Das war dann wohl eher nichts: Nicht einmal sechs Wochen nach ihrem Amtsantritt ist Prof. Annegret Kuhn nicht mehr medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Bielefeld. In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 11. Mai sei ihre Abberufung erfolgt, teilt das Klinikum mit. Kuhn verlasse den Maximalversorger innerhalb der vertraglichen Probezeit.
Die medizinische Geschäftsführerin hatte die Position erst am 1. April angetreten. Mit dem 11. Mai sei die 59-Jährige nun wieder von ihrer Arbeitsleistung entbunden, heißt es in der Mitteilung weiter.
Die uns vorliegenden Sachverhalte ließen keinen anderen Schritt zu.
Der Schritt sei dem Aufsichtsrat nicht leicht gefallen, sagt dessen Vorsitzender Vincenzo Copertino: „Die uns vorliegenden Sachverhalte ließen jedoch keinen anderen Schritt zu.“ In die Entscheidung des Gremiums seien alle Betriebsleitungsmitglieder in der Sitzung einbezogen und angehört worden. „Über die Details der Abberufung sowie Gründe der Trennung wurde Stillschweigen vereinbart“, erklärt Copertino. Das Wohl des Klinikkonzerns mit allen Mitarbeitenden wie auch eine qualitative medizinische und pflegerische Patientenversorgung sowie die Weiterentwicklung als Universitätsklinikum stünden „im Zentrum unseres Handelns und sind die Basis für die jetzt getroffene Entscheidung“.
Der Aufsichtsrat werde sich nun mit der Neubesetzung einer medizinischen Geschäftsführung mit dem Schwerpunkt der universitären Medizin befassen, erklären die Verantwortlichen in Bielefeld. In der nächsten regulären Sitzung des Kontrolllgremiums im Juni 2026 solle über die Maßnahmen dazu beraten werden.
Das Klinikum hatte die Position der medizinischen Geschäftsführung neu geschaffen und sich nach einem Auswahlprozess im Dezember 2025 für Kuhn entschieden. Seit April 2026 hatte sie das Haus mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Michael Ackermann gleichberechtigt geleitet. Beide trügen gemeinsam die Gesamtverantwortung für die Zukunftsfähigkeit des Klinikums, hatte es damals geheißen. Kuhn sollte die Verantwortung für Medizin und Pflege sowie die strategische Weiterentwicklung der universitären Leistungen übernehmen, und Ackermann sollte den Fokus auf wirtschaftliche Stabilität und unternehmerische Steuerung legen.
Zum Klinikum Bielefeld gehören die drei Krankenhäuser Klinikum Bielefeld Mitte, Klinikum Bielefeld Rosenhöhe und das Klinikum Halle (Westf.) sowie zwei Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Als Campus Klinikum Bielefeld ist das Krankenhaus Teil des Universitätsklinikums OWL. Es hat mehr als 3000 Beschäftigte und 1100 Betten und behandelt rund 43.000 stationäre und 110.000 ambulante Patienten im Jahr 2025.
Klinikum Bielefeld/koj
