Nach der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) meldet sich nun auch die Bürgerinitiative „TINA – so nicht in Halle!“ zu Wort. Beide Seiten haben sich zu einem offiziellen Austausch getroffen. Seitens der HAVAG waren auch Vertreter der Stadler Rail AG, dem Schweizer Hersteller der sogenannten TINA-Bahnen, eingeladen
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Die Bürgerinitiative bedankt sich für die Einladung zu diesem Austausch und dafür, dass den Geschädigten viel Zeit eingeräumt wurde, ihre Wahrnehmungen zu schildern. Die Anwesenden kamen aus diversen Stadtteilen Halles (Altstadt, südliche Innenstadt, nördliche Innenstadt, Damaschkestraße, Gesundbrunnen, Silberhöhe, Beesen, Trotha, Kröllwitz und Giebichenstein) und berichteten fast deckungsgleich von den Problemen mit der neuen Straßenbahn:
Der Betrieb der TINA-Bahnen verursacht flächendeckend heftige Erschütterungen und Stöße im Gleisbett, die in deutlich spürbare Schwingungen in die angrenzenden Gebäude übergehen.
Diese vergleichbaren Aussagen geben Sorge zur Bausubstanz der Gebäude entlang Fahrtstrecken, als auch für Schäden an den städtischen Versorgungsleitungen im Erdreich. Eine Geschädigte berichtet, dass sie aufgrund der gesundheitlichen Belastung aus ihrer Mietwohnung ausziehen musste. Der Umzug habe nicht unerhebliche Kosten verursacht. Andere Bürgerinnen und Bürger berichten von herabfallenden Möbelteilen und Rissbildungen in ihren Wohnungen.
Mehrere Anwohner betonen, dass sie gerne den öffentlichen Nahverkehr nutzen und sich über den normalen innerstädtischen Lärm, der von Einsatzfahrzeugen und eben auch Straßenbahnen ausgeht, bewusst sind und diesen teilweise seit 70 Jahren gut akzeptieren konnten.
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Durch die neuen TINA-Bahnen treten nun allerdings neue außerordentliche Belastungen auf, die über das Ertragbare weit hinausgehen.
Probleme seit Jahren ungelöst
Das Problem ist seit 3 Jahren aus Darmstadt und Basel bekannt, in der Saalestadt gibt es seit fast einem Jahr mit Beginn der ersten Testfahren im Juni 2025 Beschwerden. Der Hersteller arbeitet laut eigener Aussage intensiv an Lösungen für das Problem, konnte aber bisher keinen entscheidenden Erfolg liefern. Das Versprechen, eine Lösung des Problems bis Ende 2025 zu präsentieren, konnte nicht gehalten werden. Nun ist von schrittweisen Optimierungen die Rede, welche sich noch Jahre hinziehen können, konkrete Versprechen werden nicht mehr gemacht. Die anwesenden Geschädigten nahmen das mit Entsetzen und großer Sorge über die damit verbundene anhaltende Belastung zur Kenntnis.
Entlastung der Anwohner erforderlich
Es bleibt dabei:
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Die durch die neuen Bahnen ausgelösten Erschütterungen und damit verbundenen Belastungen sind nicht hinnehmbar und müssen ein Ende haben.
Die Bürgerinitiative begrüßt es, dass die HAVAG Infrastruktur-Maßnahmen ergreifen will. Im Dialog wurde allerdings auch deutlich, dass außer Weichen- und Kurvenbereiche selbst völlig gerade Streckenabschnitte betroffen sind. Zudem bestehen die Probleme auch in erst vor wenigen Jahren sanierten Streckenabschnitten der Innenstadt. Zusammen mit der Tatsache, dass die Erschütterungen flächendeckend in weiten Teilen des Streckennetzes auftreten, wird deutlich, dass durch Infrastrukturmaßnahmen – wenn überhaupt – erst in Jahrzehnten komplett Abhilfe geschaffen werden kann. Ein Zeitraum, der die geplante Nutzungsdauer der neuen TINA-Bahnen deutlich überschreiten wird. Deshalb ist aus Sicht der Bürgerinitiative klar, dass die neuen Straßenbahnen zur Stadt und dem im Vorfeld bekannten Zustand des Streckennetzes passen müssen – und nicht umgekehrt. Die Gesundheit der Anwohner und die Bausubstanz der Stadt dürfen nicht weiter durch Experimente des Schweizer Herstellers zur Disposition gestellt werden.
Es wurde im Dialog konkret gefordert, den Probebetrieb der Bahnen bis zu einer technischen Lösung durch den Hersteller einzustellen oder zu echten Testzwecken maximal auf den Einsatz jeweils eine Kurz- und Langversion der TINA-Bahnen zu beschränken.
Die Bürgerinitiative sieht diese Einschränkung des Probebetriebs als absolut notwendigen Schritt, um eine kurzfristige Entlastung der Anwohner zu erreichen, weitere Schäden an der Bausubstanz und unabsehbare Folgekosten für die Stadt (Halle) zu vermeiden.
Weitere Geschädigte können Ihre Wahrnehmungen unter der E-Mail-Adresse [email protected] äußern und werden dann über weitere Schritte informiert. Bitte geben Sie bei Ihrer Kontaktaufnahme an, ob Sie Mieter, Eigentümer oder zur Vertretung der Eigentümer/in berechtigt sind.
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