Das Pina Bausch Zentrum under constructions lud im Rahmen des Projekts „Urban Wilderness“ Bürgerinnen und Bürger ein, das weitläufige und bislang ungenutzte Areal temporär umzugestalten.
Bei sonnigen 20 Grad sägten, hämmerten und werkelten Profis und Laien gemeinsam und hauchten dem bislang wenig genutzten Vorplatz Leben ein. Das Projekt führt das Pina Bausch Zentrum under constructions gemeinsam mit dem „Constructlab“ aus Berlin und der gemeinnützigen Denkschmiede „Neue Effizienz“ aus Wuppertal durch. Alex Römer, Architekt und Zimmermann bei Constructlab, erklärt, wie die konkreten Ideen bei den vorherigen Gestaltungsworkshops zustande kamen. „Uns war klar, dass wir mit dem arbeiten, was da ist. Ziel war es, den Bestand zu nutzen und zugleich auf Komfort zu setzen“, sagt er.
Bestehende Bänke aus
Stein werden aufgepimpt
Ergebnis waren sogenannte „Park-Platz-Bänke“, also gemütliche Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen auf dem Platz einladen. Die helfenden Personen konnten am Wochenende individuell kreativ werden, indem sie sich aus vorgeschlagenen Baukonstruktionen des transdisziplinären Netzwerks aus Berlin ihre Favoriten aussuchen und loswerkeln konnten.
So waren bereits am Samstagnachmittag Lehnen an den Seiten einiger Steinbänke aus dem Bestand angebracht, ganz neue Bank-Tisch-Konstruktionen und sogar kleine Liegeflächen für extra viel Platz. Ziel war es unter anderem, dadurch sogar eine kleine Agora auf dem Platz entstehen zu lassen. Alex Römer wirkte mit vierköpfigem Team mit, einige Mitglieder der Neuen Effizienz, aber auch vereinzelte Bürgerinnen und Bürger, die vorbeiliefen, griffen spontan zum Hammer oder schauten sich zumindest neugierig um.
Die Frage nach der Neugestaltung, so Römer, sei „sehr spannend“ gewesen, durch die unmittelbare Nähe zur stark befahrenen B7 nicht ganz einfach. In der zeitlichen Begrenztheit der Umgestaltung sieht der Architekt keinen Nachteil. „Mit Constructlab gehen wir häufig Projekte zur temporären Gestaltung an. Man muss ganz realistisch sein: Manche Dinge würden, wenn sie permanent sein sollen, niemals gemacht werden.“
Neben den „Park-Platz-Bänken“ soll sich in einem nächsten Schritt auch wieder mehr der Begrünung des Platzes gewidmet werden – daneben stellt auch die Aktivierung des Vorplatzes einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt dar, wie Bettina Milz, Leiterin der Vorlaufphase des zukünftigen Pina Bausch Zentrums, erklärt. „Wir wollen hier bald wieder unsere Tanzfläche aufbauen, vielleicht Fahrradtraining für Kinder anbieten, Flohmärkte und vieles mehr“, zählt sie nur einige der Ideen auf, die im Raum stehen. Der so zentrale Platz habe es nicht einfach gehabt, zum einen durch die erwähnte Bundesstraße, dann die Pandemie, das Hochwasser und einige Leerstände in der unmittelbaren Umgebung. Werde das erst einmal geändert, „wird dieser Ort hier nach außen strahlen“, zeigt sich die Leiterin der Vorlaufphase zuversichtlich. Und freut sich, wie viele Menschen bereits in den vorherigen Workshops Impulse und Ideen mit eingebracht haben. Darauf hofft sie auch weiterhin: „Wenn jemand weitere Ideen hat, kann er sich gerne bei uns melden. Wir sind immer offen für Vorschläge.“ Auch über die Partnerschaft mit der Neuen Effizienz freut sich Bettina Milz, sieht sie als wertvolle Entwicklung des letzten Jahres an.
Gefördert wird die Umgestaltung mit 70 000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ein Projekt, das nicht nur einen zentralen Ort in der Innenstadt verschönern und attraktiver machen wird, sondern auch Menschen zusammenbringt – und von Anfang an mit einbezieht.