Über die 50 Wandgemälde (Murals), die vom Urbanen Kunstraum Wuppertal (UKW) in Auftrag gegeben wurden, ist schon groß und breit berichtet worden. Die Geschichten hinter den Kunstwerken interessieren die Menschen weiterhin. So auch jetzt in der Machbar.
Im Obergeschoss des gemeinschaftsorientierten Ortes mit Reparatur- und Näh-Café, sitzen rund 100 Menschen dicht an dicht, um dem Vortrag von Stefan Kühn zu folgen. Das Überraschendste ist dabei wohl das recht hohe Durchschnittsalter von geschätzt 55 bis 60 Jahren. Immerhin geht es heute um eher junge Themen wie Streetart und Graffiti. Beim genauen Hinsehen entdeckt man Menschen, die ihre eigenen Fotobücher mit Bildern der Murals erstellt und mitgebracht haben. Ein weiterer Beleg für den Erfolg des Projektes, mit dem Valentina Manojlov und ihr Team die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes bereichert haben.
Frank Wolta sitzt in einer der hinteren Reihen und trägt zwei seiner Fotobücher in einem Beutel bei sich. „Ich habe alle 50 Murals abgefahren und fotografiert. Daraus sind diese beiden Fotobücher entstanden.”, erklärt Wolta. Doch was begeistert ihn so an diesen Kunstwerken? „Diese Aktion hat der Stadt Wuppertal unfassbar gutgetan. Ich habe beim Fotografieren immer wieder Menschen aus anderen Städten getroffen. Mittlerweile gibt es ja sogar Reiseführer über die Murals. Ganz toll.”
Hintergründiges vom „Laberbeauftragten des UKW“
Claudia Kettler sieht das ähnlich. „Ich finde toll, dass diese Kunst für alle zugänglich ist. Auch für Menschen, die sonst nie in ein Museum gehen würden. Ich selbst bin durch die Murals definitiv offener für diese Art der Kunst geworden.”
Stefan Kühn muss erst einmal erklären, wie man als Bezirksbürgermeister von Heckinghausen einen Vortrag über Streetart halten kann. „Valentina, die Herz und Seele des Projektes ist, hat sich darüber beklagt, dass sie gar nicht alle Termine wahrnehmen kann, während sie sich um die Künstlerinnen und Künstler, die Abrechnung und die Organisation kümmert. Sie fragte mich, ob ich nicht ein paar Vorträge übernehmen könne, weil ich ja sowieso den ganzen Tag labere. Und so wurde ich zum offiziellen Laberbeauftragten des UKW.”
Als dieser hat Kühn einige Fotos aus der Entstehungsphase der 50 Murals mit Hintergrundinformationen angereichert. So zum Beispiel, dass das Mural „Masurca Fogo” aus der Pina-Bausch-Reihe, gemalt von Tamara Alves aus Lissabon an der Kasinostraße 27, einen großen Zeitdruck auslöste. Die Zustimmung der damaligen Pina-Bausch-Tänzerin Julie Shanahan traf erst in letzter Sekunde ein. Sie hatte die Anfrage schlicht übersehen, erlaubte dann aber sofort, dass ihr Gesicht ins Bild eingearbeitet werden darf.
Impulse für eine positive Stadtentwicklung geben
Kühn erklärt den Antrieb des UKW-Teams während des Projektes. „Es ging immer auch um Stadtentwicklung. Mit Kunst im öffentlichen Raum sollen Impulse für eine positive Entwicklung gesetzt werden. Das motiviert nicht nur die Eigentümer, sondern auch die gesamte Nachbarschaft. Durch die Murals sind Treffpunkte entstanden, an denen Menschen ins Gespräch kommen, während sie sich Kunst ansehen. Hier wurden Räume für Begegnung geschaffen.” Kunst kann Menschen zusammenbringen, wie dieser Abend mitten in Ronsdorf wunderbar unter Beweis gestellt hat.