Die Großbaustelle in der Dessauer Straße in Halle (Saale) sorgt derzeit für Aufsehen. Wo ursprünglich eine moderne Kopfendstelle den Endpunkt der Straßenbahn markieren sollte, werden nun doch wieder Gleise in der gewohnten Kurve verlegt. Das liegt an einem Stadtratsbeschluss, wie die Stadtwerke und die Stadtverwaltung auf Nachfrag mitteilen.

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Ein Antrag der damaligen Fraktion MitBürger / Die PARTEI brachte die Wende noch vor Beginn der baulichen Umsetzung. Der Stadtrat hob den ursprünglichen Beschluss auf und änderte die Planung grundlegend. Der Hauptgrund: Der Schutz eines markanten Naturdenkmals und die Offenhaltung strategischer Verkehrsoptionen.

Bäume und Denkmalschutz als Planungspriorität

Die ursprüngliche Planung einer Kopfendstelle hätte massive Eingriffe in das Stadtbild gefordert, wurde in dem Antrag beklagt. Sieben von acht rund 80 Jahre alten Winterlinden und Spitz-Ahornen hätten gefällt werden müssen. Auch der Denkmalschutz spielte eine entscheidende Rolle. Die historische Wartehalle von 1941, entworfen vom bedeutenden Architekten Lois Welzenbacher, ist das letzte bauliche Zeugnis der ehemaligen Siebel-Flugzeugwerke. Die Gleisschleife bildet mit der Halle eine städtebauliche Einheit, hieß es im Antrag. Eine Verschwenkung der Straße hätte nicht nur das optische Gefüge zerrissen, sondern durch die räumliche Enge auch die Gefahr physischer Schäden am weit auskragenden Dach der Halle durch Lastkraftwagen erhöht, wurde beklagt.

Option auf Verlängerung bleibt bestehen

Durch die Beibehaltung der Wendeschleife bleibt die Stadt flexibel. „Damit bleibt die Option einer Verlängerung der Gleistrasse nach Norden bestehen“, erklärt eine Stadtwerke-Sprecherin auf Nachfrage. Die Trasse wird gemäß Flächennutzungsplan freigehalten, um auf künftige Entwicklungen wie die Erweiterung oder Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) – hier gibt es ja immer wieder neue Entwickliungen -, ein Wohngebiet oder die gewerbliche Nutzung des ehemaligen Industriewerks Nord reagieren zu können. Auch ein Park & Ride-Platz für Pendler aus dem Saalekreis bleibt somit perspektivisch möglich.

Inbetriebnahme im 3. Quartal

Trotz der Planänderung wird vor Ort intensiv gearbeitet. Ein Stadtsprecher betont jedoch, dass es sich bei den aktuellen Arbeiten an der Schleife primär um eine Instandhaltung handelt: „Die HAVAG erneuert lediglich im Schatten der Straßenbahnsperrung die Schienen und Schwellen an gleicher Stelle, da die Fahrschienen einen hohen Verschleißgrad aufwiesen.“

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Die HAVAG als Bauherrin geht derzeit davon aus, dass die Straßenbahn im 3. Quartal dieses Jahres den Linienbetrieb an der Frohen Zukunft wieder aufnehmen kann. Damit kehrt die Bahn an ihren angestammten Platz zurück – unter den Erhalt der historischen Struktur und des wertvollen Baumbestands.

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