Bei einem Bummel durch die Braunschweiger Innenstadt fallen sie sofort ins Auge: leerstehende Ladenflächen. Wo früher reges Treiben herrschte, ist heute oft gähnende Leere. Wie die Braunschweig Zukunft GmbH auf News38-Anfrage berichtet, gab es um den Jahreswechsel 2025/26 rund 100 leerstehende Flächen innerhalb der Okerumflut. Vielen Braunschweigern bleibt das nicht verborgen.
Eine News38-Reporterin hat sich vor Ort umgehört, wie die Menschen die Situation wahrnehmen.
Braunschweig: „Es ist katastrophal“
Im vergangenen Jahr gab es in der Innenstadt mehr als 45 Neueröffnungen von Cafés, Restaurants und Geschäften. Gleichzeitig wurden 44 neue Leerstände registriert. Die Gründe für Geschäftsaufgaben sind laut Wirtschaftsförderung individuell. Zudem lasse sich anhand der Leerstandsentwicklung in der Braunschweiger Innenstadt kein eindeutiger Trend bei Schließungen und Neueröffnungen ablesen, „da sich beide Entwicklungen parallel vollziehen“.
Für viele Menschen in der Stadt sind Ladenschließungen allerdings präsenter als Neueröffnungen – so empfindet es zumindest der 71-jährige Michael. Der Braunschweiger wohnt schon seit seiner Geburt in der Löwenstadt und hat eine klare Meinung zu den Entwicklungen. „Es ist katastrophal, wirklich“, sagt er gegenüber einer News38-Reporterin und ergänzt: „Es ist auch kein Einkaufsparadies mehr, es ist schon traurig.“
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Wenn es ihn in die Innenstadt zieht, dann vor allem wegen der Restaurants und Cafés – oder wenn er ein bestimmtes Kleidungsstück sucht. Eine große Auswahl gebe es für ihn allerdings nicht mehr. „Man denkt auch teilweise nicht mehr an ältere Leute, nur noch an junge Leute“, findet er. Insgesamt habe sich die Situation in den vergangenen Jahren aus seiner Sicht deutlich verschlechtert.
Auch Verena* (22) hat die Veränderungen bemerkt. Viele Läden würden nur kurz bestehen und stünden danach lange leer. „Das ist schon schade“, sagt sie. Im Schloss sei sie kaum noch unterwegs: „Da ist sowieso nichts mehr los.“ Zum Einkaufen gehe sie zwar noch in die Innenstadt, vermisse dort aber einiges.
Leerstehende Ladenflächen wie diese sind in der Braunschweiger Innenstadt keine Seltenheit Foto: Eva Meer / News38
Vor allem neue Trends würden in Braunschweig oft fehlen. „Manchmal habe ich schon das Bedürfnis nach Hannover zu fahren, weil die da mehr Läden haben“, erzählt sie. „Oder gleich nach Hamburg.“ Trotzdem schätzt sie den besonderen Charme der Stadt: „Ich mag Braunschweig wegen den alten Gebäuden, deswegen bin ich eigentlich immer lieber hier, als in einer anderen Stadt.“
„Die Läden haben mich bisher nicht interessiert“
Ähnlich sieht das auch Franz*. Er ist erst vor kurzem nach Braunschweig gezogen und genießt momentan eher die Architektur, als sich von den Leerständen ablenken zu lassen. „Wenn ich durch die Innenstadt laufe, dann fallen mir erstmal diese schönen Häuser hier auf“, sagt der 73-Jährige und ergänzt: „Und die Läden haben mich bisher noch nicht so interessiert. Die Fassaden sind wesentlich schöner, die interessieren mich viel mehr.“
Der 21-Jährige Mohammed* aus Braunschweig sieht die leerstehenden Läden, sagt aber auch, dass es ein individuelles Problem sei. „Manche Leute sagen, es reicht mir, manche Leute sagen es ist zu wenig. Ich bin eher so der Mensch der sagt, es gibt nie zu wenig“, sagt der Braunschweiger. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem mehr kulturelle Angebote, wie etwa Museen. „Für die Kinder und Jugendlichen, weil ich glaube, die meisten interessieren sich auch für die Geschichte (der Stadt)“, sagt er. Außerdem würde er sich über mehr Modeläden wie Bershka oder Zara freuen – insbesondere mit einem größeren Angebot für Männer.
Diese Maßnahmen der Stadt sind geplant
Die Wahrnehmung der Innenstadt gehen also klar auseinander. Doch eines wird deutlich: Die leerstehenden Ladenflächen bleiben keinem der Bewohner verborgen. Das ist auch der Stadt Braunschweig bewusst, die gemeinsam mit Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung und weiteren Innenstadt-Akteuren gegen den Strukturwandel angehen will. Grundlage sind der 2020 initiierte Innenstadtdialog und die beschlossene Innenstadtstrategie, welche die Innenstadt als zentralen, sozialen und demokratischer Ort stärken soll und somit als frequentierter Standort für gewerbliche Angebote. Ergänzend unterstützen Investitionspakete und Förderprogramme die zukunftsfähige Entwicklung.
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Neben städtebaulichen Maßnahmen sollen vor allem Veranstaltungen und Gastronomie dazu beitragen, dass die Stadt wieder belebter wird – wovon letztlich auch der Handel wieder profitieren könne. Es bleibt abzuwarten, wann und inwiefern die Maßnahmen der Stadt in Zukunft Früchte tragen werden.
*Ganzer Name ist der Redaktion bekannt.