Manchmal sind es einfach Zufälle, die zu einer Ausstellung führen. Als Friederike Koch-Heinrichs, Leiterin des Museums der Westlausitz Kamenz, im Landratsamt Bautzen auf Bilder von Stephan Popella stieß, sei sie sofort neugierig geworden. „Ich kannte ihn noch nicht“, erzählt sie im Gespräch mit MDR KULTUR – und nahm kurzerhand Kontakt mit ihm auf. Sukzessive sei dann die Ausstellung entstanden.

Künstler mit Oberlausitz eng verbunden

Die Schau fügt sich bestens in die Reihe „Künstler aus der Region“ ein: Denn Stephan Popella wurde 1980 in Bautzen geboren und ist im nahe gelegenen Kirschau aufgewachsen. Seit seinem Geschichtsstudium lebt er in Dresden, die Oberlausitz aber liebt er noch immer, was sich auch in seiner Malerei widerspiegelt.

Der Tagebau oder auch die Lausitzer Wälder seien Themen, die ihn prägten, erzählt Popella MDR KULTUR. Sein Großvater und seine Eltern hätten im Kraftwerk Schwarze Pumpe gearbeitet. „Der Bezug ist ganz klar da“, sagt der Maler über seine Ausstellung in Kamenz. „Es ist eine Art Zurückkommen – auch, weil ich die Sprache dieser Region spreche.“

Es ist eine Art Zurückkommen – auch, weil ich die Sprache dieser Region spreche.

Künstler Stephan Popella über seine Ausstellung in Kamenz

„Heile Welt“ von der Lausitz bis zur Ostsee

Stephan Popellas „Bilder aus einer ‚heilen Welt'“ zeigen freilich nicht nur die Lausitz. Strandlandschaften von der Ostsee sind ebenso dabei wie Hochgebirge, darin archaische Figuren wie Fischer, Hirte und Jäger – mit heutiger Konnotation. Im „Deutschen Wald“ ein Spaziergänger mit Einkaufstüte. Eine Vision aus der brandenburgischen Provinz spiegelt die Gegend als zur Wüste verkommen, mittendrin ein Kamelreiter, im Hintergrund Windräder.

Malerei sei für den Künstler ein „Transportmittel“, um Geschichten zu erzählen, erklärt er. Es sind Geschichten mit doppeltem Boden: Absichtsvoll androgyn wirkende Kinder tragen Markenlogos auf T-Shirts, manche auch Lederhosen, Papierhüte oder Gewehre. Sie spielen mit Panzern, mit einem Totenkopf, mit Affen oder sich selbst als Pirat.

Nicht selten sind – neben Film-Stills und Politikerporträts – auch Popella-Bilder in Popellas Bildern zitiert.

Bilder mit doppeltem Boden und Ironie

„Es ist der Alltag, den ich verarbeite und den ich aufsauge. Das sind manchmal kleine Absurditäten, die einem begegnen, damit befasse ich mich viel, und das diskutiere ich dann mit mir selbst“, sagt der Künstler. Seine Ausstellungen seien „ein Angebot an den Betrachter, sich in diese Geschichten reinzufinden und die Inhalte zu entdecken.“

Es ist der Alltag, den ich verarbeite und den ich aufsauge. Das sind manchmal kleine Absurditäten, die einem begegnen.

Stephan Popella, Maler

Mit hintergründiger Ironie sind da hohle Heldenposen etwa von Hollywood-Figuren zu entdecken, aber auch Abbilder historischer Persönlichkeiten von John F. Kennedy bis Mao Zedong. Hinter der Ästhetik seiner Bilder und den teilweise idyllischen Motiven gebe es „immer noch eine zweite oder dritte Ebene, die das bricht“, so Popella.

Altmeisterliche Malweise mit eigener Handschrift

Bestechend ist Popellas fast fotorealistische Malweise. Perfektes Handwerk, obwohl er nie an einer Kunsthochschule studiert hat. Als Kind waren die Bildbände der Alten Meister in Dresden und Rembrandt im elterlichen Bücherregal seine Favoriten, erzählt der Künstler. Das sehe man in seinen Bildern, „was mich so als Kind geprägt hat, welche Brille ich mir da aufgesetzt hab. Ich denke, das kann man noch erkennen.“

Das kann man – obwohl die Handschrift des Autodidakten absolut eigenständig ist, kunstfertig mit viel Sinn für eine adäquate Verbindung von Form und Inhalt. Das spiegelt sich auch in einem anspruchsvollen Katalog wider, den Susanne Magister, die Kuratorin der Ausstellung, gestaltet hat.

Insgesamt sind in der Ausstellung Werke Popellas aus den Jahren 2020 bis 2026 zu sehen. Sie seien in fünf Kapitel eingeteilt, erklärt Magister: „Ende–Neu, Arcadia, Kinderspiel, Nibelungen und Wieland.“ Vielschichtige Geschichten, die die Besuchenden selber versuchen sollten, zu entschlüsseln und zu entdecken.

Der Weg dafür nach Kamenz lohnt sich unbedingt. Ein Glücksfall, diese Ausstellung.