Am 1. August beginnt ein ganz besonderes Schuljahr. Denn dann greift erstmals eine Gesetzesreform des Landes, die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Offenen Ganztagsschule (OGS) für ihr Kind zuspricht. Der Anspruch wird schrittweise eingeführt, ab dem 1. August dieses Jahres für die neuen Erstklässler und jedes Jahr folgend dann für einen weiteren Jahrgang. Ab dem Schuljahr 2029/30 gilt der Anspruch dann für alle Kinder, und er umfasst acht Stunden Betreuung an fünf Werktagen inklusive Ferienbetreuung. Aber wie weit sind Kommunen und Träger in Kleve und Umgebung mit der Vorbereitung?
In Kleve überraschte die Verwaltung kürzlich Politiker im Rat mit einem Reformvorschlag, die Beiträge zur OGS in allen Einkommensstufen anzuheben. Die Stadt geht davon aus, dass alle Erstklässler, die zum August 2026 einen Betreuungsplatz benötigen, auch einen erhalten werden. „Im OGS-Bereich können jahrgangsübergreifend alle Bedarfe bedient werden, sodass die Bedarfsdeckung bei 100 Prozent liegt“, so ein Stadtsprecher. Wartelisten gebe es nicht, wie es kürzlich im Ausschuss hieß. Dafür wurde kräftig ausgebaut: In den vergangenen Jahren sind die Erweiterungsbauten an der Montessorischule, Willibrordschule, GGS An den Linden und St. Michael Grundschule fertiggestellt worden. „In absehbarer Zeit sind Baumaßnahmen an der Karl Leisner Schule, Marienschule und Johanna Sebus Grundschule geplant, sodass schließlich alle Klever Grundschulen entsprechend der steigenden Bedarfe ausgebaut wurden.“ In Zahlen bedeutet das: Die sieben Klever Grundschulen besuchen 1909 Schüler, die Betreuungsquote über das Unterrichtsende hinaus im verlässlichen Halbtag oder im offenen Ganztag liegt bei 77,2 Prozent aller Schüler.
Auch in Goch geht das Rathaus davon aus, für das erste Schuljahr eine Versorgungsquote von 100 Prozent zu erreichen. „Alle Kinder mit einem Betreuungswunsch bekommen Stand heute auch einen Platz im neuen ersten Schuljahr“, so ein Sprecher. Doch nicht überall sind in den höheren Jahrgängen auch alle Kinder, die Bedarf haben, mit einem Platz versorgt. An der Niers-Kendel-Schule gibt es dem Stadtsprecher zufolge eine Warteliste. Auch in Goch wurde massiv gebaut für den Rechtsanspruch: An der Freiherr-von-Motzfeld-Schule in Pfalzdorf wurden auf zwei Etagen Räume der angrenzenden früheren Hauptschule zu Betreuungsräumen umgebaut. „Für die Niers-Kendel-Schule befinden wir uns in der Bauplanungsphase für einen kompletten Neubau in Asperden“, so die Stadt. „An der Arnold-Janssen-Schule bedarf es aufgrund des rhythmisierten Ganztages keiner weiteren Betreuungsräume, hier wird aber aktuell die Mensa erweitert.“ Und an der Liebfrauenschule und der St. Georg-Schule laufen Planungen „zu weiteren Optimierungen des Raumangebotes, jedoch nicht betreuungsspezifisch“. Insgesamt besuchen 1391 Kinder die fünf Gocher Grundschulen, davon sind 1163 in der OGS in Betreuung, im verlässlichen Halbtag oder im rhythmisierten Ganztag. Das entspricht einer Quote von 83,6 Prozent.
