Blick auf BASF Schwarzheide. Foto: BASF SEBlick auf BASF Schwarzheide. Foto: BASF SE

Industrie-Abwärme hilft bei Wasserstoff-Produktion an BASF-Standort

Dresden/Schwarzheide, 11.05.26. Weil in Chemiebetrieben ohnehin immer viel Abwärme entsteht, die normalerweise ungenutzt in die Luft entweicht, installiert Sunfire Dresden bis Ende 2026 im Industriepark Lausitz in Schwarzheide einen Hochtemperatur-Elektrolyseur. Der soll bei Temperaturen um die 850 Grad Wasser besonders effizient in Sauer- und Wasserstoff zerlegen. Das haben Sunfire und die „BASF Infraservice & Solutions Lausitz GmbHmitgeteilt.

Christian von Olshausen ist Technikchef bvei "Sunfire" in Dresden. Foto: Heiko WeckbrodtChristian von Olshausen. Foto: Heiko Weckbrodt

„Die Hochtemperatur-Elektrolyse bietet energieintensiven Industrien enorme Effizienzvorteile für die Dekarbonisierung“

Sunfire-Technikchef Christian von Olshausen

Den traditionsreichen, zuletzt aber etwas angeschlagenen Chemiestandort im Süden Brandenburgs haben die Partner mit Bedacht ausgewählt: „Die Hochtemperatur-Elektrolyse bietet energieintensiven Industrien enorme Effizienzvorteile für die Dekarbonisierung“, ist Sunfire-Technikchef Christian von Olshausen überzeugt. Der Industriestandort Schwarzheide eigne sich wegen seiner „guten Infrastruktur, der verfügbaren Flächen und der industriellen Expertise vor Ort“ besonders für praxisnahe Langzeittests der noch jungen Hochtemperatur-Elektrolyse.

Bei 850 Grad sind 89 % Wirkungsgrad drin – das Problem ist das Vorheizen

Ein Hintergrund dieser Überlegungen ist technologischer Natur:

  • Elektrolyseure auf Alkali-Basis gelten zwar als bewährte Technik, haben aber nur einen mäßigen Wirkungsgrad von etwa 60 bis 65 Prozent. Was heißt: Sie liefern nur etwa zwei Drittel der eingesetzten elektrischen Energie in Form von Heizenergie des gewonnenen Wasserstoffs zurück.
  • Hochtemperatur-Elektrolyseure (SOEC) aus Dresden hingegen erreichen laut Sunfire bis zu 89 Prozent Wirkungsgrad. Erreicht wird diese hohe Ausbeute vor allem durch die hohen Betriebstemperaturen um die 850 Grad. Solche Wasserspalter sind allerdings teurer als klassische Technik, weil sie besonders hitzebeständige Materialien brauchen. Außerdem müssen sie erst auf ihre hohe Betriebstemperatur vorgeheizt werden. Und das rechnet sich unterm Strich nur in der Nähe von Stahlwerken, Chemiebetrieben und anderen Fabriken, die dafür die nötige Wärme quasi gratis liefern.

Etwa so soll der Hochtemperatur-Elektrolyseur von Sunfire Dresden in Schwarzheide aussehen. Visualisierung: SunfireEtwa so soll der Hochtemperatur-Elektrolyseur von Sunfire Dresden in Schwarzheide aussehen. Visualisierung: Sunfire

Modernisierungskurs im Industriepark Schwarzheide

Solche Unternehmen können daher mit heißen Elektrolyseuren mehr aus ihrer Abwärme machen und gleichzeitig ihre Umweltbilanz verbessern – daher auch das Sunfire-Argument mit Blick auf die Dekarbonisierung. Für die BASF-Tochter, die den Industriepark in Schwarzheide betreibt, ist der Elektrolyseur aus Dresden zudem ein Mosaikstein, um den ehemals reinen Chemiestandort an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen auf zukunftsweisende Technologiepfade zu lenken: „Die Testanlage stärkt die industrielle Wertschöpfung in der Region und unseren Industriestandort“, betont „BASF Infraservice“-Chef Jürgen Fuchs. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Aufbau einer BASF-Anlage für Akku-Kathodenmaterialien in Schwarzheide.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Sunfire, BASF, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt