Als der Stadtrat dem Baubeschluss für die künftige Notschlafstelle für Obdachlose in Hauptbahnhofnähe – in der Kurt-Schumacher-Straße 41 – zustimmte, gingen auch die Planer der stadteigenen LESG noch davon aus, dass man das Gebäude für rund 5,5 Millionen Euro sanieren könnte. Doch als sie sich 2025 die Bausubstanz des ehemaligen Hostels genauer anschauten, wurde ihnen klar: Das würde noch viel teurer werden. Über 2 Millionen Euro teurer. Logisch, dass es am 29. April in der Ratsversammlung emotional wurde, als über diese Mehrkosten diskutiert wurde.

Und vielleicht hätte man es vorher wissen können, wie Andreas Geisler (SPD) und Udo Bütow (AfD) in ihren Redebeiträgen andeuteten. Denn im zuständigen Grundstücksverkehrsausschuss hatte man den Ankauf des Hauses wohl sehr kritisch diskutiert.

Diese Kritik bestätigte sich dann bei der Bauwerksuntersuchung, was die Vorlage des Sozialdezernats dann etwa so beschreibt: „Mit Beginn der Abbruch- und Rückbauarbeiten im April 2025 (Leitungen, haustechnische Installationen, Boden- und Deckenaufbauten) wurde erstmals ein vertiefter Einblick in die tatsächliche bauliche Situation des Bestandsgebäudes möglich. Erst durch diese Eingriffe – flankiert von baubegleitenden Sicherungsmaßnahmen – konnten belastbare Erkenntnisse zur Gründungssituation sowie zum Zustand der tragenden Bausubstanz, insbesondere des Mauerwerks und der vorhandenen Holzbalkendecken, gewonnen werden.“

Auch der Baugrund musste stabilisiert werden. Es ist also nicht nur die Verzögerung, die die Sanierung teurer macht: Es sind auch relevante Schäden am Haus, die wohl schon lange existierten, aber vor den Rückbauarbeiten nicht sichtbar waren.

Der lange Kampf um eine Notschlafstelle

Besonders ärgerlich, so fand Grünen-Stadträtin Katharina Krefft, ist dabei die Verzögerung. Denn dass Leipzig eine solche Notschlafstelle in Bahnhofsnähe braucht, war schon 2018 klar, als der Stadtrat das entsprechende Programm zur Obdachlosenhilfe beschloss.

Doch wertvolle Jahre vergingen mit der Suche nach einer verfügbaren Immobilie in Bahnhofsnähe. Sodass die Stadt dann zuschlug, als das ehemalige Hostel in der Kurt-Schumacher-Straße zum Kauf stand. Und wohl auch einen höheren Preis zahlte, als das Gebäude letztlich wert war.

Juliane Nagel (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 29.04.2026. Foto: Jan KaeferJuliane Nagel (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 29.04.2026. Foto: Jan Kaefer

Nur steht die Stadt unter Druck, denn die Zahl der Obdachlosen in der Stadt wächst unaufhörlich. Ein Pronlem, das die Stadträtin der Linken Juliane Nagel noch einmal deutlich machte. Die meisten suchen die existierenden Notschlafstellen in eher abgelegenen Stadtteilen nicht auf, nächtigen in Parks und auf Bänken und haben vor allem den Hauptbahnhof als Anlaufpunkt. Das könne man nicht ignorieren, so Nagel.

Und ein Ersatzobjekt in diesem Umfeld hat die Stadt nicht. Vielleicht hätte sie früher reagieren können, denn angekauft hat sie das Gebäude schon 2022. Bis zum Baubeschluss vergingen volle drei Jahre, so dass die Hiobsnachrichten nach den ersten Rückbaumaßnahmen in geballter Wucht eintrudelten.

Aber eine Alternative nannte am 29. April niemand. Und schweren Herzens stimmte die Ratsversammlung dann auch der Vorlage mit den erhöhten Baukosten zu.

Verschoben hat sich damit auch der Fertigstellungstermin. Deutlich weist die Vorlage darauf hin, dass die Notschlafstelle im Winter 2026/2027 nicht zur Verfügung stehen werde. Die Zimmererarbeiten sind inzwischen im Gang. Mit dem Einbau der Haustechnik wird jetzt im April 2027 gerechnet, mit einer Nutzungsaufnahme im Juli 2027.

Hätte die Ratsversammlung nicht zugestimmt, hätte Leipzig eine nicht fertiggestellte Baustelle an der Backe, die dann wohl für Jahre dastehen und Kosten verursachen würde, ohne einen Nutzen zu stiften.