mit dem Hantavirus kam, ist erfolgreich verlaufen. Die vier ausgeflogenen deutschen Passagiere des betroffenen Kreuzfahrtschiffs sind am späten Abend von Eindhoven in den Niederlanden aus nach Hessen gebracht worden. Der Sonderisoliertransport ist also über 300 Kilometer nach Frankfurt in die Uniklinik gefahren und kurz nach 2 Uhr angekommen. Jetzt werden die vier auf das Virus untersucht.
Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert. Eine Person soll später zur Überwachung in die Berliner Charité gebracht werden.
Hantavirus: Evakuierter Franzose hat Symptome
Zuvor waren im Rahmen der Evakuierungsaktion auf der spanischen Urlaubsinsel drei Flugzeuge jeweils mit Spaniern, Franzosen und Kanadiern gestartet. Weitere Maschinen aus Großbritannien, Irland, der Türkei und den USA sollen bis zum Abend folgen. Am Montag sollen eine weitere Maschine aus den Niederlanden sowie ein Flugzeug aus Australien zum Einsatz kommen.
Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Zunächst hieß es, dass niemand Krankheitssymptome zeige. Allerdings traten bei einem Franzosen während des Flugs Symptome auf. Laut Frankreichs Premier Sébastien Lecornu wurden der Patient und andere Passagiere direkt nach der Landung bis auf Weiteres unter strenge Quarantäne gestellt und isoliert.
Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.
US-Passagier positiv getestet
Einer von 17 evakuierten US-Passagieren wurde positiv auf das Hantavirus getestet. Die Person zeige jedoch keine Symptome, teilten US-Gesundheitsbehörden am späten Sonntagabend mit. Das Flugzeug soll am frühen Montagmorgen in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska landen.
Die US-Bürger sollen zunächst an die Universität von Nebraska gebracht werden, die über eine staatlich finanzierte Quarantäneeinrichtung verfügt, um zu prüfen, ob sie engen Kontakt zu symptomatischen Personen hatten und welches Risiko für die Verbreitung des Virus besteht.
Australien schickte ebenfalls ein Flugzeug nach Teneriffa, dessen Ankunft für Montag erwartet wurde. Damit sollten eigene Staatsbürger sowie Bürger aus benachbarten Ländern wie Neuseeland abgeholt werden.
Nach Verdachtsfällen wird weiter gesucht
Das Schiff war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb laut Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Anfang Mai starb auf dem Schiff eine Frau aus Passau.
Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Das Virus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Hantavirus vergleichbar mit Corona?
Der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme.
Mit Informationen von dpa