Vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin hat sich eine kleine Menschenschlange gebildet. Mitarbeiter holen ihr Hab und Gut aus den Räumen – mit Tüten und Rucksäcken. Eine Frau hat einen Rollwagen dabei, ein Mann trägt einen Monitor aus dem Gebäude. Es dürfe immer nur eine bestimmte Anzahl an Personen rein, sagt ein TU-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Online hätten die TU-Beschäftigten sich einen Zeitslot buchen können – alles laufe geordnet ab, aber auch „streng“. Weil er die Bestätigungsmail für seinen Zeitslot nicht gefunden habe, habe er wieder hinausgehen und sich einen neuen Termin buchen müssen.

Eine studentische Hilfskraft kam mit zwei großen blauen Tüten aus dem Gebäude, in denen sie mehrere Zimmerpflanzen, Bücher und einen Wasserkocher verstaut hatte. „Es gibt bald wahrscheinlich Ausweichbüros“, sagte sie. Bis dahin bleibe sie erst einmal im Homeoffice. Heute Mittag möchte die Uni Studierende und Beschäftigte über das weitere Vorgehen informieren.

Die Instandhaltung vieler Bestandsgebäude der Technischen Universität Berlin wurde laut Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra vernachlässigt. In den vergangenen Jahren sei sehr viel neu gebaut worden, sagte die SPD-Politikerin im RBB‑„Inforadio“. „Aber der Bestand wurde etwas vernachlässigt, das kann man schon sagen.“ Im Laufe der Jahre seien eine ganze Reihe von Mängeln aufgetreten. „Die Sperrung des Hauptgebäudes mitten im Semester ist natürlich schon eine mittlere Katastrophe.“

Das Hauptgebäude der Uni ist seit Samstag aus Sicherheitsgründen geschlossen und kann bis auf Weiteres nicht genutzt werden. Als Grund nannte die TU „bauliche Auffälligkeiten“. Der Sanierungsstau an der TU beläuft sich nach Angaben der Hochschule auf 2,4 Milliarden Euro.

Die Baumängel am Hauptgebäude waren mitten im laufenden Semester bei einer Begehung durch Behörden und die Berliner Feuerwehr festgestellt worden. Die Aufsicht liege in der Verantwortung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und des zuständigen Baustadtrats, sie selbst habe die Untersuchung nicht in die Wege geleitet, sagte Czyborra.

„Das ist deren Aufgabe, genau zu gucken. Es darf ja auch niemand zu Schaden kommen. Und da sind nun einige Mängel so gravierend, dass sie gesagt haben, das Gebäude muss geschlossen werden, weil es den Brandschutz betrifft.“ TU-Präsidentin Fatma Deniz hatte dem RBB gesagt, es gebe etwa nasse Wände und Wasserschäden, die auch die Stromversorgung und den Brandschutz beeinträchtigen könnten.

Zeitpunkt der Wiedereröffnung noch unklar

Am Montagmorgen konnte Czyborra noch nicht sagen, wie lange das Gebäude gesperrt bleibt. Sie sei im permanenten Kontakt mit der TU‑Präsidentin. „Wir müssen gucken, ob die Mängel, die jetzt zur Schließung führen, schnellstmöglich behoben werden können. Das war aber am Wochenende noch nicht ganz klar“, so die Wissenschaftssenatorin.

Große Sanierungen an den Hochschulen würden auch aus dem Haushalt des Landes finanziert. Die Haushaltssituation des Landes Berlin sei gerade sehr schwierig. Viele Maßnahmen seien in letzter Zeit gestrichen worden. Das Hauptgebäude stand nach Angaben der Senatorin allerdings nie oben auf der Liste.

Zusätzlich bekämen die Hochschulen Geld für die Instandhaltung, so stehe es im Hochschulvertrag. „Das ist nicht immer in den letzten Jahren so ausgegeben worden, wie es ausgegeben hätte werden sollen, muss man auch sagen. Da ist viel Geld liegen geblieben.“