Honig gilt als gesündere und natürlichere Alternative zu Zucker. Doch was sind die Folgen, wenn du täglich Honig isst?
Honig ist in Deutschland ein sehr beliebtes Lebensmittel: Im Jahr 2024 lag der Verzehr bei etwa einem Kilogramm pro Person (BLE). Oft gilt er als die bessere Alternative zu Zucker oder sogar als Heilmittel – doch ist Honig wirklich so natürlich und gesund?
Nicht so regional wie gedacht
Viele Menschen sehen Honig als hochwertiges Naturprodukt. Wenn er von einer Imkerei in der Nähe kommt, stimmt das oft auch. Doch 70 Prozent des Honigs im Handel stammt aus dem Ausland, hauptsächlich aus der Ukraine, Argentinien, Rumänien und Mexiko.
Oft wird Honig in der industriellen Produktion gemischt. Bisher wurde auf dem Etikett unterschieden zwischen „Mischung von Honig aus EU-Ländern“, „Mischung von Honig aus Nicht-EU-Ländern“ und „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Ab Juni 2026 müssen alle Ursprungsländer auf dem Etikett angegeben werden – denn immer wieder gibt es Täuschungen durch gepanschten Honig.
Das Problem mit den gepanschten Produkten
Grundsätzlich muss jeder in Deutschland verkaufte Honig den Qualitätsstandards der Honigverordnung entsprechen. Dem Naturprodukt darf nichts zugesetzt werden. Regelmäßig gibt es aber Hinweise darauf, dass viele importierte Produkte den Anforderungen nicht entsprechen.
- In den Jahren 2021 und 2022 wurden im Rahmen der Aktion „From the Hives“ an den EU-Grenzen 320 verdächtige Honigproben überprüft. 46 Prozent entsprachen nicht der Richtlinie. Die meisten verdächtigen Importe stammten aus China. Oft wurde der Honig mit Zuckersirup verfälscht.
- Pestizide, Gentechnik, Schadstoffe und Dreck wurden in vergangenen Öko-Test-Untersuchungen gefunden.
- Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund hat Proben von Honig aus deutschen Supermärkten im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: 25 von 30 Proben waren mit billigem Zuckersirup gestreckt.
Was steckt im echten Honig?
Honig besteht hauptsächlich aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere Fructose und Glucose. Außerdem sind organische Säuren, Enzyme und feste Partikel, die von den Bienen beim Nektarsammeln aufgenommen wurden, enthalten. Der Wassergehalt darf maximal 20 Prozent betragen.
Honig ist durch den hohen Zuckeranteil ein energiereiches Lebensmittel: Pro 100 Gramm hat er rund 300 Kilokalorien. In kleinen Mengen sind jedoch auch Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.
Übrigens: Bio-Honig unterliegt in der Bienenhaltung strengeren Vorgaben (Einsatz von natürlichen Materialien, Fütterung, Einsatz von Mitteln gegen Schädlinge, Beschneiden von Flügeln). Im Umkreis von drei Kilometern darf es nur ökologischen Anbau oder überwiegend Wildblumen geben.
Was macht es mit deinem Körper, täglich Honig zu essen?
Honig und Zucker werden mitunter als ähnlich ungesund dargestellt. Doch so einfach ist das nicht: Obwohl Honig viel Energie enthält, kann er gleichzeitig positive Effekte auf deine Gesundheit haben – zumindest gibt es ein paar wissenschaftliche Untersuchungen, die darauf hindeuten.
Gesundheitliche Vorteile, wenn du täglich Honig isst:
- Du unterstützt deine Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit: Ein Review aus dem Jahr 2023 deutet darauf hin, dass Honig die Insulinsensitivität sowie das Lipidprofil verbessert, den Blutzuckerspiegel reduziert und den oxidativen Stress mit Hilfe von bioaktiven Verbindungen reduziert.
- Deine Blutfettwerte können sich verbessern: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 deutet darauf hin, dass Robinienhonig, Kleehonig und roher Honig diese Wirkung haben können.
- Dein Blutzuckerspiegel kann sich (im Vergleich zu Zucker) verbessern: Darauf gibt die Metaanalyse aus dem Jahr 2022 ebenfalls Hinweise.
- Dein Risiko für eine Fettleber reduziert sich (nicht): Beim täglichen oder mehrmals täglichen Verzehr wurde kein Effekt festgestellt, ein verringertes Risiko scheinen aber Menschen zu haben, die zwei bis sechs Mal pro Woche Honig essen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie aus dem Jahr 2020.
- Du unterstützt deine Wundheilung: Darauf deutet das oben genannte Review aus dem Jahr 2023 hin.
- Du förderst deine Darmgesundheit: Zu diesem Ergebnis kommt dieselbe Studie.
