Modernisierungen sind immer wieder ein Streitthema zwischen Mieter:innen und Eigentümer:innen: Einerseits kann zum Beispiel eine besser gedämmte Wohnung dazu führen, dass die Nebenkosten langfristig für die Mieterhaushalte sinken. Andererseits ist es eine erklärte Strategie von Investoren, Berliner Wohnungsbestände mit verhältnismäßig günstigen Mieten zu erwerben und zu modernisieren, um anschließend deutlich höhere Mieten verlangen zu dürfen.

Im Berliner Ortsteil Wedding schlagen die Mieter eines Wohnblocks Alarm, weil dort Modernisierungen angekündigt sind: die Mieterschaft der „Maxgärten“ in der Reinickendorfer Straße 81 und 83–87 sowie der Maxstraße 4 a–i und k–m. Betroffen sind rund 180 Haushalte. Die Bewohner fürchten, sich die künftigen Mieten nicht mehr leisten zu können.

Rund die Hälfte der Mietparteien hat nun Härtefallanträge an die Hausverwaltung gestellt. Die gesamte Mieterschaft hat am Freitag zudem einen offenen Brief an die Landes- und Bezirkspolitik verfasst, in dem sie um Unterstützung bittet: „Für zahlreiche Familien, ältere Menschen und Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen stellt dies (die angekündigte Mieterhöhung – Anm. der Red.) eine erhebliche und teils unüberwindbare Herausforderung dar“, heißt es darin.

Miriam G., Mieterin in der Reinickendorfer Straße, fürchtet: „Ich werde ab Sommer 2027 mit meinen Kindern aus unserer Wohnung ausziehen müssen, weil ich die angekündigte Mieterhöhung von über 300 Euro nicht zahlen kann.“ Die Miete werde dann voraussichtlich mehr als die Hälfte ihres Einkommens ausmachen.

Anpassung ans Gebäudeenergiegesetz

Laut Bezirksamt Mitte geht es bei den Modernisierungsarbeiten um die „Anpassung an die Mindestanforderungen des Gebäudeenergiegesetzes“. Ende Januar habe das Amt folgende Arbeiten genehmigt, obwohl die betroffenen Adressen im Milieuschutzgebiet liegen: die Wärmedämmung der Fassaden, den Austausch der Fenster sowie der Außentüren, eine bestimmte Form der Wärmedämmung der Decken sowie den hydraulischen Abgleich der Heizungen und der Warmwasseraufbereitung.

„Die beantragten Maßnahmen entsprechen den gesetzlichen Bestimmungen, weshalb diese durch das Amt zu genehmigen waren“, teilte die Pressestelle des Bezirks mit. Vorher hätten die Eigentümer es mit einem Antrag auf eine umfassende Modernisierung, also nicht nur die energetische Ertüchtigung, versucht. Den habe das Bezirksamt allerdings am 1. August 2025 abgelehnt.

Bis zu 400 Euro mehr pro Monat

Die genehmigten Maßnahmen sollen nun im Juli starten und neun Monate dauern. Anschließend sollen die Mieter:innen deutlich mehr zahlen: nach Angaben der Mieter-Initiative teilweise um bis zu 400 Euro mehr im Monat, was eine Steigerung von 30 Prozent bedeute. Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen belaufen sich nach Angaben der Initiative auf 7,5 Millionen Euro.

Notwendige Instandhaltungen und Maßnahmen zur energetischen Verbesserung begrüße die Mieterschaft grundsätzlich, schreiben sie in ihrem offenen Brief: „Gerade vor dem Hintergrund der Klimaziele halten wir eine Modernisierung des Gebäudebestands für sinnvoll und notwendig. Entscheidend ist aus unserer Sicht jedoch, dass diese Maßnahmen sozialverträglich umgesetzt werden.“

Außerdem äußern sie die Befürchtung, es könnten auch Kosten für die Instandhaltung der Gebäude – die nicht auf die Mieter umgelegt werden dürfen – in die Kostenaufstellung für die Mieterhöhung einbezogen worden sein.

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Ein Sprecher des Eigentümerunternehmens hingegen schreibt: „Die geplanten Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Gebäude in einen energetisch zeitgemäßen Zustand zu versetzen.“ Sie würden sich auf den genehmigungsrechtlich zulässigen Umfang beschränken. „Durch die geplanten Maßnahmen soll es zu keinerlei Verdrängung kommen. Die Mieter sollen langfristig im Quartier gehalten werden.“

Den Eigentümern lägen Härtefallanträge von Mietern vor. „Diese prüfen wir selbstverständlich individuell und sorgfältig. Zu konkreten Zahlen oder laufenden Einzelfallprüfungen äußern wir uns nicht.“