Zum Wochenbeginn stehen Studierende der TU Berlin vor verschlossenen Türen. Zumindest, wenn sie ins Hauptgebäude wollen. Denn das ist wegen erheblicher baulicher Mängel seit Samstag, 9. Mai, gesperrt. Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) gab in einem Radiointerview des RBB zu, die Bestandsgebäude der TU seien „etwas vernachlässigt“ worden. Von einem Sanierungsstau von 2,4 Milliarden Euro ist seitens der TU die Rede. Von den Folgen können viele TU-Studierende ein Lied singen.
Studierende präsentieren „Wasserschaden-Bingo“
„Wasserschaden-Bingo“ steht auf einem Schild, das Marek Witte (23) hochhält. Ein eingeschobenes „n“ macht daraus „Wasserschanden-Bingo“. Das Schild haben Mitglieder der Studierendeninitiative der TU schon vor zwei Jahren gebastelt, um Sanierungen zu fordern, erklärt der Student der Ingenieurswissenschaften. Es versammelt Bilder verschiedener TU‑Gebäude. Durchgestrichen sind die, die einen Wasserschaden haben – und das sind viele.
„Die Gebäude fallen schon auseinander, seit ich angefangen habe, zu studieren“, sagt Witte. Die Liste der gesperrten Räumlichkeiten ist lang. „Die Schließung des Hauptgebäudes trifft uns nun alle.“ Damit fallen unter anderem der größte Hörsaal und wichtige Verwaltungsbüros weg, aber auch Räume, die für Tutorien genutzt werden, die Witte auch selbst gibt.
Seminare statt vor Ort jetzt online
„Aktuell werden viele Veranstaltungen auf online umgestellt“, sagt er. So erlebt es auch Jens Bobach (29), der Computational Engineering studiert. Zwei seiner Lehrveranstaltungen in diesem Semester fanden im Hauptgebäude statt, sie wurden nun ins Digitale verlegt. „Wir kehren irgendwie wieder zurück zu Corona-Zeiten, wo alles online ist.“ Dabei gehe etwas Wichtiges verloren: „Man hat diesen Kontakt zu den anderen Studierenden nicht mehr, das finde ich sehr schade.“

Immer mehr Seminare finden online statt – Student Jens Bobach findet, dass dabei etwas verloren geht.
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Auch studentisch organisierte Räume fielen bereits weg. Etwa das „Café A“ im Architekturgebäude. Davon berichtet Architektur-Student Carl (25) frustriert: „Als wir gestartet sind, hatten wir noch die studentischen Räume und die Mensa.“ Doch die sei in jenem Gebäude schon seit Jahren geschlossen. „Man merkt, wie Stück für Stück etwas wegbröckelt, das nicht zurückkommt.“ Auch die WCs im Architekturgebäude seien durchweg in einer schlimmen Verfassung.
Man merkt, wie Stück für Stück etwas wegbröckelt, das nicht zurückkommt
Carl (25), Architektur-Student
„Absurde“ Zustände durch Gebäudeschäden
Von „absurden“ Zuständen berichtet Informatik-Studentin Hannah Herbers (25). Im Hauptgebäude habe es bei Starkregen immer wieder richtige „Wasserfälle“ von der Decke des Foyers gegeben. Die jüngste Sperrung habe auf ihren Studiengang massive Auswirkungen. „Fast alle Pflichtmodule im Bachelorstudiengang Informatik finden im Hauptgebäude statt.“ Das betreffe auch Module mit mehreren Hundert Studierenden, die eigentlich im großen Hörsaal stattfinden sollten.

Informatik-Studentin Hannah Herbers führt regelmäßig neue Master-Studierende über den Campus. Sie kenne kein TU-Gebäude ohne Probleme, sagt sie.
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Sie selbst führt Campus-Führungen für neue Masterstudierende an. „Mir fällt eigentlich kein Gebäude ein, das keine Probleme hat.“
