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Nach dem knapp geschafften Klassenerhalt mit Werder Bremen darf Clemens Fritz wohl weitermachen. So blickt der Sportchef auf die verkorkste Saison und in die Zukunft.
Bremen – Ein Heimspiel also noch, dann ist Schluss. Borussia Dortmund kommt am Samstagnachmittag ins ausverkaufte Weserstadion. Was sich nach purer Fußballromantik anhört, hat für den SV Werder Bremen inzwischen keinerlei sportlichen Wert mehr. Und das ist eine ausgesprochen gute Nachricht für Grün-Weiß. Anders ausgedrückt: Dass der Klassenerhalt bereits vor dem letzten Spieltag perfekt sein würde, haben in den vergangenen Wochen und Monaten nicht mal intern die kühnste Optimisten geglaubt. Den Satz „Es wird für uns bis zum Schluss gehen“ trugen Spieler, Verantwortliche und Cheftrainer Daniel Thioune wie ein Mantra vor sich her. Als wäre er das Einzige, was sich am Osterdeich überhaupt noch mit Gewissheit sagen lässt. Haken dran, Werder ist gerettet. Nachhallen wird die Saison 2025/26 aber auch im Anschluss an das BVB-Spiel noch lange – weil eine gründliche Analyse der Spielzeit unverzichtbar ist.
Sportchef Clemens Fritz steht nach einer schweren Saison bei Werder Bremen in der Kritik, darf aber voraussichtlich weitermachen. © IMAGO/Jan HuebnerWerder Bremen-Sportchef Clemens Fritz übt Selbstkritik: „Nicht alle Überlegungen aufgegangen“
Die Aufarbeitung eines Jahres, das von Pannen und Fehleinschätzungen der Sportlichen Führung, von großem Verletzungspech und noch größerem Unmut bei Fans und Vereinsmitgliedern geprägt war, läuft bereits seit geraumer Zeit, parallel zum fortschreitenden Tagesgeschäft. „Es geht jetzt darum, die bereits begonnene Saisonanalyse zum Abschluss zu bringen“, sagt Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz gegenüber der DeichStube, wohlwissend, dass seine Person dabei eine ganz zentrale ist.
Als Sportchef des SV Werder Bremen ist er der Architekt einer Spielzeit, die, nett ausgedrückt, ziemlich windschief geraten ist. Anstandslos abnehmen würde sie kein Bauherr der Welt. Fritz selbst tut es ja nicht mal. „Wir können und dürfen nicht zufrieden sein. Wir wussten im Sommer zwar, dass die Saison durch die Vielzahl an Veränderungen und die Verjüngung des Kaders herausfordernd werden kann. So, wie es dann gelaufen ist, hatten wir es uns aber nicht vorgestellt“, sagt er. Und räumt ein: „Zudem sind nicht alle Überlegungen aufgegangen.“
Für viele Fans und Beobachter ist der Ex-Profi deshalb das Gesicht der Bremer Krise, in den vergangenen Monaten stand Clemens Fritz heftig in der Kritik, auch medial. Dass diese angesichts von Werder Bremens Status Quo grundsätzlich berechtigt ist, ja sogar sein muss, ist dabei ebenso wahr wie die Tatsache, dass sie bisweilen – vor allem in den Sozialen Medien – inhaltlich weit über das Ziel hinausschoss. Häme, Spott, Beleidigungen, gar Drohungen. Ausgelassen wurde nichts.
Werder Bremen-Saison hat Clemens Fritz an Kredit gekostet – der Sportchef darf aber wohl weitermachen
„Ich habe immer wieder betont, dass es mir nicht um mich, sondern ausschließlich um Werder Bremen geht“, sagt Fritz. „Aber natürlich hat die Saison auch mich viel Kraft gekostet, und natürlich ist die Kritik nicht spurlos an mir vorbeigegangen.“ Der 45-Jährige verbucht es als Berufsrisiko: „Das gehört ein Stückweit zum Job dazu.“ Er weiß ja ohnehin, dass seine Arbeit am Ende von anderen Menschen entscheidend bewertet wird, neun Stück an der Zahl.
So viele Mitglieder hat der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen, der die vierköpfige Geschäftsführung bestellt und damit auch über Wohl und Wehe von Clemens Fritz bestimmt. Nach Informationen der DeichStube genießt der Ehrenspielführer innerhalb des Gremiums immer noch eine hohe Wertschätzung. Die Überzeugung in seine Qualität ist nach wie vor da. Mit der abgelaufenen Saison ist freilich niemand zufrieden, und mit Sicherheit dürfte sie Fritz an Kredit gekostet haben. Der Neustart wird ihm aber zugetraut. Vieles spricht also dafür, dass Clemens Fritz auch in der Saison 2026/27 weiterhin Sportchef des SV Werder ist.
Auch der Ex-Nationalspieler selbst zeigt keinerlei Anzeichen von Amtsmüdigkeit, im Gegenteil. „Ich spüre definitiv weiterhin große Energie und möchte mit Werder wieder erfolgreichere Jahre gestalten“, betont er. Die für Bremer Verhältnisse ungewöhnlich frühen Verpflichtungen von Kenny Quetant und Chuki könnten dabei erste Mosaiksteine sein. Ein ganz zentraler ist in den Augen von Clemens Fritz ohnehin schon seit Februar im Verein: Cheftrainer Daniel Thioune, dessen Vertrag sich durch den Klassenerhalt unlängst automatisch verlängert hat.
Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune: „Werder Bremen kann sich glücklich schätzen, jemanden wie Clemens Fritz zu haben“
Im Fußballgeschäft ist das zwar keine Garantie. Clemens Fritz spricht sie dem 51-Jährigen gegenüber der DeichStube aber explizit aus: „Daniel bleibt unser Trainer, das steht fest.“ Vom ersten Tag an habe er gesehen, mit wie viel Energie und Akribie der Nachfolger von Horst Steffen bei Werder Bremen arbeite. „Er hat eine gute Ansprache und gibt den Spielern klare Lösungen an die Hand. Damit hat er uns in einer sehr schwierigen Phase geholfen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen.“
Aus der Gegenrichtung gibt es ebenfalls ein Kompliment, wobei Thioune seinen direkten Vorgesetzten öffentlich wohl auch kaum kritisieren würde. Über Clemens Fritz sagt er: „Ich erlebe ihn als hochprofessionell. Er ist seit über 20 Jahren in diesem Verein und arbeitet aus Überzeugung und Herzblut für Werder.“ Dass sein Chef stark im Wind stand und steht, ist natürlich auch Thioune nicht entgangen. „Er hat sich davon aber nicht treiben lassen. Außerdem analysiert er sehr selbstkritisch, was gut war und was schlecht war.“ Fazit des Trainers: „Ich bin überzeugt davon, dass sich der SV Werder Bremen glücklich schätzen kann, jemanden wie Clemens Fritz in seinen Reihen zu haben.“ Gemeinsam mit dem Sportchef möchte Thioune nun die Zukunft des Vereins gestalten. Genauso dürfte es aller Voraussicht nach kommen. (dco)