Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl in den USA sind es zwar noch mehr als 900 Tage, dennoch hat der Kampf um Donald Trumps Nachfolge längst begonnen. Denn er selbst kann laut Verfassung kein weiteres Mal antreten.
Lange galt Vizepräsident JD Vance als klarer Favorit, doch Trump hat mittlerweile offenbar Zweifel. Wie die „New York Times“ jetzt berichtet, frage der Präsident immer öfter bei Arbeitsterminen im Oval Office, Abendessen mit Freunden oder Partys in Mar-a-Lago: Was meint ihr, JD oder Marco?
Er denke sogar darüber nach, seinen Stellvertreter Vance und Außenminister Marco Rubio gleichzeitig für die Präsidentschaftswahl 2028 kandidieren zu lassen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Trump nahestehende Personen.
In einer Umfrage von Reuters/Ipsos, die vom 24. bis zum 27. April durchgeführt wurde, kommen beide auf ähnlich unspektakuläre Beliebtheitswerte: 35 Prozent der Amerikaner gaben an, eine positive Meinung von Vance zu haben; 33 Prozent sagten dasselbe über Rubio.
Letzterer bringt sich bereits in Stellung. Nach Trumps öffentlichem Streit mit Papst Leo XIV. reiste Amerikas Chefdiplomat und bekennender Katholik vergangene Woche für eine Audienz in den Vatikan, traf in Rom auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Gute Stimmung trotz Präsident Donald Trumps Pöbeleien gegen Papst Leo XIV.: Am 19. Mai empfing der Heilige Vater Außenminister Marco Rubio im Vatikan.
© REUTERS/SIMONE RISOLUTI
Kurz zuvor war Rubio für Karoline Leavitt bei einem Pressebriefing im Weißen Haus eingesprungen. Trumps Sprecherin ist im Mutterschutz – und der Außenminister nutzte die Chance, mit Journalisten zu scherzen und Fragen zum Iran-Krieg zu beantworten. Richtig in Fahrt kam Rubio aber, als ein Reporter ihn fragte, was „in diesen Zeiten“ seine Hoffnung für Amerika sei.
„Meine Hoffnung für Amerika?“, fragte der 54‑Jährige zurück. „Meine Hoffnung für Amerika ist das, was sie immer gewesen ist. Die Hoffnung, die wir, so hoffe ich, alle haben. Dass wir der Ort bleiben, wo jeder – egal, woher – alles erreichen kann.“ Unabhängig von Geburtsort, Hautfarbe und ethnischer Herkunft könnte jeder, so Rubio, in den USA sein echtes Potenzial ausschöpfen.
Daraus schnitt sein PR-Team ein Video, das schnell viral ging – und in dem viele Beobachter den inoffiziellen Start des Wahlkampfs sehen.
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Viel Zuspruch bekommt der frühere Senator seiner Heimat Florida für seinen optimistischen, souveränen Ton, der sich klar von Trumps aggressivem Kommunikationsstil absetzt.
„Wow! Das sieht aus, als könnte es ein Startvideo für eine Präsidentschaftskampagne sein. Beeindruckende Produktionsqualität und tolle Atmosphäre“, schrieb etwa die rechte Aktivistin Laura Loomer auf X. Auch Elon Musk, eigentlich großer Unterstützer von Vance, teilte den Clip. „DAS sollte der NÄCHSTE Präsident der Vereinigten Staaten sein“, kommentierte der Schauspieler und Comedian Rob Schneider.
US-Außenminister Marco Rubio bei einem Pressebriefing im Weißen Haus am 5. Mai.
© AFP/KENT NISHIMURA
All das dürfte Vizepräsident JD Vance nicht freuen – zeitweise schien er für Trumps Nachfolge als gesetzt. Doch der Funke mag bei vielen Unterstützern des Präsidenten nicht wirklich überspringen.
Ein Stimmungstest waren die Äußerungen von Erika Kirk Ende vergangenen Jahres. Gleich zweimal hatte die Witwe des bei einem Attentat getöteten rechten Aktivisten Charlie Kirk öffentlich gefordert, dem Willen ihres Mannes zu folgen und Vance bei der Präsidentschaftswahl 2028 kandidieren zu lassen. Doch die große Resonanz blieb aus.
Stattdessen kämpft JD Vance seit Monaten, sich politisch zu positionieren. Den Iran-Krieg, heißt es, hielt er für einen großen Fehler, sah sich aber wohl durch Trump gezwungen, letztlich mitzuziehen.
Vizepräsident JD Vance mit seiner Frau Usha. Neben ihr sitzt US-Außenminister Marco Rubio.
© REUTERS/Henry Nicholls
Dann schickte der Präsident ausgerechnet ihn los, den Iran-Krieg zu beenden – unvergessen sein Auftritt vor der Presse in Islamabad, bei dem Vance nach 21 Stunden, sichtlich zerknirscht, nicht mehr als seine Abreise verkünden konnte. Auch ein gemeinsamer Wahlkampfauftritt mit Viktor Orbán konnte diesem in Ungarn nicht zur Wiederwahl verhelfen – eine weitere Niederlage für den US-Vizepräsidenten.
Mehr zum Thema„Das schmerzt und stigmatisiert Vance“ Orbáns Niederlage ist auch ein Rückschlag für den US-Vizepräsidenten Streit mit Papst Leo XIV. Vance ermahnt den Papst zu mehr Vorsicht bei theologischen Themen Trump droht dem Verteidigungsbündnis Können die USA einfach so aus der Nato austreten?
Nun ist es aber so: Rubio und Vance sollen Freunde sein, die gemeinsame Arbeit schätzen. Noch im vergangenen Jahr hatte Rubio in einem Interview mit der „Vanity Fair“ gesagt: „Wenn JD Vance für das Präsidentenamt kandidiert, wird er unser Kandidat sein, und ich werde einer der Ersten sein, die ihn unterstützen.“
Seine jüngsten Auftritte wirken so, als hätte sich daran etwas verändert. Doch wer am Ende Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird, weiß ohnehin nur einer: Donald Trump.