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Dortmund – Es sind Szenen von roher Gewalt, die fassungslos machen. Auf Videos tritt und schlägt eine Bande junger Männer johlend auf am Boden liegende Opfer ein, feuert sich gegenseitig an. Jetzt steht die „Knappi-Gang“ (17–20) wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Ein Prügel-Video, mit dem sich die Gang gebrüstet haben soll, brachte die sieben Angeklagten dorthin.
In Handfesseln werden die Jugendlichen und Heranwachsenden mit deutscher, syrischer, afghanischer und eritreischer Staatsangehörigkeit ins Landgericht Dortmund geführt. Nur ein Angeklagter ist nicht in U-Haft, weil ihm lediglich Beihilfe vorgeworfen wird. Auf seinem Handy wurde das Gewalt-Video inklusive verstörender Anfeuerungsrufe gefunden.

Faiz G. (20), einer der Hauptangeklagten vor Gericht
Foto: Andreas Buck
Bande ließ Gewaltexzess von Kumpel filmen
Die Tat: An einer Bushaltestelle soll die Bande im letzten August über fünf Männer hergefallen sein. Die mutmaßlichen Haupttäter Faiz G. (20) und Abdul-Kadir A. (18) sollen die Opfer zu Boden gebracht, Kumpel Abolfazl A. (17) sie mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt haben. „Er liegt auf dem Boden, f*ck seine Mutter, stech‘ ihn“, kommentiert der filmende Jugendliche den Gewaltexzess. Es soll sich um Diego F. (17) handeln, den seine Mutter gestern zum Prozess begleitete.

Ein Justizwachtmeister öffnet die Handschellen des Angeklagten Abolfazl A. (17)
Foto: Andreas Buck
„Ey, lass mich auch“, brüllt ein Angreifer
In fast ekstatischer Stimmung wechselten sich die Täter bei den Misshandlungen ab. „Ey, lass mich auch“, brüllt ein Peiniger, während ein anderer dem bereits Verletzten gerade in den Rücken springt. Die Fausthiebe ins Gesicht und Tritte in den Bauch enden erst, als ein Martinshorn zu hören ist und Blaulicht in der Dunkelheit zuckt.

Einer der Angeklagten nach seiner Festnahme durch das SEK am
Foto: Justin Brosch
Vier Monate dauerten die Ermittlungen, dann sammelte die Kripo die „Knappi-Gang“ (sie nennt sich wegen der Nähe zum Knappschaftskrankenhaus so) mit Haftbefehlen ein. Teilweise holte das SEK die Gewalttäter nachts aus ihren Kinderzimmern. Einige von ihnen müssen sich nicht nur wegen versuchten Totschlags verantworten. Wie Maxim W. (19), dem auch Raub und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen werden.
Mehr zum ThemaAngeklagter verpfeift weiteres Gang-Mitglied
Am kommenden Montag wollen sich die Angeklagten äußern. Die Opfer werden ihnen Ende Mai ins Gesicht sehen. Dann sind sie als Zeugen geladen.
Und eine weitere Anklage wird folgen. Seit letzter Woche sitzt ein achtes mutmaßliches „Knappi“-Mitglied in U‑Haft. Es soll von Maxim W. (19) verpfiffen worden sein, der auf dem Video mit Karatetritten gegen den Kopf und Bauch eines Opfers zu sehen sein soll.