Eine Anwendung auf dem Handy, die mit nur einem Scan des Einkaufsbelegs einen Haushaltsplan aufstellt, daran erinnert, welche Lebensmittel im Kühlschrank bald zur Neige gehen oder ablaufen – und auch noch leckere Kochrezepte dafür vorschlägt: Diese Idee stammt von einem Schülerteam des Goethe-Gymnasiums. Der Name der App, „Freshbyte“, setzt sich aus dem englischen Begriff „fresh“ (deutsch: frisch) und der digitalen Maßeinheit „byte“ zusammen – bei gleicher Aussprache meint „bite“ aber auch „Bissen“. Damit spiele man auf den digitalen Fokus für gesunde Ernährung an, sagt Le Minh Chau (18), die das Konzept gemeinsam mit ihren Mitschülern Aariya, Marlon, Ole und Filippo entwickelte – und sich damit nun beim Landeswettbewerb der Bildungsinitiative „Business@School“ gegen fünf andere Schulen durchsetzte. Darunter waren mit dem Max-Weber-Berufskolleg und dem Comenius-Gymnasium auch zwei weitere Schulen aus der Landeshauptstadt.
1000 Schüler aus 70 Schulen sind jedes Jahr dabei
Den Wettbewerb richtet die Managementberatung Boston Consulting Group (BCG) seit mehr als 25 Jahren aus. Dabei präsentieren Schüler vor einer Fachjury eine eigene Geschäftsidee samt Businessplan, die sie zuvor monatelang gemeinsam mit Lehrkräften und Coaches von Unternehmen erarbeitet haben. Das Ziel der Initiative: Jugendlichen wirtschaftliche Begriffe und Zusammenhänge zu erklären und ihnen einen praxisnahen Einblick in die Welt der Wirtschaft zu ermöglichen, wie es heißt. Pro Jahr engagieren sich etwa 150 Lehrkräfte aus 70 Schulen dafür, es gibt mehr als 1000 teilnehmende Schüler und 450 Coaches.
Wettbewerb als Blaupause für das fünfte Abiturfach
Der NRW-Landeswettbewerb fand dieses Jahr im Goethe-Gymnasium an der Lindemannstraße statt. Schulleiter Ralf Schreiber lobte „Business@School“ als „Meilenstein“ eines veränderten Bildungssystems, hin zu mehr Praxis und weg von starrer Theorie. „Kinder lernen besser, wenn am Ende ein Produkt entsteht“, ist er sich sicher. „Business@School“ bereite auch ideal auf das ab dem Jahr 2030 geplante fünfte Abiturfach vor – das werde sich ebenfalls als Projektkurs mit Abschlusspräsentation gestalten.
Gründergeist bei jungen Menschen wecken
Christoph Büth von der NRW.Bank saß beim Wettbewerb schon häufig in der Fachjury. Ihm gefällt, dass die Initiative den Gründergeist junger Menschen weckt – und zwar nicht nur den von angehenden BWLern. „Auch Künstler arbeiten selbstständig, und das ist kein 9-to-5-Job.“ Wirtschaftswissen sei aber nicht nur wichtig für das spätere Berufsleben, sondern auch für den Alltag, betonte Schulleiter Ralf Schreiber – das zeige nicht zuletzt der tägliche Blick auf das Weltgeschehen. Er bedauert, dass Wirtschaft kein extra Fach an Gymnasien ist, sondern nur einen geringen Anteil in den Sozialwissenschaften ausmacht. Diese Lücke in den Stundenplänen könne „Business@School“ aber füllen, findet er.
Das Gewinner-Team seiner Schule bereitet sich nun intensiv auf den Bundeswettbewerb am 22. Juni in München vor. Von ihrer Idee sind sie auch deshalb so überzeugt, weil dahinter mehr stehe als nur eine intelligente Einkaufshilfe, wie Le Minh Chau sagt.
Die 18-Jährige ist Sprecherin des städtischen Jugendrats, wo ihr besonders soziale Themen am Herzen liegen. Genau diesen Aspekt wollen sie und ihre Teamkollegen auch mit „Freshbyte“ aufgreifen. „Wir haben die Mission, Nachhaltigkeit in der Gesellschaft fest zu etablieren“, sagt sie. Dazu gehöre auch, etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu unternehmen. Und das ist auch nötig: Sechs Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entstehen laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft jährlich in deutschen Privathaushalten.