Wer im Saarland französisches Fernsehen über Kabel sehen will, guckt in die Röhre. Im wahrsten Sinne des Wortes: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Denn aktuell gibt es keinen einzigen französischen Sender mehr im Angebot. Jedenfalls nicht kostenlos in der Basis-Version. Natürlich kann man ein Paket für Frankreich dazukaufen oder für Russland oder die Türkei, aber eben nur für Geld. Dafür gibt es mehrere christlich angehauchte Sender, die frei empfangbar sind, deren Programm doch etwas zweifelhaft erscheint. Warum gleich mehrere davon und kein kostenloses französischsprachiges Programm?

SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon sagt dazu: „Wir können als Gesetzgeber leider nicht Vodafone dazu verpflichten, französisches Fernsehen kostenlos anzubieten, denn Vodafone hat mit diesem Angebot Kosten. Und wir können als deutscher Gesetzgeber nicht darauf hinwirken, dass die französischen Sender das kostenlos anbieten. Das ist das Dilemma, in dem wir stecken“, sagte Commerçon. Es sei natürlich sehr wünschenswert, kostenlose Angebote zu haben.

Aber weder die Landesregierung noch die Medienanstalt hätten diesbezüglich die gesetzgeberische Kompetenz. „Für 4,99 Euro im Monat kann man die französischen Sender auch bei uns empfangen“, so Commerçon. Das sei vergleichsweise niedrig, dennoch werde er noch einmal auf die Landesmedienanstalt zu gehen und diese bitten, mit Vodafone zu verhandeln. Ganz so billig ist es aber nicht, denn es werden noch 9,99 Euro pro Monat für das Giga-Kabelpaket fällig. Er selbst, so der Fraktionschef, sehe ein französisches Angebot als Chance für die französischen Sender, aber man könne sie eben nicht dazu zwingen.

Bis 2023 gab es nach Angaben der saarländischen Landesmedienanstalt kostenloses französisches Fernsehen im saarländischen Kabelnetz, doch nicht etwa, weil Vodafone dazu verpflichtet gewesen wäre. Das Angebot stellte Vodafone kulanterweise kostenlos zur Verfügung. Eigentlich hätten die französischen Sender eine Einspeisegebühr für das saarländischen Kabelnetz bezahlen müssen, taten dies aber nie. Seit 2023 bietet Vodafone nun kein französisches Programm kostenlos mehr an, ist dazu aber auch nicht verpflichtet. Im saarländischen Mediengesetz ist lediglich vorgesehen, dass ein Sender aus Frankreich oder Luxemburg zu empfangen sein muss – aber nicht kostenlos.

„Unerhört“ findet AfD-Fraktionschef Josef Dörr die Tatsache, dass man kein französisches Fernsehen kostenlos empfangen kann. Er habe dasselbe mit russischem Fernsehen erlebt. „Das war dann plötzlich weg.“ Auf seine Nachfrage habe er von der Landesmedienanstalt damals keine Antwort erhalten.

„Man sollte danach streben, die Sprache des Nachbarn mehr zu erlernen und das auch fördern“, sagte Dörr. Wenn aber solche Programme aus dem Kabelnetz entfernt würden und man dafür bezahlen müsse, spräche das ja komplett dagegen. Die AfD-Fraktion werde bei der Landesregierung eine Anfrage stellen und Auskunft über den Sachverhalt verlangen.

CDU-Fraktionschef Stephan Toscani, ein sehr guter Frankreich-Kenner, sieht Luxemburg als großes Vorbild beim Thema Mehrsprachigkeit. 2019 habe es schon mal eine Verschlechterung beim Angebot französischer Sender gegeben. Damals hätte aber die Landesmedienanstalt erfolgreich interveniert und konnte erreichen, dass es ein Angebot im Free-TV gab. „Ich werde das zum Anlass nehmen, das Thema im Bildungs- und Kulturausschusses des Landtags aufzugreifen.“ Wenn die Entwicklung so stimmen sollte, sei es Aufgabe der CDU-Fraktion das aufzugreifen, zu debattieren und zu klären. „Wenn man den Anspruch hat, eine Brücke zu Frankreich zu sein – als Teil unseres Selbstbildes, unserer DNA – dann gehört ein gutes Angebot an französischsprachigen Sendern dazu.“