Entscheidende Stunden für Keir Starmer

„Er wirkte geradezu panisch“

Aktualisiert am 12.05.2026 – 06:31 UhrLesedauer: 3 Min.

Keir Starmer hält eine Rede im Coin Street Neighbourhood Centre in Waterloo, London.Vergrößern des Bildes

Keir Starmer hält eine Rede im Londoner Stadtteil Waterloo (Archivbild). (Quelle: James Manning/PA Wire/dpa)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1x

Jetzt neu bei t-online:

Schriftgröße anpassen!

Artikel teilen

Nach schweren Verlusten bei Wahlen in Großbritannien versucht sich der britische Premier über Wasser zu halten. Doch er verliert Rückhalt in seiner Partei.

Nach den heftigen Verlusten seiner Labour-Partei bei den Regional- und Kommunalwahlen gerät der britische Premierminister Keir Starmer immer mehr unter Druck. Nach Informationen der BBC soll Innenministerin Shabana Mahmood ihm geraten haben, einen Zeitplan für seinen Rücktritt vorzulegen. Der Sender Sky und der „Guardian“ meldeten, auch Außenministerin Yvette Cooper habe dem Regierungschef einen Rücktritt nahegelegt.

Nun soll Starmer vor einer Kabinettssitzung an diesem Dienstag seine Optionen abwägen. Es gebe im Kabinett derzeit „unterschiedliche Ansichten darüber, wie es weitergehen soll und was im besten Interesse von Partei und Land ist“, sagte ein Kabinettsminister dem „Guardian“.

Parlamentarische Assistenten kündigen Rücktritt an

Mehr als 70 der gut 400 Labour-Abgeordneten, darunter viele Hinterbänkler, entzogen dem angeschlagenen Regierungschef im Laufe des Montags laut Sky und BBC öffentlich ihre Unterstützung. Zudem kündigten gleich vier parlamentarische Assistenten seiner Minister am Abend ihren Rücktritt an und forderten Starmer auf, das Feld zu räumen.

„Für mich steht fest, dass der Premierminister nicht nur innerhalb der Labour-Fraktion im Parlament, sondern im ganzen Land an Autorität verloren hat und dass er diese auch nicht wiedererlangen kann“, erklärte Tom Rutland, ein Referent des Umweltministers, in seinem Rücktrittsschreiben.

Labour hatte vergangene Woche bei den Kommunalwahlen in England über 1.400 Mandate in kommunalen Gremien verloren. Bei der Parlamentswahl in der jahrzehntelangen Labour-Hochburg Wales rutschte die Partei hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und Reform UK auf Platz drei.

Starmer gibt sich kämpferisch

Am Montagabend traten zunächst Joe Morris, ein Mitarbeiter von Gesundheitsminister Wes Streeting, und dann Rutland zurück. Kurz darauf folgten Naushabah Khan aus dem Cabinet Office und Melanie Ward aus dem Team von Vize-Regierungschef David Lammy.

Sie alle haben die Position des Parliamentary Private Secretary (PPS) inne, eine Art Assistenzposten. Sie werden von Ministerinnen und Ministern ernannt und fungieren laut der Parlamentswebseite als deren „Augen und Ohren“ im Unterhaus. Sie gelten damit auch als wichtige Verbindungsleute des Premierministers, die für die Regierung die Stimmung im Parlament ausloten.

Rücktrittsforderungen hatte Starmer bereits mehrfach abgelehnt, bei einer Krisenrede am Vormittag in London gab er sich kämpferisch. Er wisse, dass er Zweifler habe und diese von sich überzeugen müsse – „und das werde ich“, sagte er.

Abgeordneter: „Er wirkte geradezu panisch“

In den eigenen Reihen wächst angesichts von Starmers Auftreten die Unzufriedenheit, wie die BBC berichtet. So zitiert der Sender einen namentlich nicht genannten Labour-Abgeordneten mit den Worten: „Bei dieser Rede tat mir der Premierminister fast leid. Er wirkte überfordert, ja geradezu panisch. Ich habe mir das angesehen und dabei an all meine Wähler gedacht, die mir in den letzten Wochen an ihrer Haustür gesagt haben, dass er gehen muss und sie erst dann wieder Labour wählen werden, wenn er das tut“.