Ludger Schepers, Beauftragter der Bischofskonferenz, predigte im Gottesdienst der Queergemeinde – und rief zum Glauben ohne Ausgrenzung auf.

Der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Ludger Schepers, hat betont, dass „wir gemeinsam ungeduldig darauf bestehen, dass Glaube nicht gegen Menschen eingesetzt wird, sondern sie aufrichtet“. Schepers predigte am Sonntagabend, 10. Mai, im Gottesdienst der Queergemeinde in Münster.

Hoffnung sei kein passives Warten, sondern „der brennende Wunsch, dass die Welt endlich so wird, wie Gott sie gemeint hat“, so der Weihbischof aus Essen. Vielleicht sei „queere Hoffnung deshalb zutiefst ungeduldig. Sie sagt Nein zum ewigen Vertrösten. Sie ist das Wissen: Unsere Würde ist jetzt, unsere Liebe ist jetzt, unsere Sichtbarkeit ist jetzt.“

Schepers: Wer hofft, wird ungeduldig

Queeren Menschen werde oft gesagt: „Habt Geduld. Die Kirche braucht Zeit. Die Gesellschaft ist noch nicht so weit.“ Doch wer Hoffnung in sich trage, werde irgendwann ungeduldig.

Hoffnung zeige sich, wo „niemand erklären muss, warum die eigene Existenz kein ,Diskussionsthema‘ ist“, sagte Schepers. Dort, wo Kirche nicht Kontrolle bedeute, sondern Schutz. Gerade Gemeinschaften queerer Menschen hätten eine Stärke entwickelt, „Räume zu schaffen, in denen die Zukunft schon heute beginnt. Wo wir nicht mehr fragen, ob wir dürfen, sondern wo wir einfach sind.“

„Wir müssen unsere Würde nicht verdienen“

„Kein Mensch muss Gott beweisen, dass das eigene Leben wertvoll ist“, führte der Weihbischof aus. „Keine Liebe muss erst eine jahrzehntelange Prüfung bestehen, um legitim zu sein. Als Menschen müssen wir unsere Würde nicht verdienen. Und wir müssen nicht darauf warten, dass Menschen sie uns offiziell zugestehen.“

Schepers zitierte aus dem ersten Petrusbrief: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ (3,15) Petrus rufe auf, dies mit Sanftmut zu tun, mit der „Ruhe derer, die wissen, dass sie im Recht sind“.

„Es reicht. Wir warten nicht mehr“

Sanftmut könne bedeuten, „sich nicht vom Hass verbittern zu lassen, aber der Ungerechtigkeit den Gehorsam zu kündigen. Die eigene Würde zu bewahren, während man gleichzeitig sagt: ,Es reicht. Wir warten nicht mehr.‘“ Ein Zeugnis der Hoffnung könne sein, dass „wir den Mut haben, die Welt daran zu erinnern, dass Gerechtigkeit keinen Aufschub duldet“.

Als queer bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder deren geschlechtliche Identität nicht mit gesellschaftlichen Rollenbildern übereinstimmt. Unter ihnen sind Personen gleichgeschlechtlicher Orientierung die wohl größte Gruppe.