Eigentlich ist es idyllisch: Die Vögel zwitschern, rundherum herrscht sattes Grün. Entlang eines schmalen Kieswegs spaziert man am Hachinger Bach Richtung Norden – an der Grenze zwischen Unterbiberg und dem Münchner Stadtteil Ramersdorf‑Perlach. Doch die Idylle endet abrupt: Nach wenigen Minuten ist Schluss. Eine Mauer aus Betonblöcken versperrt den Weg. Wer von Neubiberg kommt, steht davor – und kommt nicht weiter. Für Spaziergänger aus Perlach ist die Situation noch unerquicklicher: Wer Richtung Neubiberg will, muss jetzt auf die Unterbiberger Straße ausweichen. Enttäuschung und Ärger sind auf beiden Seiten groß. Ein beliebter Spazierweg ist plötzlich unterbrochen.

Die Mauer aus Betonblöcken steht seit mehreren Monaten auf Höhe der Winninger Straße in Perlach an der Biegung eines kleinen Wegs, der von der Unterbiberger Straße zum Bachufer führt. Errichtet hat sie eine Privatperson auf eigenem Grund, wie ein Sprecher des Münchner Planungsreferats bestätigt. Ein Schild am Zugang weist ebenfalls darauf hin, dass es sich um Privatgelände handelt. Der Pfad wurde bislang häufig genutzt: von Perlach aus als Verbindung zum Bach –und von Neubiberg kommend als Zugang von Perlach. Der naturnahe Weg am Hachinger Bach selbst gehört südlich des Privatwegs der Stadt München, verläuft in Richtung Neubiberg, aber nur zum Teil auf städtischem Grund.

Von Neubiberg aus kann man den Fußweg am Bach noch betreten, man stößt dann aber irgendwann auf das Hindernis.Von Neubiberg aus kann man den Fußweg am Bach noch betreten, man stößt dann aber irgendwann auf das Hindernis. Claus Schunk

Die Entrüstung über die Blockade ist groß. „Man kann an der Mauer nicht mehr vorbei, ich finde das unverschämt“, sagt ein Perlacher, der in der Nähe des Zuwegs mit seinem Hund Gassi geht. Es werde einfach über die Köpfe der Leute hin verhandelt. Besonders für ältere Menschen sei es ärgerlich, sie könnten nicht ausweichen. „Es war so ein schöner Spaziergang“, sagt er. Dabei sei ja nichts passiert, nur ein wenig Vandalismus habe es gegeben.

Auch auf Perlacher Seite äußert eine Spaziergängerin Kritik. Die Frau, die mit ihrem Hund auf der Wiese am Ende der Unterbiberger Straße nahe der Grenze zu Unterbiberg unterwegs ist, findet deutliche Worte: „Wir finden das schrecklich und egoistisch von dem Eigentümer“, sagt sie. Viele vermissten den Spazierweg mit seinem schönen, sonnigen Streifen, auf dem man auch im Winter mit den Kindern noch gut entlanglaufen konnte.

Auch ein Neubiberger geht mit seinem Hund auf der Wiese spazieren. „Es ist schade, dass der Weg jetzt gesperrt ist, er war jahrelang offen“, sagt er. Für ihn sei es der ideale Spazierweg im Sommer gewesen. Auch viele andere Neubiberger hätten ihn gern genutzt, sagt er. Er selbst musste öfter ins Gewerbegebiet nach Perlach  – der Weg am Bach entlang war für ihn deutlich angenehmer als die Unterbiberger Straße. Manche haben ihren Unmut bereits direkt an der Mauer hinterlassen. In lila Lettern steht dort: Mit viel Power durch die Mauer – bis sie bricht.

Am Zaun neben der Mauer hängt ein Schild mit einem QR-Code. Darüber gelangt man zur Petition auf der Plattform Change.org.Am Zaun neben der Mauer hängt ein Schild mit einem QR-Code. Darüber gelangt man zur Petition auf der Plattform Change.org. Claus Schunk

Die Betroffenheit ist so groß, dass Anwohner aus Perlach bereits im Oktober des vergangenen Jahres auf der Plattform Change.org eine Petition gestartet haben.  Darin fordern sie, dass der Privateigentümer den Zugang zum Hachinger Bach wieder öffnet. Mehr als 2500 Menschen haben die Petition schon unterschrieben, darunter auch die Spaziergängerin mit ihrem Hund. „Durch die Blockade verlieren wir einen für uns vitalen Ort der Erholung und Verbindung mit der Natur“, heißt es in der Petition. Dort ist auch zu lesen, dass der Eigentümer den Weg erst durch einen Zaun und dann durch die Mauer versperrt habe. Inzwischen hat es die sogenannte „Perlacher Mauer“ sogar schon zu einem Eintrag auf Google Maps gebracht.

Der Eigentümer des Grunds ist bislang nicht ausfindig zu machen, er wohnt nach Aussagen von Anwohnern nicht dort. Laut einem Beitrag im Münchner Merkur soll er die Mauer errichtet haben, weil es an dem Zaun, den er zuvor errichtet hatte, Vandalismusschäden gegeben habe.

Ein Schild vorne an der Unterbiberger Straße weist darauf hin, dass es sich bei dem Weg, der zum Hachinger Bach führt, um Privatgrund handelt.Ein Schild vorne an der Unterbiberger Straße weist darauf hin, dass es sich bei dem Weg, der zum Hachinger Bach führt, um Privatgrund handelt. Claus Schunk

Die „Perlacher Mauer“ kam auch schon während einer Bürgerversammlung in Unterbiberg zur Sprache. Im Neubiberger Rathaus sieht man die Situation zwar mit Bedauern, hat aber offenbar keine Handlungsmöglichkeiten. „Wir können leider nichts machen, weil die Mauer auf dem Gebiet der Landeshauptstadt München steht“, sagt Geschäftsleiter Thomas Schinabeck.

Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach hat sich im vergangenen Jahr bereits mit dem Thema beschäftigt – aufgrund mehrerer Bürgeranfragen. Das Gremium regte an, eine Zuwegung zum Bach über das Nachbargrundstück südlich des Privatwegs zu schaffen, das sich im Besitz der Stadt befindet. Allerdings ist die Umsetzung kompliziert: „Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Eigentumsverhältnisse am Weg entlang des Hachinger Bachs selbst zwischen privat und städtisch wechseln. Insofern würde dies noch keine Sicherung des gesamten Weges bedeuten“, sagt Thomas Kauer, der bis Ende April Vorsitzender des Bezirksausschusses war.

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Zudem ist das städtische Grundstück südlich des Privatwegs derzeit an eine Hundeschule verpachtet. Eine neue Wegeverbindung wäre deshalb erst nach einer Anpassung des Vertrags möglich, wie das Baureferat mitteilte. Der Bezirksausschuss bedauere, dass eine beliebte Spazierroute hier jäh endet, so Kauer.

Eine Lösung gibt es bislang nicht – doch könnte sie sich in absehbarer Zeit abzeichnen. Die Stadt München prüft derzeit den Sachverhalt. „Die Lokalbaukommission hat ein bauaufsichtliches Verfahren eingeleitet, in dem aktuell geklärt wird, ob gegen baurechtliche Regelungen verstoßen wurde“, schreibt ein Sprecher des Planungsreferats. Wird ein Verstoß festgestellt, erhält der Eigentümer Gelegenheit zur Stellungnahme. Wie das Verfahren ausgeht, ist derzeit noch offen.