Stand: 11.05.2026 18:57 Uhr

Die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn kann in ihrer jetzigen Form nicht fortgeführt werden. Darüber hat die Suchtklinik für Kinder und Jugendliche am Montag informiert.

Immerhin: Ein therapeutisches Angebot soll am Standort bleiben. „Wir werden das Wohnen, die Betreuung, die pädagogische Betreuung in die Jugendhilfe überführen“, gab Wolfgang Vorwerk, Vorstandsvorsitzender des Leinerstift als Betreiber der Klinik, bekannt. Am Standort werden demnach therapeutische Wohngruppen entwickelt. Eine Finanzierung soll dann über die Kommunen der Erkrankten erfolgen – nicht länger über die Rentenversicherung. Das Klinikum Oldenburg habe zudem zugesagt, die ambulante kinder- und jugendpsychatrische Versorgung zu übernehmen, sagte Vorwerk. Er betonte jedoch auch: Diese Pläne seien „kein adäquater Ersatz“ für die Klinik.

Gespräche verlaufen ohne Lösung für Klinik

Vorstand und Aufsichtsrat hatten zuletzt mitgeteilt, dass bis zum 10. Mai eine Lösung für die Klinik auf dem Tisch liegen muss. Einer Sprecherin der Klinikbetreiberin Leinerstift zufolge habe es viele Gespräche gegeben, vor allem mit der Deutschen Rentenversicherung, aber auch politischen Vertretern wie dem Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU). Eine Lösung blieb aus, die Frist lief ab.

Streeck: „Froh, dass Türen nicht komplett geschlossen sind“

Streeck gab mit Blick auf den jetzigen Ausgang für den Standort in Ahlhorn bekannt, er sei „froh, dass die Türen nicht komplett geschlossen sind“. Dennoch machte er auf die Lücke aufmerksam, die durch den Wegfall der Klinik entstünde. „Wir geben pro Tag 1,3 Milliarden im Gesundheitswesen aus. Hier scheitern wir an 200 Euro pro Tag pro Kind“, kritisierte er.

Betreiberin: Pro Kind fehlen 200 Euro

Die Einrichtung im Landkreis Oldenburg behandelt noch bis zum 30. Juni suchtkranke Kinder und Jugendliche nach einem Entzug. Die Klinik nimmt schon länger keine neuen Patientinnen und Patienten mehr auf. Das Leinerstift beklagte in der Vergangenheit mehrfach fehlende Finanzierung: 320 Euro zahlt die Deutsche Rentenversicherung dem Träger als Tagessatz pro Patient. Notwendig seien jedoch 520 Euro.

Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Ahlhorn

Findet sich innerhalb der kommenden zehn Tage keine Lösung, muss die Klinik für Kinder und Jugendliche schließen.

Anerkennung als Spezialeinrichtung: Antrag abgelehnt

Die Deutsche Rentenversicherung hatte zuletzt Unverständnis darüber geäußert, dass die 320 Euro nicht ausreichen sollen. Sie zahle bereits „den bundesweit höchsten Tagessatz aller vergleichbaren Einrichtungen“. Die Leinerstift-Gruppe hatte die Dietrich Bonhoeffer Klinik erst 2024 aus der Insolvenz übernommen. Die 1,5 Millionen Euro Verlust der Klinik im vergangenen Jahr habe man aus dem eigenen Bestand kompensiert, erklärte Wolfgang Vorwerk, Vorstand des Leinerstifts, Ende April. „Ein Antrag auf Anerkennung als Spezialeinrichtung, der weiterhin individuelle Vergütungen ermöglicht hätte“, sei ohne Begründung abgelehnt worden. Die Rentenversicherung sagte dazu auf Anfrage, die Klinik habe die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt.

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck (CDU) im Bundestag

Der Bundes-Drogenbeauftragte hat sich für den Erhalt der Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn ausgesprochen. Weitere Experten schließen sich an.

Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Ahlhorn

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