Stand: 11.05.2026 09:23 Uhr

Mitten in Wandsbek liegt ein Ort, an dem Hamburg 2026 ein besonderes Jubiläum feiert: Der Botanische Sondergarten wird 100 Jahre alt. Mithilfe künstliche Intelligenz hat der NDR alte Bilder zum Leben erweckt.

von Tim Berendonk

„Zunächst mal war der Schwerpunkt eben, hier etwas Nützliches zu schaffen oder wo man auch entspannen konnte“, sagt Sigrid Curth vom Freundeskreis Eichtalpark e.V. dem NDR. So ist der Garten heute eine grüne Oase zwischen Straßen und Wohnhäusern. Aber die Geschichte dieses Geländes beginnt ziemlich dramatisch – und ganz anders, als man es erwarten würde.

Gelände lag nach Explosion 1911 brach

Das Hartsteinwerk in Hamburg-Wandsbek nach einer Explosion 1911 (Foto mit KI bearbeitet)

Das Unglück im Hartsteinweg 1911 ebnet den Weg für einen Schulgarten. (Foto mit KI bearbeitet)

Heute erinnert nichts mehr daran, wie alles begann. Anfang des 20. Jahrhunderts werden im Hartsteinwerk Steine für Straßen und Wege hergestellt – bis August 1911. Dann überhitzt ein Dampfkessel, er explodiert.
Sigrid Curth erläutert, wie sich das Unglück abgespielt hat: „Dieser Dampfkessel alleine, der wog 15 Tonnen. Und da kann man sich ja vorstellen, wenn das unter Druck gerät, dann flog der Dampfkessel in die Luft. Ungefähr 1.000 Sandsteine flogen hier bis ins Dorf, töteten vier Leute und es gab massenweise auch Verletzte. Und so lag das hier brach.“

Erholung für die Arbeiter und Umweltbildung

Botanischer Sondergarten Wandsbek (mit KI bearbeitet)

Zweck des Gartens: Erholung und Entspannung für die arbeitende Bevölkerung.

Das Gelände sollte aber bald eine andere Nutzung erfahren, wie Sigrid Curth erklärt: „Da hatte der Lehrerverein von Wandsbek eine sehr gute Idee. Es war ja inzwischen eine neue Regierung an der Macht, die wollte ja auch für die Arbeiter etwas tun und für die Erholung und auch für die Umweltbildung.“

So entsteht der Wandsbeker Schulgarten. Arbeiter modellieren das Gelände um, legen Wege und Beete an. Es sieht nicht nur schön aus. Menschen sollen Natur erleben – und Schulkinder etwas über Pflanzen, Tiere und ihre Umwelt lernen können.

Ein Kind, das […] im botanischen Schulgarten die Schönheiten und Geheimnisse des Pflanzenlebens kennenlernte, wird als Bürger den Wert der öffentlichen Grünanlagen zu schätzen und zu schonen wissen.

Sigrid Curth beschreibt die damalige Situation so: „Die Kinder waren eigentlich gar nicht so häufig hier erst mal. Sie kriegten nämlich sozusagen die Pflanzen, die im Unterricht gebraucht wurden, die kriegten sie hier vorgezogen und kamen dann in die Schule. Aber man konnte hier reingehen und man konnte sich das alles angucken.“

Schulgarten wird zum Botanischen Sondergarten

Heilkräuter im Botanischen Sondergarten Wandsbek

Auch Heilkräuter finden sich in dem Garten.

Dann kommt der Zweite Weltkrieg. Auch Wandsbek liegt in Trümmern. Die Wandsbeker nutzen in ihrer Not den alten Schulgarten für ihre eigene Versorgung. Gemüse und Nutzpflanzen sollen die Not lindern. Erst 1951 beginnt der Wiederaufbau.

Der frühere Schulgarten entwickelt sich stärker zu einem Botanischen Sondergarten. Zwar gibt es hier keine wissenschaftliche Sammlung, dafür aber Heil- und Nutzpflanzen, Alpen- oder Wassergewächse.

Kröten und Schlangen waren die Attraktionen

Auch Schlangen waren im Botanischen Sondergarten Wandsbek zu sehen.

Eine echte Schlange zu sehen, ist eine Besonderheit.

„Auch zur Schau hatte man Kröten, Schlangen und so etwas. Ja, das war einfach die Attraktion, hier mal eine echte Schlange zu sehen. Das hat die Kinder natürlich interessiert. Und es gab auch Bienenstände, einen Doppelbienenstand, wo man dann auch, ich weiß nicht, ob man da Honig produziert hat oder ob das einfach nur ein Unterschlupf war, um die Bestäubung hier zu fördern. Jedenfalls hat man sehr viel getan, um diese Natur den Menschen nahezubringen“, berichtet Sigrid Curth.

„Freu dich an diesem schönen Kleinod“

Sigrid Curth vom Freundeskreis Eichtalpark e.V.

Für Sigrid Curth ist der Sondergarten ein Ort zum Auftanken.

Was wächst wie und wann? Im Laufe der Jahre entwickelt sich der Sondergarten zu einem besonderen Ort – nicht nur zum Lernen. „Geh da hin, tanke auf und freu dich an diesem schönen Kleinod“, betont Sigrid Curth. Ein Aufruf, dem man auch nach 100 Jahren auf jeden Fall folgen sollte.

Hier liegt der Botanische Sondergarten Wandsbek

Ein Mann arbeitet im Gewächshaus des Botanischen Sondergartens in Hamburg-Wandsbek.

Der hübsche Park mit Gewächshaus zeigt viele Pflanzen-Raritäten. Im Frühling können Hobbygärtner kostenlos Blumenzwiebeln abholen.

Sträucher, Bäume und ein kleiner Teich im Botanischen Garten in Klein Flottbek in Hamburg.

Bambus, Rosen, Mammutbäume: Im Loki-Schmidt-Garten in Klein Flottbek können Besucher vielfältige Pflanzenwelten erkunden.

Menschen auf der großen Festwiese im Hamburger Stadtpark, im Vordergrund der Stadtparksee, hinten das Planetarium.

Ein Planetarium, ein Freibad, Biergärten und eine riesige Wiese: Der Stadtpark ist ein Ort zum Spielen und Entspannen.

Blick auf das Jenischhaus im gleichnamigen Park.

Wiesen zum Grillen, Blütenpracht, Parklandschaften: Obwohl nur ein Stadtstaat, bietet Hamburg zahlreiche schöne Grünflächen.

Beete und Gewächshaus im Botanischen Garten in Kiel.

Der Botanische Garten der Uni Kiel zeigt Pflanzen aus den verschiedensten Klimazonen. Zu sehen ist auch die größte Blume der Welt.

Frühling im Botanischen Garten Rostock.

Vom Schneeglöckchenbaum bis zur Orangenkirsche: Auf dem weitläufigen Gelände gibt es viele ungewöhnliche Pflanzen zu entdecken.

Ein Mädchen umarmt einen dicken Baumstamm

Mitten in einem Wald nahe der Müritz wachsen mächtige Bäume aus fernen Ländern – ein besonderes Ziel für einen Spaziergang.