„Allen Kindern, die einen OGS-Bedarf angemeldet haben, kann auch ein OGS-Platz angeboten werden; die vorhandenen Kapazitäten sind derzeit ausreichend“, sagt Stefan Urselmans, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Das bedeutet in Zahlen: An den drei Kalkarer Grundschulen gibt es 200 OGS-Plätze, davon sind 191 belegt. Für das kommende Schuljahr liegen in er Stadtmitte 33 Anmeldungen von Erstklässlern für die OGS vor – die Kapazität reicht. Dafür wurde das Gebäude der ehemaligen Grundschule Kalkar für die OGS-Betreuung hergerichtet, in Wissel wurden vorübergehend zusätzliche Räume im Pfarrheim angemietet. „Bei den Planungen für die Neu- und Umbauten der Grundschulen in Wissel und Appeldorn wird der OGS-Bedarf berücksichtigt“, so Urselmans.
An der Geschwister-Devries-Schule gibt es 365 Schülerinnen und Schüler, die Gemeinde plant mit rund 135 Kindern in der OGS und weiteren 75 im Angebot „Acht-zu-Eins“, wie Fachbereichsleiterin Carmen Elbers sagt. Derzeit läut eine Umfrage bei allen Eltern der Grundschule sowie den Eltern, deren Kinder ab August die Schule besuchen. Die Ergebnisse stehen noch aus. „Aktuell lässt sich jedoch schon abzeichnen, dass im Vergleich zu den Vorjahren ein ähnlicher Betreuungsbedarf vorhanden ist“, sagt Elbers. Dazu wurde zu Beginn des Jahres der Anbau an der Geschwister-Devries-Grundschule eröffnet. „Seitdem sind die neuen Räumlichkeiten, die für die OGS geschaffen wurden, bereits im Betrieb.“
In den beiden Grundschulen der Gemeinde werden zum neuen Schuljahr 147 neue Erstklässler erwartet, von denen 58 einen Platz im Offenen Ganztag benötigen. Alle werden einen Platz erhalten, so das Rathaus: „Derzeit geht die Verwaltung davon aus, alle OGS Anmeldungen auch zukünftig bedienen zu können.“ In Hau wird die Antonius-Grundschule in Kürze neu gebaut, die Planungen sind schon weit – der Neubau erfolgt aber nicht nur wegen des OGS-Bedarfs. „In Hasselt wird in Kürze angebaut werden, der Neubau dient auch der Erweiterung der OGS. In Schneppenbaum erfolgt ein Erweiterungsbau mit einer Containerlösung ausschließlich für die OGS“, so die Gemeinde.
In den beiden Grundschulen Nütterden und Kranenburg wird kein Engpass erwartet. „Für das Schuljahr ab August 2026 können in der Gemeinde Kranenburg alle Kinder des ersten Schuljahres, deren Eltern einen Platz im Offenen Ganztag wünschen, versorgt werden“, so ein Gemeindesprecher. „Auch für die weiteren Jahrgänge stehen ausreichend Plätze zur Verfügung, sodass alle angemeldeten Kinder ein Angebot im Offenen Ganztag erhalten können.“ Für das erste Schuljahr liegen insgesamt 126 Anmeldungen vor. Dazu wurden Räume bereits erweitert und werden dies noch: „An der Grundschule Nütterden beginnt in Kürze der Neubau für den Offenen Ganztag, der kurzfristig fertiggestellt werden soll.“ Derzeit wird dort eine mobile Übergangslösung genutzt.
Die Caritas Kleve, die an sieben Grundschulen im nördlichen Kreis Kleve Träger der OGS oder des Rhythmisierten Ganztages ist, sieht sich gut vorbereitet. Was noch unklar ist, ist die Finanzierung des Rechtsanspruches. „Hierzu sind wir gerade mit allen Vertretern der jeweiligen Städte und Gemeinden im Austausch“, sagt Katja Reintjes Fachdienstleiterin Schule der Caritas. „Ich bin zuversichtlich, dass hier gute Entscheidungen getroffen werden. Neuerungen bringen immer auch Unsicherheiten mit sich. Das gilt auch für unsere rund 150 Kolleginnen und Kollegen, die an den sieben Grundschulen arbeiten.“ Die Caritas betont: An allen sieben OGS-Standorten der Caritas Kleve werde es ab dem Schuljahr 2026/2027 genügend Plätze für die Ganztagsbetreuung geben.