Ein Mann aus Augsburg ist tot, gestorben an den Folgen einer Bornavirus-Infektion. Diese Erkrankung tritt sehr selten auf, ein Schwerpunkt liegt jedoch in Bayern und insbesondere Schwaben. Grund zur Panik besteht nach Einschätzung von Medizinern nicht – dennoch warnen sie mit Nachdruck, da nahezu jede Infektion tödlich verläuft. Was Sie wissen müssen, um sich zu schützen.
- Häufigkeit: Infektionen mit dem Bornavirus sind extrem selten. Pro Jahr werden in Deutschland nur zwischen zwei und zehn Fälle registriert.
- Gefährlichkeit: Mehr als 90 Prozent der Erkrankten sterben an den Folgen der Infektion. Überlebende tragen meist eine Behinderung davon.
- Regionale Schwerpunkte: Mit rund 90 Prozent aller bislang diagnostizierten Erkrankungen bildet Bayern einen Schwerpunkt. Schwaben sticht dabei heraus, insbesondere in der jüngeren Vergangenheit. Erst Ende April wurde ein Todesfall im Unterallgäu bekannt, in Augsburg gab es 2023 zwei Fälle. Experten halten diese Häufung für auffällig. Warum die Schwerpunkte genau dort liegen, ist nicht bekannt. Grundsätzlich treten die meisten Fälle in ländlichen Regionen und am Rand größerer Städte auf. Die drei aktuellen Fälle in Augsburg konnten die Behörden allesamt im östlichen Stadtgebiet verorten.
Fälle in Augsburg und Unterallgäu: Bornavirus-Infektionen meist tödlich
- Übertragung: Das Bornavirus wird nicht von Mensch zu Mensch, sondern über Feldspitzmäuse übertragen – konkret vor allem über Ausscheidungen wie Kot, Urin oder Speichel. Wegen der insgesamt geringen Fallzahl ist noch nicht ausreichend erforscht, wie genau die Übertragung stattfindet – also zum Beispiel, wie lange und in welchem Ausmaß man virusbelastetem Staub ausgesetzt sein muss. Auch über die Inkubationszeit zwischen Exposition und Erkrankung liegen keine gesicherten Informationen vor.
- Symptome und Krankheitsverlauf: Nach Auskunft von Antonios Bayas, Leitender Oberarzt für Neurologie an der Uniklinik Augsburg, kommt es nach Erkrankungsbeginn meist zu einer rasch voranschreitenden Entzündung des Gehirns. Erste Symptome seien oft Fieber oder Kopfschmerzen, häufig gefolgt von Verwirrtheit, geistigem Abbau, Sprachstörungen und epileptischen Anfällen. Die Krankheit könne einen sehr schnellen Verlauf nehmen.
- Tests und Therapien: Bislang gibt es keine Frühtests, um eine Infektion schnell zu erkennen. „Wenn eine solche Infektion auftritt, stehen wir ihr quasi machtlos dieser gegenüber“, sagt Bayas. Auch Therapien, mit denen man betroffenen Patientinnen und Patienten helfen könnte, fehlten bislang. „Das macht den Umgang sehr schwierig und für uns Ärzte auch so bitter.“ Umso wichtiger sei es, sich zu schützen.
Bornavirus-Übertragung durch Feldspitzmäuse: Arzt gibt Tipps für Schutz
- Gefahrenorte: Der beste Schutz besteht darin, direkten oder indirekten Kontakt zu Feldspitzmäusen zu vermeiden. Doch das klingt einfacher, als es ist, da Laien die Tiere und ihre Spuren oft nur schwer identifizieren können. Erschwerend kommt hinzu, dass die natürlichen Lebensräume von Feldspitzmäusen nur schwer einzugrenzen sind. Das Landsamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) empfiehlt in diesem Zusammenhang, nach Möglichkeit Brachgebiete zu meiden – etwa Straßenböschungen, Steinmauern, Hecken oder Gebäudeteile, die für wildlebende Kleintiere zugänglich sind.
- Feldspitzmäuse erkennen: Die Tiere haben deutlich spitzere Nasen und Gesichter als „echte“ Mäuse. Ihre Oberseite ist grau-braun, ihre Unterseite weiß. Zudem zeichnen sie sich durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus. Sie sind eher scheu und nachtaktiv.
- Schutzmaßnahmen: Nach Auskunft von Experte Bayas gibt es konkrete, einfache Methoden, die Gefahr zu minimieren. Wer etwa ein Haustier habe, solle das Futter nicht draußen lagern oder auslegen, um den Feldspitzmäusen eine mögliche Nahrungsquelle zu entziehen. Hält man sich auf, wo Feldspitzmäuse sind oder gewesen sein könnten, rät er dazu, Feinstaubmasken wie FFP2-Masken und Einweghandschuhe zu tragen. „Wer sich längere Zeit in einem potenziell gefährdeten Bereich aufgehalten hat, sollte danach duschen“, sagt Bayas. Und: „Wer eine tote Feldspitzmaus findet oder von der Katze gebracht bekommt, sollte sie mit Desinfektionsmittel übergießen oder übersprühen, damit kein Staub aufgewirbelt wird. Dann sollte man sie mit Einweghandschuhen in einer abgedichteten Plastiktüte entsorgen.“
- Risiko bei Gartenarbeit: So schwer die einzelnen Erkrankungen verlaufen – Bayas plädiert für Augenmaß. Die Zahl der Fälle sei nach wie vor sehr gering. „Niemand sollte sich wegen des Bornavirus von Gartenarbeit oder dergleichen abhalten lassen“, betont er. Wichtig sei: „Liegt ein begründeter Verdacht vor, dass sich an einem Ort auch Feldspitzmäuse aufgehalten haben, sollte man Schutzmaßnahmen wie FFP2-Maske oder Einmalhandschuhe ergreifen. Es gibt aber keinen Grund zur Panik.“