PingPongParkinson ist eine noch nicht ganz so populäre Sportart. Aber durchaus wichtig, denn hier spielen Parkinson-Erkrankte gemeinsam Tischtennis und vergessen für ein paar Momente ihre Krankheit. Außerdem hält der Sport erwiesenermaßen körperlich und geistig fit und kann sogar Symptome lindern.

Beim TSV 1886 Gera-Leumnitz gibt es seit 2023 eine PingPongParkinson-Abteilung. Aktuell trainieren einige der Sportler sogar für die Weltmeisterschaft. Nach Italien und Slowenien findet die diesjährige PPP-Weltmeisterschaft in Deutschland statt – und zwar vom 26. bis 30. September in Hannover.

Nach dem großen Run auf die Anmeldung – innerhalb kurzer Zeit waren alle 600 Startplätze vergeben – wurden in Hannover die Kapazitäten erhöht. Eine vierte Sporthalle mit weiteren 30 Tischen wurde organisiert, sodass nun bis zu 1.000 Sportler teilnehmen könnten.

Drei WM-Teilnehmer aus Gera

Aus Gera haben es auch drei Sportler geschafft, einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Michael Kaufmann, Lutz Hauser und Bernd Schirmer vom TSV 1886 Gera-Leumnitz trainieren nun immer montagvormittags zusätzlich, um sich auf das Event vorzubereiten.

„Wer hat schon das Glück, in seinem Leben an einer WM teilnehmen zu können?“, freut sich Michael Kaufmann. Der 64-Jährige lebt seit drei Jahren mit der Diagnose Parkinson. Dabei gehe es ihm aktuell noch relativ gut, sagt er. Vor allem zitternde Hände machen ihm manchmal das Leben schwer, gerade, wenn er aufgeregt ist, oder wenn es ums Essen geht.

Wer nimmt in seinem Leben schon mal an einer WM teil? Und warum soll das bei uns nicht auch klappen?

Michael Kaufmann, PingPongParkinson-Spieler

Aber beim Sport tritt all das in den Hintergrund. Dann sei man voll bei der Sache, konzentriere sich nur auf den kleinen weißen Ball und alles laufe ohne Schwierigkeiten, sagt Kaufmann. Beweglich bleiben und auch geistig gefordert werden – all das liefert der Tischtennissport.

Hier vergisst man die Krankheit, man denkt nicht dran, man spielt, konzentriert sich auf den kleinen, weißen Ball – und es läuft.

Michael Kaufmann, PingPongParkinson-Spieler

Extra-WM-Vorbereitung mit Extra-Trainer

Seit Herbst kann der TSV endlich auch auf einen Trainer für die Parkinson-Abteilung zurückgreifen. Heiko Reitmeier kommt selbst aus dem Tischtennissport, ist mittlerweile im Ruhestand. Sein Schwiegervater leidet selbst an Parkinson und ist im Leumnitzer Verein aktiv. Für Reitmeier war klar: Wenn ich mal nicht mehr arbeite, dann würde ich gern was mit der Truppe machen. Gesagt, getan.

Und seit Ostern hat Heiko Reitmeier nun auch die WM-Teilnehmer unter seinen Fittichen – in einem Extra-Training immer montags am Vormittag. Hier sollen sie explizit auf ihre WM-Teilnahme vorbereitet werden.

Das kam auch für mich überraschend, aber es macht einen riesen Spaß. Jetzt versuchen wir, die Drei bissl fit zu machen für die Weltmeisterschaft. Was dort herauskommt – Überraschung.

Heiko Reitmeier, PPP-Trainer

Dabei sind viel Gefühl und Beobachtungsgabe gefragt. Denn die Erkrankungsbilder sind unterschiedlich. Sturzgefahr, schnelle Erschöpfung, Bewegungseinschränkung – auf alles muss Heiko Reitmeier ein Auge haben.

Und nicht zu viel fordern, dann macht Parkinson einen Strich durch die Rechnung. Am Ende liegt Reitmeier aber meist richtig in seinen Trainingsabläufen und bekommt häufig positives Feedback – auch von Familienmitgliedern, welche die Sportler hin und wieder begleiten.

Reitmeier erinnert sich an die Aussage einer Ehefrau, ob er nicht nochmal dasselbe Trainingselement wiederholen könnte, denn das habe ihren Mann zum Lächeln gebracht. Sie wolle das filmen und ihrem Sohn schicken, denn der habe seinen Vater lange nicht mehr lächeln sehen.

Ich würde das gern filmen und meinem Sohn schicken – er hat seinen Vater lange nicht mehr lächeln sehen.

Heiko Reitmeier, PPP-Trainer

Jeder seiner Sportler muss eben anders gefordert werden. Denjenigen, die bereits stark eingeschränkt sind in ihren Bewegungen, spielt Reitmeier dann die Bälle gekonnt entgegen. Schließlich sollen sie ins Spiel finden und Erfolgserlebnisse verbuchen.

Unterstützung von Außen

Um das Team WM-tauglich zu kriegen, gibt es neben Extra-Training auch eine neue Ausstattung. Möglich macht das der Sponsoring-Partner Bauerfeind. Spieltrikots in Vereins-Rot, samt Hose und Socken, übergab der Standortleiter von Gera, Lars Eulitz an das Team. Vereinschef Marc-Manuel Moritz zeigte sich erfreut. ´

Es sei für den Breitensport-Verein etwas Besonderes, drei Sportler zu einer WM schicken zu können. Das Engagement der Sportler sei beeindruckend, und er sei froh, dass sie da sind, sagt Moritz. „Eine WM-Teilnahme ist ja auch ein Highlight im Leben eines jeden Sportlers.“

Ende September wird es ernst für Michael, Bernd und Lutz – als Trio kämpfen sie dann in Hannover bei der PingPongParkinson-WM mit mehr als 700 Spielern um die begehrten Titel. Und wer weiß, vielleicht geht dann ja auch einer nach Gera.