Ja, mindestens einmal im Jahr können wir es unserer Tochter nicht verwehren, auf den Cannstatter Wasen zu gehen. Das Frühlingsfest lockt mit Speisen und reichlich Fahrgeschäften. Da schwitzt der Geldbeutel bereits bei der Abfahrt auf der Ostalb. Aber natürlich gehört es auch irgendwie dazu, wenn man hier im Süden lebt.

Schon vor dem Start sind acht Euro futsch

Und noch bevor wir am ersten Fahrgeschäft oder der ersten Fressbude angekommen sind, waren wir schon acht Euro los. Parkplatz. Alternative? Gibt es nicht, zumindest keine logistisch schlaue, weiß man aber auch. Ich habe mir da mittlerweile einen Spaß daraus gemacht, mir aufzuschreiben, was solch ein Besuch immer kostet.

Bei all den Düften, die uns umwaberten, bekam ich direkt Hunger, 100 Meter waren wir gegangen. Frau und Tochter nicht. Ich bestellte mir einen Hotdog, eine Minute später stand meine Tochter neben mir: Ach, son Cheeseburger wäre doch ganz cool. Futterneid nennen wir das innerfamiliär, hat sie von meiner Frau geerbt, wenngleich es beide natürlich leugnen. 11,50 Euro hat die erste Fast-Food-Etappe gekostet. Geht eigentlich.

Autoscooter fahren wie die Großen

Direkt am Eingang steht immer eine kleinere Achterbahn, der „Rock ´n´ Roll-Coaster“, da mussten wir mit. Meine Frau und meine Tochter sorgten bei der Fahrt für die richtige Akustik, übertönten noch die laute Partymusik mit ihrem Kreischen. 14 Euro futsch für zwei Minuten Action. Dann kamen wir am ersten Autoscooter vorbei, das ist immer wieder mein Highlight – und mittlerweile auch von meiner Tochter. Da es aber immer drei bis vier gibt, schaue ich immer erst, wie viel die Chips kosten. Wir haben dann den ausgewählt, bei dem man für zehn Euro fünf Chips anstatt vier bekommt – so schwäbisch bin ich mittlerweile durchaus. Und stolz, denn meine Tochter fährt ähnlich wie ich beim Autoscooter: etwas offensiver, diplomatisch ausgedrückt. Ein paar Dinge hat sie glücklicherweise auch von mir.

Wolverine zappelt am HakenDieser Wolverine wohnt nun bei den Lämmerhirts. Ein Erfolg am Greifautomaten.Bild vergrößern

Dieser Wolverine wohnt nun bei den Lämmerhirts. Ein Erfolg am Greifautomaten. (Foto: Timo Lämmerhirt)

Dann noch ein weiteres persönliches Highlight: diese Greifautomaten, bei denen man immer diese coolen Kuscheltiere bekommt, wenn man den Greifer richtig runterfahren lässt – oder wenn man einfach Glück hat. Das wiederum habe ich von meinem Vater, der hat das auch immer so gerne gemacht. Als Superhelden-Fan habe ich mich für den entschieden, in dem Wolverine, Deadpool oder Spiderman in der Kuscheltier-Edition darauf warteten, bei uns zu Hause einzuziehen. Ein Spiel für einen Euro, für fünf Euro aber habe ich sieben Chips bekommen. Klar, was ich gemacht habe, oder?! Die ersten beiden Versuche bei Wolverine scheiterten. Ich schwenkte um, sah Spiderman recht frei liegen. Er hing am Haken, ist aber noch heruntergefallen. Dann habe ich es gewagt, einen anderen Wolverine zu nehmen – und tatsächlich: Er blieb am Haken, wir hatten ein neues Kuscheltier. Familiärer Jubel vor diesem Glaskasten.

Angst bahnt sich den Weg schon vor dem Start

Danach wollte meine Tochter in die Geisterbahn, das ist immer ein fifty-fifty-Unterfangen. Sie will, gruselt sich aber. Schon in der Warteschlange hat ihr eine (wirklich gute) Zeichnung des fiktiven Serienmörders Freddy Krueger überhaupt nicht gefallen, da konnte sie gar nicht hinschauen. Aber sie hat es durchgezogen, wenngleich es ihr offensichtlich nicht ganz geheuer war. Zehn Euro hat diese Mutprobe gekostet. Dann hatte auch meine Frau Hunger. Rosmarin-Kartoffeln im Alm-Dorf gab es für einen Fünfer. Dann machten wir noch einmal eine Pause: Eine Halbe, Schorle weiß-sauer und ein Wasser für 24 Euro. Meine Tochter wollte noch eine Kartoffelspirale für 6,50 Euro. Der Geldbeutel wurde immer weiter geschröpft. Danach wollte meine Frau unbedingt noch einen Langos. Das sind diese super fettigen ungarischen Teigteilchen, auf die ganz viel Knoblauch passt. Da habe ich auch zugeschlagen, damit es daheim keine olfaktorischen Probleme gibt. Mit 12,50 Euro waren wir dabei.

Ein günstigerer Preis wäre drin gewesen

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Dann ging es noch einmal in den „Breakdancer“, der eigentlich anders heißt, den ich aber noch von damals so kenne. Schnell im Kreis drehend, drehen sich die einzelnen Sitze ebenfalls noch einmal. Mutig, mit Kartoffelspirale und Langos im Bauch. Ist aber gut gegangen. Das hat meiner Tochter und mir so viel Spaß gemacht, dass wir uns geärgert haben, nicht gleich vier Chips für 15 Euro geholt zu haben. So waren es neun Euro für eine Fahrt. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass einige Fahrgeschäfte mit den Preisen runter sind im Vergleich zu meinem letzten Besuch – ich kann mich aber auch täuschen.

Als wir am Aufgang waren, mussten wir nochmal zurück

Allmählich sind wir dann Richtung Ausgang marschiert, über drei Stunden hatten wir bereits hinter uns. Dann zappelte meine Tochter herum, schaute uns mit einer mir sehr bekannten Miene an. Na klar, ein letztes Fahrgeschäft sollte es noch sein. Also sind wir noch einmal umgekehrt. Meiner Frau fiel dann auch noch ein, dass sie noch gar keine Schokofrüchte hatte. Das ist dann wiederum ihr Ding auf derlei Festen. 6,50 Euro sind ein stolzer Preis dafür, wenn ich das mit Hotdog oder Rosmarin-Kartoffeln vergleiche.

Happy End am Autoscooter

Und das letzte Geschäft hat mir dann wieder Spaß gemacht, wir sind nochmal zum Autoscooter, darauf einigten wir uns recht schnell. Hier gab es vier Fahrten für zehn Euro, wir wollten aber nicht mehr weiterlaufen. Und siehe da: Der Mann an der Kasse schenkte uns einen Chip, sodass wir wieder beim besten Angebot angekommen sind. Kleines Happy End für uns, jede Menge Spaß, der allerdings mit 141 Euro zu Buche geschlagen hat. Ich lege jetzt schon mal etwas zur Seite für das nächste Jahr, schließlich können wir unserer Tochter ohnehin nur schwerlich einen Wunsch abschlagen.