Die Industrie im Bergischen Städtedreieck hat binnen eines Jahres mehr als 3100 Arbeitsplätze abgebaut. Dies ist laut Bergischer Industrie- und Handelskammer (IHK) ein Rückgang von knapp 6 Prozent. „Die Deindustrialisierung setzt sich unvermindert fort“, sagte IHK-Präsident Henner Pasch an diesem Montag (11. Mai) bei der Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts für Solingen, Remscheid und Wuppertal.

Pasch zeichnet ein düsteres Lagebild. Es fußt auf der jüngsten Konjunkturumfrage der Bergischen IHK. 492 Unternehmen mit rund 19.200 Beschäftigten haben sich daran beteiligt. Besonders schlecht ist das Konjunkturklima demnach beim Großhandel. Der Einzelhandel leide unter dem zusätzlich verschlechterten Konsumklima aufgrund des Energiepreisschocks, so die IHK. „Die Strukturkrise der Industrie hält unvermindert an“, heißt es in dem Bericht, auch mit Blick auf die im internationalen Vergleich hohen Arbeitskosten. Das Verkehrsgewerbe (Transport und Logistik) sei wegen der massiv gestiegenen Treibstoffkosten „erheblich unzufriedener“ als noch vor vier Monaten. Einzig die Dienstleistungsbranchen wie etwa Unternehmensberatungen, Marketingagenturen oder IT äußerten sich „nach wie vor positiver über die Konjunktur“. Diese Schlaglichter aus dem Bericht untermauern das Lagebild:

Die Differenz zwischen den positiven und den negativen Einschätzungen durch die Unternehmen liegt nahezu unverändert bei minus 13,4 Punkten – und verharrt damit seit Herbst 2023 im negativen Bereich.

74 Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten, dass der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise infolge des Irak-Kriegs ihren Unternehmenserfolg 2026 gefährden könnte – 23 Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn.

Mehr als die Hälfte der Industriebetriebe beabsichtigt, ihre Ausgaben für Maschinen und Anlagen im laufenden Jahr einzuschränken.

Annähernd zwei Drittel der Unternehmen zählen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für ihre Geschäftsentwicklung. Der Wert markiert laut IHK einen neuen Höchststand in der Konjunkturumfrage.

Zweifel an Inlandsnachfrage

Sechs von zehn Unternehmen sorgen sich um die schwache Entwicklung der Inlandsnachfrage – so viele wie seit Corona nicht mehr.

35 Prozent der bergischen Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit einer Verschlechterung der Lage, nur 14 Prozent mit einer Verbesserung. Der Indikator für die Geschäftserwartungen sinkt damit auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2023.

Nur sieben Prozent der befragten IHK Unternehmen beabsichtigen, in diesem Jahr zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Dagegen will rund ein Viertel Stellen streichen; vor allem die Industrie baut weiter ab. Davon betroffen sind auch Ausbildungsplätze.

Bei jedem zweiten Unternehmen sind die Produktionskapazitäten nicht ausgelastet. „Besonders viele negative Rückmeldungen kommen derzeit aus der Werkzeugindustrie und dem Maschinenbau“, so die IHK.

Der Effekt durch den zum 1. Januar 2026 verringerten Mehrwertsteuersatz ist offenbar verpufft, überlagert vom Energiepreisschock. „Mehr als die Hälfte der Gaststätten berichtet, dass die Zahl ihrer Besucher in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr gesunken ist“, schreibt die IHK.

Dieser Bereich „stabilisiert die Konjunktur“, stellt die Kammer fest. Die positiven Einschätzungen zur Geschäftslage überwiegen bei den Dienstleistern die negativen (26 Prozent gegenüber 18).

IHK-Präsident Pasch über die kurz- bis mittelfristigen Gesamtaussichten der Wirtschaft im Städtedreieck: „Der erhoffte Aufschwung rückt in weite Ferne. Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten treffen nahezu alle Branchen.“