Rheinland-Pfalz & SaarlandReparieren, lernen, kochen: Was eine „Bike Kitchen“ ausmachtDie-Bike-Kitchen-ist-eine-Selbsthilfe-FahrradwerkstattTeilenFolgen auf:whatsappwhatsapp

Kaputte Bremse, defektes Rücklicht – was tun? Wer nicht weiß, wie Räder flott gemacht werden können, muss nicht allein basteln. Und findet zum Beispiel in Mainz neben Rat und Tat auch Gemeinschaft.

Mainz (dpa/lrs) – Aus dem kleinen Pavillon auf der Mainzer Ludwigsstraße schallen freudige Gespräche und metallisches Klappern nach draußen. Auf sechs Montageständern sind im Inneren Fahrräder montiert, in Zweier- oder Dreiergrüppchen wird an den Rädern geschraubt. Was aussieht wie eine geschäftige Fahrradwerkstatt, ist eigentlich ein ehrenamtliches Projekt. Denn in der „Bike Kitchen“ stehen Ehrenamtliche mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, das eigene Fahrrad zu reparieren.

„Jeder kann hier kommen und sein Fahrrad reparieren“, erklärt Milan, einer der rund zehn Menschen, die regelmäßig in der „Bike Kitchen“ helfen. Dabei stehe jedoch das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Vordergrund. „Wir wollen eigentlich, dass die Leute selbst schrauben und nicht wir für sie schrauben. Das gibt es eigentlich weltweit, dieses Konzept der „Bike Kitchen“.“

400 bis 500 Reparaturen pro Jahr

Das Konzept ähnelt denen von Repair-Cafés, wo Alltagsgegenstände – und etwa auch Fahrräder – selbst repariert werden können. Laien bekommen Tipps von ehrenamtlichen Helfern, wie sie das selbst schaffen. Die Devise: Reparieren statt wegwerfen. In Rheinland-Pfalz gibt es in vielen Städten solche Hilfe-zur-Selbsthilfe-Angebote.

In Mainz besteht das Konzept seit mittlerweile 13 Jahren. Jedes Jahr helfe die „Bike Kitchen“ bei etwa 400 bis 500 Fahrradreparaturen, sagt Daniel, einer der Mitbegründer der Mainzer Initiative. Der Bedarf an Reparaturen sei immer da. Geändert habe sich aber vermutlich, dass die Fahrradwerkstätten mehr eingespannt seien.

Das bestätigt auch Robert Wöhler, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Rheinland-Pfalz (ADFC). „Insgesamt beobachten wir, dass gerade mit der stärkeren Verbreitung von Pedelecs und E-Bikes die Bedeutung der Fachwerkstatt eher zunimmt.“ Moderne E-Bikes seien technisch komplexer, hätten elektronische Komponenten und erforderten bei bestimmten Wartungen, Diagnosen oder Software-Updates den Fachhandel.

Bei einfachen Reparaturen gebe es aber sicher weiterhin den Wunsch, sich selbst helfen zu können, schon aus praktischen und finanziellen Gründen, sagt Wöhler. „Bei klassischen Fahrrädern sehen wir durchaus, dass viele Menschen kleinere Dinge selbst erledigen, etwa den Luftdruck prüfen, die Kette pflegen oder einen Schlauch wechseln.“ Das Interesse an Fahrradpflege, Sicherheitschecks und praktischem Reparaturwissen sei grundsätzlich groß, merke der ADFC.

Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Von den Menschen, die zur „Bike Kitchen“ kämen, wollten etwa einer von fünf richtig lernen, wie man ein Fahrrad repariere, sagt Daniel. So kämen auch die meisten Ehrenamtlichen zur Initiative neu dazu. Bei Milan war es ähnlich. Er habe vor zwölf Jahren die „Bike Kitchen“ besucht, weil er ein Problem mit seinem Fahrrad gehabt habe, sagt er. „Ich bin schon immer viel Fahrrad gefahren und hatte Bock drauf, das selbst reparieren zu können. Und dann ist das Learning by Doing.“

Einmal pro Woche öffnet die „Bike Kitchen“ für drei Stunden ihre Türen für Fahrradreparaturen. Aber die Initiative mache mehr aus als die Reparaturen, sagt Mitgründer Daniel. In der „Bike Kitchen“ wolle man zudem ein kulturelles Angebot liefern, natürlich auch themenbezogen zum Fahrrad. „Wir wollen etwa einfache Fahrradtouren anbieten, bei denen Jeder mit seinem Fahrrad mitfahren kann, die auch nicht die große Rennradausrüstung haben.“

Dazu solle es etwa ein mal im Monat Themenabende mit Reiseberichten oder Filmen geben. Workshops und Gesprächsabende rund um das Thema Fahrrad seien auch geplant. Der Hauptgrund, warum sie das machten, sei das Zusammensein, sagt Daniel. Die Ehrenamtlichen würden auch regelmäßig zusammen kochen. „Für uns soll es auch wirklich eine „Bike Kitchen“ sein. Deswegen haben wir auch als allererstes die Küche eingebaut.“

Quelle: dpa