Wenige Tage nach der Schließung des Hauptgebäudes der Technischen Universität (TU) Berlin wegen erheblicher baulicher Mängel ist weiterhin unklar, wann das Gebäude wieder freigegeben werden kann. Bei einer digitalen Informationsveranstaltung am Montagnachmittag schwieg sich das Universitätspräsidium dazu aus.

Auch in einer später verschickten Pressemitteilung gab es keine Angaben dazu. Derweil müssen für 400 Veranstaltungen andere Räumlichkeiten oder digitale Ersatzangebote gefunden werden, teilte TU-Präsidentin Fatma Deniz mit. 35.000 Studierende sind von der überraschenden Schließung betroffen.

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Diese können im Laufe der Woche noch das Gebäude betreten, um Arbeitsmittel und persönliche Gegenstände herauszuholen. Am Montag, Dienstag und Mittwoch zwischen 8 und 18 Uhr können online Zeitslots gebucht werden, um den Bau in der Straße des 17. Juni zu betreten, erklärte das Präsidium am Montagnachmittag. Besucher müssten sich beim Hauptpförtner anmelden und könnten für entweder eine oder zweieinhalb Stunden den Bau betreten, sagte TU-Präsidentin Fatma Deniz.

22.04.2026, Berlin: Fatma Deniz, TU-Präsidentin, während der Eröffnung der Forschungszentren «Der Simulierte Mensch« (Si-M) und «Berlin Center for Advanced Therapies» (BeCAT). Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Fatma Deniz seit 1. April 2026 Präsidentin der Technischen Universität Berlin.

© dpa/Sebastian Gollnow

Zudem steht das Universitätspräsidium täglich von 9 bis 9.30 Uhr online für Fragen zur Verfügung. „Unser Ziel ist es, die Auswirkungen für Studium, Lehre, Forschung und Verwaltung so gering wie möglich zu halten“, teilte Deniz zu dem geplanten Vorgehen mit. Neben der Suche nach alternativen Räumlichkeiten für Lehrveranstaltungen habe der Umzug von Teilen der zentralen Universitätsverwaltung Priorität. Dies betreffe insbesondere die Bereiche, die noch zu einem großen Teil mit Papierakten arbeiteten, erklärte Deniz.

2,4 Milliarden Euro Sanierungsstau an Berliner TU

Im Kontrast zu der seit Freitag in den Medien geführten, teils konfrontativen Debatte zwischen Berliner Uni-Führungen und der Senatsverwaltung für Wissenschaft bezeichnete die TU-Präsidentin die Zusammenarbeit als „konstruktiv“. Ein Hilfsangebot aus dem Roten Rathaus habe man bereits angenommen, teilte Deniz mit.

Dieses beinhalte personelle Unterstützung, insbesondere in den Bereichen Brandschutz, technische Anlagen und gegebenenfalls Hochbau, präzisierte das Präsidium in der schriftlichen Pressemitteilung. In Abstimmung mit dem Berliner Senat seien finanzielle Rücklagen der TU Berlin für Baumaßnahmen und die Abpufferung der Kürzungen in der Laufzeit des aktuellen Hochschulvertrages verplant. Man sei jedoch auf konkrete finanzielle Unterstützung sowie auf eine Flexibilisierung der gesetzlichen Vorgaben angewiesen, damit schnelles Handeln möglich sei, teilte die Universität mit.

Zuvor hatten die Berliner Universitätsleitungen und der Senat sich gegenseitig scharf angegriffen. Der Sprecher des Exzellenzverbundes der Berliner Universitäten, Günter M. Ziegler, hatte direkt nach der Schließung harsche Kritik an Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) geäußert. Diese wies die Vorwürfe am Samstagmittag in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel zurück. „Das Gesamtsystem ist dysfunktional“, sagte Czyborra.

Die Bauaufsicht habe die „Faxen dicke“ gehabt und die Notbremse gezogen – womöglich auch, um Druck auf die TU auszuüben, „damit etwas passiert“. Zuletzt hatte sich auch TU-Altpräsident Jörg Steinbach zu Wort gemeldet. „Es mutet schon zynisch an, wenn die zuständige Senatorin Czyborra in der Berliner Abendschau davon spricht, dass die TU Berlin genügend Mittel in ihrem Haushalt hätte, um mit der jetzigen Situation fertig zu werden“, schrieb er am Wochenende auf der Plattform LinkedIn.

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Laut eines externen Gutachtens, das die Berliner Universitäten in Auftrag gegeben haben, hat die Technische Universität einen Sanierungsbedarf von insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Alle Berliner Universitäten (ohne die Charité) würden demnach einen Sanierungsbedarf von 8,4 Milliarden Euro in Anspruch nehmen.