Zwischen glänzenden Schienen, winzigen Signalen und dem leisen Surren elektrischer Lokomotiven öffnet sich eine Welt, in der Maßstab und Fantasie ineinander übergehen: die Spielzeugeisenbahn-Sammlung Bommer – eine der größten und beeindruckendsten Spielzeug-Eisenbahnsammlungen der Welt. Ein Kosmos aus Technikgeschichte, Sammelleidenschaft und kindlicher Neugier.

Hier fahren Züge durch detailreiche Landschaften, passieren Bahnhöfe, die ganze Epochen zitieren, und erzählen dabei Geschichten von Mobilität, Fortschritt und Ingenieurskunst im Miniaturformat. Doch die Sammlung bleibt nicht auf klassische Modelleisenbahnen beschränkt. Mit der ikonischen Wuppertaler Schwebebahn zieht auch ein Stück kurioser Verkehrsgeschichte ein – schwebend, unverwechselbar und im Kleinen ebenso faszinierend wie im Original.

Die Sammlung ist Teil des Swiss Science Centers im schweizerischen Winterthur. Unter dem Namen „Technorama“ befasst es sich in einer Mischung aus Ausstellung und interaktivem Lernort mit Physik, Technik und Naturphänomenen. Im Untergeschoss breitet sich die technische Entwicklung der Eisenbahn im Miniaturformat aus, Neben kunstvoll bemalten Dampfloks sowie Salon- und Luxuszügen zeigt die Sammlung auch, welche „verrückten“ Ideen es gab. Wuppertals Schwebebahn, die in Form eines fast drei Meter langen Dioramas zu sehen ist. „Die Anlage wurde zwischen 1902 und 1905 erbaut, besitzt Antriebe über ein Uhrwerk und über Starkstrom“, erklärt Walter Schenk, Stiftungsrat der Sammlung. „Weltweit sind nur eine Handvoll solcher Anlagen bekannt.“

Hier ruht hinter Glas eine Welt, die dennoch von Bewegung erzählt. Unter dem stählernen Gerüst gleitet eine kleine rote Gondel lautlos dahin, als hätte sie ihr eigenes Geheimnis. Sie schwebt zwischen Himmel und Erde, während unter ihr die Wupper wie ein ruhiges Band durch die Landschaft fließt. Die Schwebebahn ist aus einem abgeänderten Personenwagen von Märklin gestaltet worden“, erzählt Schenk. 29 Zentimeter lang, von Hand rot und braun lackiert, mit olivgrünem Oberlichtdach, komplettieren zwei Führerstände mit einem Tramführer den Wagen. Die durchbrochenen Fenster seien mit geätztem Glas hinterlegt.

Doch das Diorama hat noch mehr zu bieten. Das Wasser ist still, beinahe zu still, und genau darin steht – fast verloren – ein kleiner Elefant. Tuffi. Seine graue Gestalt hebt sich sanft vom blassen Blau des Flusses ab, als wäre er aus einer anderen Welt hier gelandet. Er wirkt weder panisch noch eilig, eher nachdenklich, als würde er auf etwas warten. Wahrscheinlich seine Rettung. An den Ufern drängen sich winzige Büsche und Bäume, als hätten sie ihre Plätze seit Jahrzehnten nicht verlassen, während in der Ferne ein kleines Boot gemächlich seinen Weg zieht. Dahinter, in der Tiefe des Raumes, reihen sich weitere Modelle aneinander, die Alois Bommer (19125-2010) in über 50 Jahren zusammentrug. Auch „Bähnli-Bommer“ genannt, habe er zu den größten Sammlern in der Schweiz gehört, sagt Walter Schenk.

Das Licht in der Vitrine ist warm, beinahe golden, und taucht alles in eine ruhige, nachdenkliche Stimmung. Über der Szene schweben alte Fotografien der Schwebebahn, eingefrorene Augenblicke. Sie flüstern von Menschen, von Geräuschen, vom Rattern und Schwingen, das hier nur noch erahnt werden kann. Und so wirkt alles wie ein angehaltener Moment – als hätte jemand die Zeit selbst in diese Vitrine gestellt. Und so ist diese Sammlung ein lebendiges Archiv, das zeigt, wie Spielzeug die Welt interpretiert – und wie aus Technik Träume werden, die bis heute weiterfahren.