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Die Uferschwalbenwand wird von den Bewohnern hervorragend angenommen. Allerdings macht die Festigkeit Sorgen, da die Wand bereits vor vielen Jahrzehnten beim Bau der nahen Bundesstraße künstlich angelegt wurde. © Jens Dörr
Der Nabu Münster zeigt bei einer Exkursion seine aufwendige Arbeit. In den Hergershäuser Wiesen entstehen Biotope für bedrohte Arten.
Münster/Babenhausen – „Ab 10 Uhr morgens sind die Chancen gut, Greifvögel zu sehen. Dann flimmert langsam die Luft, und die Tiere nutzen die Thermik”, sagt Thomas Lay, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Münster. Der engagierte Naturschützer hat dieser Tage die Frühjahrsexkursion seines Vereins durch die Hergershäuser Wiesen zwischen Münster und Babenhausen geleitet und aktuelle Einblicke über die Fauna und Flora direkt vor der Haustüre gegeben.
Vier Kreuzkröten-Becken hat der Nabu Münster errichtet. Damit sich möglichst wenig Fressfeinde für die Larven darin breitmachen, werden sie erst kurz vor Beginn der Fortpflanzungszeit mit Wasser gefüllt. © Jens Dörr
Schon nach wenigen Metern war die kleine Gruppe von vielen Sängern umgeben, darunter der Nachtigall, dem Zilpzalp oder der Mönchsgrasmücke. „Alle 80 bis 100 Meter sitzt eine Nachtigall. Wir haben wieder viele”, konnte der Vorsitzende vermelden. „Was geht auf dem Storchennest? Ist das ein Storch oder eine Gans?”, fragte Lay kurz darauf. Mittlerweile brüten Nilgänse immer häufiger in Nestern von Meister Adebar.
Entspannte Störche
„Die Störche betrachten dies meist entspannt, da die Gänse recht früh mit der Brut beginnen und sie das Nest im Anschluss übernehmen können”, weiß der Experte. Ohnehin sind Störche in der Lage, fast überall zu bauen, selbst auf Stromleitungsmasten. Liegen die Nester nicht über, sondern zwischen den Leitungen, werde es jedoch gefährlich. Zum Tod der Tiere könne ein Kurzschluss führen und damit der Ausfall der Leitung für den Stromversorger resultieren.
Die Hergershäuser Wiesen sind dem Nabu bestens vertraut, unter anderem durch die regelmäßig organisierten Pflegearbeiten. Aktuell bringen sich zwölf Aktive ein, früher waren es 15. Den Arbeiten liegen teils Aufträge von Hessen Forst oder der Unteren Naturschutzbehörde zugrunde, womit sich Einnahmen generieren lassen. Mit ihnen wurde bereits ein Traktor gekauft.
In den Wiesen bewegen sich die Naturschützer stellenweise auf eigenem Land. „Besteht die Möglichkeit, kaufen wir Flächen auf”, so Lay. Das geschieht mit finanzieller Unterstützung der Nabu-Stiftung. Meist handelt es sich um kleine Parzellen, die Landwirte abgeben. Obwohl verkauft, dürfen die Bauern die Fläche in der Regel weiter nutzen, etwa zur Heugewinnung. Der Grund liegt darin, das Aufkommen von Wald und Gestrüpp zu verhindern. „Wächst alles zu, gehen jene Arten verloren, die sich im Offenland bewegen. Auch wenn‘s verwundert: Eine große Artenvielfalt entsteht oft nicht in Natur-, sondern in von Menschenhand geschaffenen Kulturlandschaften”, erläuterte der Vorsitzende.
Problematisch seien dagegen Monokulturen. Für den Naturschutzbund ist es deshalb wichtig, dass Landwirtschaft und Naturschutz eng zusammenarbeiten. Für den Nabu-Vorsitzenden Lay stellen Landwirte in gewisser Form sogar Naturschützer dar.
Die rund zweistündige Exkursion passierte mehrere Stellen, an denen die erfolgreiche und aufwendige Arbeit des Nabu Münster sichtbar wurde. Dazu gehört etwa ein Rückzugsgebiet für Eidechsen durch Stein- und Holzaufschüttungen. Außerdem die Uferschwalbenwand, die vor geraumer Zeit mit der hessischen Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie erweitert wurde, oder die vier Wannen für die Kreuzkröten, die man Anfang April mit 8.000 Litern Wasser befüllte. Dabei wurde geklärtes Wasser von der Kläranlage in Kanistern mit einem Hänger hierher verfrachtet. „Hier wird ja enorme Mühe reingesteckt”, lobte ein Teilnehmer und wurde von Lay höflich berichtigt: „Ganz sicher nicht nur hier. Bei den meisten Sachen, die wir machen, steckt richtig Arbeit drin.” Von Michael Just