Frauenmuseum Berlin? Ohne eigenes Haus, ohne institutionelle Förderung arbeitet ein Verein mit diesem Namen seit 30 Jahren an der Sichtbarmachung von Frauen, besonders von Künstlerinnen. Rachel Kohn, schon lange im Vorstand des Vereins, gibt Auskunft vor einer langen Chronik auf einer Wand. 150 Künstlerinnen haben sie in der Zeit präsentiert, 22-mal hat sie in der Ausstellungsreihe „Vierhändig“ zwei Generationen von Künstlerinnen zusammengebracht. Viele Ausstellungen waren in der Kommunalen Galerie Wilmersdorf, mit dem Projekt Heim-Spiel gastierten sie in verschiedenen Bezirken. Zudem sind Netzwerke des Frauenmuseums eng mit der Initiative faire share verknüpft, die für gerechtere Bezahlung von Künstlerinnen eintritt.
Um ihr 30jähriges Bestehen zu feiern, haben die 28 Künstlerinnen, die zur Zeit den Verein bilden, jetzt einen kurzen, gemeinsamen Auftritt im Kunstquartier Bethanien am Mariannenplatz in Berlin. Gruppenausstellungen sind nicht einfach, wie zeigt man Vielfalt ohne beliebiges Nebeneinander? Das Frauenmuseum hat die Kuratorin Almut Hüfler eingeladen, ein Konzept zu entwerfen. Hüfler hat sich für sechs inhaltliche Kapitel entschieden, die nicht nach Stilen oder Handschriften sortiert sind, sondern die Werke unter Überschriften wie „Gegenwartsdiagnosen“, „Geschichte und Gegenwart“ oder „Entgrenzungen – Zwischenwelten“ zusammenbringen.
Wie überlieferte Geschichte im reenactment auf die Probe gestellt wird, beschäftigt die Malerin Ulrike Dornis. In ihrem realistisch gemalten Bild „Joana und Heleen probieren für ‚Judith‘“ sieht man zwei junge Frauen in Jeans und T-Shirt, die die Enthauptung des Holofernes nachstellen und mit skeptischen Blicken kommentieren. Rachel Kohn zeigt in einer Fotografie und als Keramik eine Frau, die eine wild anmutende Schweinsmaske aufgesetzt hat, daneben ein Putzlappen in Keramik. Macht Putzen nicht auch schon mal wütend, die ungerechte Bezahlung für Care-Arbeit? Aber hat der Lappen nicht andererseits einen schönen Faltenwurf? So bringen sie unter der Überschrift „Geschichte und Gegenwart“ Vorstellungen und Wahrnehmungsmuster ins Wanken.
Die Ausstellung
Frauenmuseum Berlin, „On Her Way“, Projektraum Kunstquartier Bethanien, bis 16. Mai.
13. Mai, 19 Uhr, Panel Talk, „Zusammen wachsen. Ein Gespräch über Geschichte und aktuelle Situation von Künstlerinnen-Netzwerken.“
Im 5. Kapitel, „Entgrenzungen – Zwischenwelten“, fällt ein großes Gemälde von Caty Forder auf, „Kitty Kämpfer auf dem Weg“, ein Stationendrama in einer Fantasyworld, narrativ und surreal, mit verschachtelten Räumen und Landschaften, Schlössern und unterirdischen Höhlen, Treppen und Leitern, und einem Mädchen mit Rucksack auf dem Weg. Das Vordringen in unbekannte Räume: Die Malerin Annette Selle spielt das mit reduzierten Formen vor in „Sehnsucht nach Rot“, einem blauen perspektivischen Raum, in dem hier und da Rot aus schmalen Öffnungen leuchtet.

Ulrike Dornis, „Joana und Heleen proben für Judith und Holofernes nach Artemisia Gentileschi, 2019
Foto:
Frauenmuseum Berlin
Von Harriet Groß und Susanne Plotter begegnen sich reduzierte Strukturen in Gittern, Netzen und Beton in einem Kapitel, das sich mit Wahrnehmung und Ordnung befasst. Material markiert die Ränder von Öffnungen und Durchlässen, die der eigentliche, nicht leicht fassbare Gegenstand sind.
Der Titel der Ausstellung „On Her Way“ möchte genauso wie der Name Frauenmuseum in eine Zukunft weisen, die gendergerechter aufgestellt ist. Er gibt Fragen mit auf den Weg, wie sähe eine Zukunft aus, die weiblicher gestaltet ist. Der ästhetische Eigensinn der Werke gewinnt manchmal unter diesem theoretischen Überbau an Leuchtkraft, immer kann das nicht gelingen. 28 Künstlerinnen bringen eben auch sehr unterschiedliche Interessen in ihre Kunst ein.
Die Arbeitsweise des Frauenmuseums ist nomadisch, Flexibilität immer wieder gefragt. Im letzten, hohen schmalen Raum, macht Roswitha Paetel aus der Not eine Stärke und lässt ihre luftigen Skulpturen aus Papiermaché die Wände hochwandern und den Blick nach oben ziehen.