Sarah Connor hat es getan. Die Sängerin hat Berlin verlassen. Jahrelang hatte sie im Berliner Bezirk Grunewald gelebt. Im vergangenen Jahr ist sie mit ihrer Familie nach Frankreich gezogen. „Ich habe immer davon geträumt, am Meer zu leben“, schrieb Connor seinerzeit auf Instagram. „Jetzt haben wir es nach vielen Jahren in Berlin einfach gemacht und lieben es.“

Die Künstlerin ist damit nicht allein. Seit 2020 nimmt die Zahl der Menschen zu, die aus der Hauptstadt weggehen. Damals waren es rund 145.000, vier Jahre später schon gut 159.000. Von Januar bis November vergangenen Jahres hat das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS) für den Tagesspiegel 147.490 Fortzüge ermittelt. Würde man die Zahlen auf die vollen zwölf Monate hochrechnen, wären es knapp 161.000 Fortzügler. Ein neuer, trauriger Rekord.

Vor allem junge Familien verlassen Berlin.

Frederick Sixtus, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Für uns ist das ein Grund, genauer hinzuschauen und Sie, unsere Leserinnen und Leser, zu fragen. Haben auch Sie Berlin verlassen und falls ja, was waren Ihre Gründe? Wohin sind Sie gezogen und wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Heimat? Das möchten wir in einer neuen Online-Umfrage wissen. Vielleicht haben Sie auch Lust, über die Umfrage hinaus mit uns ins Gespräch zu kommen und Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen?

„Vor allem junge Familien verlassen Berlin“, sagt Frederick Sixtus, der sich beim Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit der Demografie Deutschlands beschäftigt. Das zeigen auch die Zahlen des AfS: In keiner Altersgruppe gehen Berliner und Berlinerinnen so häufig fort wie in der Lebensspanne zwischen 30 und 49 Jahren. „Viele ziehen ins Umland, weil sie sich kein Haus oder keine größere Wohnung leisten können“, erklärt Sixtus.

Warum so viele Berliner nach Brandenburg ziehen

Hohe Immobilienpreise, teure Mieten in der Großstadt: Von dieser Misere profitiert vor allem Brandenburg. „Es zogen fast doppelt so viele Berliner nach Brandenburg wie umgekehrt“, schreibt das AfS in seinem Bericht zu den Zahlen von 2024. Daran hat sich auch 2025 nichts geändert. In den ersten elf Monaten sind rund 17.300 Brandenburger nach Berlin gezogen, meist junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren. Von Berlin nach Brandenburg sind hingegen knapp 29.000 Menschen gegangen.

Besonders attraktiv für Berliner und Berlinerinnen sind die Regionen in Brandenburg, die noch so nahe liegen, dass man keine Tagesreise braucht, um die Hauptstadt zu erreichen, aber die weit genug entfernt sind, dass die Immobilienpreise noch erschwinglich sind.

Wenn die Rente nicht reicht „Wir können uns Berlin nicht mehr leisten“

Sehnsuchtsregionen sind das Havelland sowie die Landkreise Oberhavel und Barnim. Abwanderungen von Berlin ins direkte Umland sind dagegen deutlich übersichtlicher: Potsdam und Teltow-Fläming sind für viele Berliner zu teuer.

Innerdeutsche Bilanz: Berlin verliert

Generell gilt: Aus Berlin wandern mehr Menschen ins Bundesgebiet ab als umgekehrt. 2024 lag der innerdeutsche Wanderungsverlust bei rund 14.800 Personen, in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres waren es 11.344 Menschen.

Dennoch wird Berlin nicht leerer, sondern voller. Wie kann das sein?

Zuwanderer aus dem Ausland retten die Berlin-Bilanz

Dass Berlin wächst, liegt an der Zuwanderung aus dem Ausland. Von den rund 186.000 Zuzügen nach Berlin kamen 2024 knapp 122.000 aus dem Ausland. Vergleicht man Zuzüge und Abwanderungen, so rettet das Ausland die Berlin-Bilanz. 2024 blieb ein Wanderungsgewinn von fast 42.000 Menschen.

Dieser Trend hält an. In den elf Monaten des vergangenen Jahres waren es rund 104.500 Zuzüge aus dem Ausland nach Berlin. Darunter machen die 10.544 Inderinnen und Inder die größte Gruppe aus. Sie haben Ukrainer und Ukrainerinnen als größte Zuwanderungsgruppe abgelöst.

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Wissenschaftler Frederick Sixtus kennt das Phänomen. „Großstädte wie Berlin haben zwar unterm Strich mehr Zu- als Fortzüge“, sagt der Experte. „Aber es sind vor allem Zuzüge aus dem Ausland, die diese Bilanz beeinflussen.“ Schaut man dagegen auf innerdeutsche Umzüge, ziehen mehr Menschen aus den Großstädten fort aufs Land. „Das gilt auch für Berlin.“