- Bei Kindern können Atemwegsinfekte gelindert werden – das legt die Studie ebenfalls nahe.
- Das Review vermutet zudem, dass der häufige Verzehr von Honig bei der Behandlung von Entzündungen der Mundschleimhaut bei Krebspatient:innen hilft.
Hinweis: Die Forschenden aller genannten Veröffentlichungen weisen darauf hin, dass es weitere Untersuchungen braucht, um eindeutige Aussagen zum Gesundheitswert von Honig treffen zu können. Das liegt einerseits daran, dass Honig kein einheitliches Produkt ist, sondern sehr unterschiedliche Zusammensetzungen haben kann. Hinzu kommt, dass es sich bei den bisherigen Studien um unterschiedliche Studiendesigns, teils mit wenigen Teilnehmenden oder kurzer Studiendauer, handelt.
Jeden Tag Honig: Das sind die Folgen
- Du nimmst Energie und Zucker auf: Wer große Mengen verzehrt, nimmt viele Kalorien und viel Zucker auf.
- Du nimmst unter Umständen Acrylamid auf: Beachte, dass Honig nicht zu stark erhitzt werden sollte. Bei Temperaturen über 120 Grad Celsius und geringer Feuchtigkeit kann es zur Bildung des krebserregenden Acrylamids kommen.
- Möglicherweise nimmst du Pestizide, Schadstoffe und andere unerwünschte Inhaltsstoffe auf.
- Vielleicht wirst du getäuscht: Bei importierten Produkten kann es sein, dass du Zuckersirup anstelle von echtem Honig isst.
- Du verursachst CO2-Emissionen: zumindest, wenn du von weither importieren Honig kaufst.
Wie viel Honig pro Tag?
Trotz der möglichen Gesundheitsvorteile durch Honig bleibt es ein kalorienreiches Lebensmittel mit viel Zucker, von dem man nicht maßlos essen sollte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt es folgendermaßen ein:
„Auch brauner Zucker, Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, Sirupe sowie „die Süße aus Früchten“, die zum Süßen eingesetzt werden, sind so ungünstig wie Haushaltszucker zu bewerten.“
Gleichzeitig weist die DGE darauf hin, dass du nicht dogmatisch auf Süßes verzichten musst:
„Solange die Kalorien- und Nährstoffbilanzen stimmen, ist nichts dagegen einzuwenden, diese Lebensmittel [kleine „Extras“ wie Süßigkeiten oder Knabbereien] gelegentlich in kleinen Mengen zu genießen.“
Doch was ist eine kleine Menge? Laut der Weltgesundheitsorganisation sollten höchstens 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs in Form von Zucker aufgenommen werden. Bei einem Kalorienbedarf von etwa 2.000 Kilokalorien wären das maximal 50 Gramm Zucker pro Tag.
Sofern du gar keinen anderen Zucker am Tag aufnimmst, könntest du demnach bis zu 68 Gramm Honig (74 Gramm Zucker auf 100 Gramm) pro Tag essen. Das entspricht in etwa 6 bis 7 Teelöffeln.
Wann du besser keinen Honig essen solltest
Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Für gesunde Menschen ist das kein Problem. Bei Babys ist die Darmflora jedoch noch nicht stabil genug, um gegen das Bakterium anzukämpfen. Das niedersächsische Amt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) warnt, dass es zu Säuglingsbotulismus kommen kann – einer sehr seltenen, aber unter Umständen lebensbedrohlichen Erkrankung. Kinder unter einem Jahr sollten deshalb besser keinen Honig bekommen.
Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass sicherheitshalber auch immungeschwächte Menschen auf Honig verzichten sollten.
Utopia empfiehlt: Honig aus der regionalen Imkerei
Honig ist kein Produkt, das man wegen seines Gesundheitswertes unbedingt essen muss – schließlich besteht er zu einem großen Anteil aus Zucker. Kleine Mengen können jedoch eine gesunde Ernährung ergänzen und unter Umständen sogar gesundheitsfördernd wirken.
Wenn du Honig kaufst, empfiehlt es sich, auf regionale Produkte – nach Möglichkeit in Bio-Qualität – zu setzen: Wer regional kauft, unterstützt lokale Imker:innen, hilft, die Artenvielfalt zu bewahren und meidet Fälschungen. Bei Bio-Honig verringerst du zudem das Risiko, Pestizide mit aufzunehmen.
Übrigens: Bienen finden heute oft zu wenig Nahrung und Lebensraum. Viele gemähte Wiesen und Monokulturen wie zum Beispiel große Maisfelder bieten kaum Blüten und Pflanzenschutzmittel schaden den Insekten zusätzlich. Wenn du einen kleinen Beitrag leisten möchtest, achte zumindest in deinem eigenen Garten auf bienenfreundliche Pflanzen oder probiere dich am insektenfreundlichen Gärtnern aus.
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