Doch der Iran sollte sich nicht täuschen. Gerade eine gedemütigte US-Regierung ist gefährlich, und rein militärisch sind die USA noch immer massiv überlegen.
Druck führt zu verhärteten Fronten
Trump versuchte in den vergangenen Wochen, eine Drohkulisse aufzubauen. Seine Aussage, die USA würden das angereicherte Uran „irgendwann“ bekommen, ist dafür bezeichnend. Das Material stehe unter Beobachtung, sagte er. „Wenn sich jemand dem Ort nähert, werden wir davon erfahren, und wir werden ihn in die Luft jagen.“ Trump kann derweil aus innenpolitischen Gründen nur schwer eine Bodenoffensive befehlen.
Derweil testet Teheran aus, wie weit es angesichts von Trumps Drohungen gehen kann. Drohnen in der Golfregion, Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait, Drohungen gegen Staaten, die US-Sanktionen durchsetzen: All das erhöht den Druck. Iran will zeigen, dass ohne Teheran keine Stabilität in der Region möglich ist. Aber genau darin liegt das Risiko. Je stärker der Iran die Golfstaaten und die Schifffahrt bedroht, desto größer wird der Druck auf Trump, militärisch zu reagieren.
Für Trump ist das innenpolitisch besonders heikel. Er hat seinen Anhängern immer versprochen, keine endlosen Kriege zu führen. Nun steckt er selbst in einem Konflikt, der nach genau so einem Krieg aussieht: unklare Ziele, hohe Kosten, brüchige Waffenruhe, wachsende regionale Risiken. Der jüngste US-Vorschlag sollte 30 Tage Verhandlungen ermöglichen. Doch schon der erste iranische Gegenvorschlag hat gereicht, um Trump öffentlich explodieren zu lassen.
Das zeigt: Die Diplomatie ist nicht tot. Aber sie ist extrem fragil.
Trump hat kaum Optionen
Ein Kompromiss müsste beiden Seiten etwas geben. Der Iran bräuchte ein Ende der US-Seeblockade, wirtschaftliche Erleichterungen und Sicherheitsgarantien. Die USA bräuchten Kontrolle über das Atomprogramm, freie Schifffahrt und ein Ende iranischer Angriffe auf Partnerstaaten in der Golfregion. Israel wiederum wird keinen Deal akzeptieren, der Teheran weiter hoch angereichertes Uran überlässt.
Diese Interessen sind schwer vereinbar. Die Alternative ist aber: ein Krieg, der sich ausweitet.
Genau deshalb ist der aktuelle iranische Kurs riskant. Die Führung in Teheran mag glauben, sie könne Trump vorführen und sich damit für die Tötung von Teilen ihrer Führung rächen. Kurzfristig mag das sogar stimmen. Doch wenn der Iran die Straße von Hormus als Geisel nimmt, die Golfstaaten bedroht und das Atomprogramm aus den Verhandlungen heraushält, dann liefert er Trump die Begründung für den nächsten Schlag – und das könnte auch eine europäische Koalition zur Sicherung der Seewege auf den Plan rufen.
