
Bei einem Besuch in Kiew hat Verteidigungsminister Pistorius die Innovationskraft der Ukraine gelobt. Deutschland will mit dem Land künftig gemeinsam Waffensysteme entwickeln – darunter Drohnen mit bis zu 1.500 Kilometer Reichweite.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat die gemeinsame deutsch-ukrainische Entwicklung und Produktion von Drohnen mit Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern angekündigt.
Deutschland setze im Bereich unbemannter Systeme auf Joint Ventures zwischen deutschen und ukrainischen Unternehmen, sagte Pistorius bei einem Besuch in Kiew. Dies gelte „ganz besonders für die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Drohnen mit unterschiedlichen Reichweiten von unter 100 Kilometern bis zu 1.500 Kilometern“.
Selenskyj dankt Deutschland
Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gibt es derzeit sechs Gemeinschaftsprojekte mit Deutschland bei der Rüstungsproduktion. „Aber das ist nur der Anfang“, sagte Selenskyj bei einem Treffen mit Pistorius. Er dankte Deutschland auch für weitere Hilfe bei der Flugverteidigung der Ukraine gegen russische Angriffe, sagte aber, er wolle dazu keine Details nennen. „Lasst das für die Russen eine Überraschung sein“, so Selenskyj.
Pistorius sagte an Selenskyj gerichtet über die Ukraine: „Sie sind nicht länger nur ein Konsument von Sicherheit, sondern sie stellen Sicherheit bereit.“ Der ARD sagte er, es gehe auch darum, Europa als Kontinent sicherer zu machen. Die Ukraine sei gerade bei der Entwicklung unbemannter Systeme wie Drohnen hoch innovativ.
Weitere Ausbildung ukrainischer Soldaten
Pistorius sagte an der Seite seines ukrainischen Amtskollegen Mychailo Fedorow zudem die Fortsetzung der Ausbildung ukrainischer Soldaten zu. Bislang habe Deutschland „fast 27.000 Soldatinnen und Soldaten“ der Ukraine ausgebildet, so Pistorius.
Deutschland werde dies fortsetzen, „also auch für die Zeit nach einem Waffenstillstand“. Dies sei „einer von mehreren Bestandteilen möglicher europäischer Sicherheitsgarantien“. Die Ukraine und Deutschland seien „strategische Partner“, sagte Pistorius.
Pistorius denkt über Einführung ukrainischer Software nach
Die Bundeswehr werde sich im zweiten Halbjahr außerdem „sehr intensiv“ mit ukrainischen Battle-Management-Systemen beschäftigen – also mit Software, die bei der Planung, Ausführung und Überwachung militärischer Einsätze verwendet wird. „Es ist denkbar, dass wir ein solches Battle-Management-System ergänzend bei uns einführen“, erklärte Pistorius.
Deutschland und die Ukraine hatten bei Regierungskonsultationen Mitte April bereits eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich vereinbart.
Kallas sieht veränderte Kriegsdynamik
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren erfolgreich gegen eine russische Invasion. Angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und Russland hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas von einer sich verändernden „Dynamik des Krieges“ gesprochen.
Die Ukraine sei in einer „viel besseren Position als vor einem Jahr“, der russische Präsident Wladimir Putin hingegen befinde sich in einer „schwächeren Position als je zuvor“, sagte Kallas nach einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel.
Die „rekordverdächtigen“ Verluste Moskaus auf dem Schlachtfeld, die weitreichenden Angriffe der Ukraine auf Russland und die „immer kleiner werdende Militärparade in Moskau“ zeigten, „dass sich die Dynamik des Krieges verändert“, sagte Kallas vor Journalisten.
Beobachter schätzen die russischen Verluste aktuell so hoch wie noch nie seit dem Überfall im Februar 2022. Mit Angriffen auf Ölraffinerien weit im russischen Hinterland versucht die Ukraine zudem, Russland die Finanzierungsmöglichkeiten für seinen Krieg zu nehmen.
Mit Informationen von Rebecca Barth, ARD-Studio Kiew.