Die Vögel zwitschern, ein paar Bienen sind auch schon fleißig in der Kleingartensparte „Erzgebirgsblick“ in Hohenstein-Ernstthal. Doch die Sonne brennt heute morgen schon frühsommerlich – Zeit für Swetlana Hüttner, ihre Tomatensetzlinge zu gießen. Zwei Stunden wird das dauern, denn es sind hunderte Pflanzen.
Dabei hat die Leidenschaft bei Swetlana Hüttner vor neun Jahren mit einer einzelnen Tomate begonnen. „Ich habe damals mit einer blauen Tomate angefangen. Ich hatte so etwas noch nie gesehen, also habe ich sie gekauft. Sie ist wunderschön gewachsen mit einem großem Ertrag.“ Daraufhin habe sie begonnen zu suchen, zu bestellen, zu kaufen und zu tauschen. „Mittlerweile sind es mehr als 2.000, fast 3.000 verschiedene Sorten.“
Kleiner Garten – große Vielfalt
Nur die Fläche im Kleingarten setzt der Leidenschaft Grenzen. Doch in jeder möglichen Ecke stehen die jungen Pflanzen in kleinen Töpfen. Alle haben Schilder, die Auskunft über die Sorte geben. Selbst die Hollywood-Schaukel haben die Pflänzchen in Beschlag genommen. Swetlana lacht. „Das ist ein ganz kleiner Schrebergarten und meine Tomaten müssen überall wachsen – zwischen den Rosen, zwischen Blumen, auf Hochbeeten, im Freiland und im Gewächshaus.“
Hier trifft der Adel auf Kommunisten
Und so stehen Sorten wie „Alter Kommunist“ oder „Prinz von Sachsen“ einträchtig nebeneinander. Jährlich kommen neue hinzu. Schließlich seien die Tomatensammlerinnen vernetzt, sagt Swetlana. „Ich habe mehrere Tomatengruppen, in denen gibt es Frauen, die sind noch schlimmer als ich“, lacht sie. „Die haben mehr als 5.000 Sorten. Nie im Leben schaffen sie es, alle einzupflanzen.“ Sie könne aber von deren Wissen profitieren. „Und so kommt es zu dieser großen Sortenvielfalt in meinem Garten.“
Bei Swetlana verkommt nichts
Bleibt die Frage, was mit den vielen Tomaten wird, die nicht getauscht werden und „übrig bleiben“, wenn die Saison zu Ende ist. „Aus den restlichen Tomaten koche ich Saft oder Soße, oder ich esse sie einfach als Salat“, erzählt Swetlana. „Ganz normale schöne rote Tomaten koche ich richtig. Dazu kommen Majoran, Oregano, Salz, Pfeffer und manchmal Basilikum, das ist alles.