Das Leitungsteam der Deutschen Oper am Rhein hat bei ihrer Bewertung von Zahlen und Tabellen eine Analyse ganz besonders gefreut. Es gebe einen auffällig hohen Anteil von Besucherinnen und Besuchern, „die die Vorstellungen des Hauses zum ersten Mal oder nach langer Zeit wieder besuchen“. Diese Neueinsteiger und Wiederkehrer seien vielseitig interessiert: „Sie kommen zu Klassikern wie ,Nabucco‘, ,Zauber­flöte‘ und ,Dornröschen‘ genauso wie zu Genrespringern wie ,María de Buenos Aires‘ oder mehr­tei­li­gen Ballettabenden wie ,Soirée Ravel‘“, sagt Alexandra Stampler-Brown, die geschäftsführende Direktorin.

Dieser Zuspruch bestätigt das Haus in seiner Entscheidung „zu besonderen Klangfarben und einer weiteren Öffnung des Repertoires: Einzig­artige, selten zu hörende Werke und unterhaltsames Musiktheater werden die kommende Saison genauso prägen wie die aufmerksame Repertoirepflege und unser Ensemble als tragende Säule“, ergänzt Marwin Wendt, der kommissarische künstlerische Leiter des Hauses.

Zum Beginn der Spielzeit liegt die Latte für alle Beteiligten hoch: Die erste große Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf am 11. Oktober gilt Wagners „Meistersingern aus Nürnberg“ in der Regie von Daniel Kramer; der langjährige Generalmusikdirektor Axel Kober kehrt dafür ans Pult der Düsseldorfer Symphoniker zurück. Puccinis „Manon Lescaut“ (Premiere am 13. Februar 2027 in Düsseldorf) wird nach langer Zeit wieder in einer Neuinszenierung von Matthew Wild im Reper­toire vertreten sein, wogegen Arrigo Boitos „Mefistofele“ in der Regie von Philipp Rosendahl noch nie hier zu hören war.

Vor den diversen Übernahmen von Düsseldorf nach Duisburg und umgekehrt abgesehen (so kommt „Jenufa“ am 14. Mai 2027 nach Düsseldorf), sind als weitere Neuigkeiten im Opernfach „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht zu verbuchen (Regie: Elisabeth Stöppler, Premiere ist am 17. April 2027 in Duisburg). Ins leichtere Fach gehört der von Felix Seiler neu inszenierte Broadway-Klassiker „My Fair Lady“: Das Musical feiert am 6. November 2026 in Duisburg Premiere.

Als konzertante Aufführung laufen zwei französische Werke: Jules Massenets Oper „La Navarraise“ und Gustave Charpentiers Kantate „Didon“ feiern am 9. Ju­li 2027 in Düsseldorf und am 16. Juli 2027 in Duisburg Premiere; Benjamin Reiners dirigiert die Duisburger Philharmoniker. Unter den Sonderproduktionen ragt eine heraus: Die Düsseldorfer Band Kreidler erstellt einen Soundtrack zu Fritz Langs Stummfilm „Metropolis“ (28. Januar 2027 in Düsseldorf).

Mit zwei Neuproduktionen wird das junge Publikum bedacht: Mizgin Bilmen inszeniert „Die Mitternachtstür“ von James Reynolds (als Uraufführung am 14. November 2026 in Düsseldorf). Am 15. Januar 2027 feiert in Duisburg „Die verzauberte Stadt“ von Samuel Pender­bayne in der Regie von Louisa Proske Premiere.

Seit 2024 leiten Chefchoreografin Bridget Breiner und Direktor Rafaël Coumes-Marquet nun gemeinsam das Ballett am Rhein und haben bis jetzt für jede Spielzeit ein ausgewogenes Tanzprogramm gestrickt, das mit Klassikern, Star-Choreografen und neuen Perspektiven aufwartet. Und so gestaltet sich auch die Spielzeit 2026/ 2027 mit zwei abendfüllenden Handlungsballetten und zwei abstrakten Mehrteilern.

Den Anfang macht am 30. Oktober in Düsseldorf der abstrakte Abend mit den beiden renommierten zeitgenössischen Choreografen William Forsythe und Sharon Eyal. Gezeigt werden Forsythes „In the Middle, Somewhat Elevated“ und Eyals „Strong”. Ab 12. Dezember kommt dieser Tanz-Doppeldecker nach Duisburg. Der zweite neue Mehrteiler ab 23. Januar in Düsseldorf im Programm trägt den Titel „Rituale“. Er bündelt Choreografien von Ohad Naharin, Martin Chaix und Neshama Nashman.

Na endlich, möchte man fast sagen, wenn man von dieser Uraufführung liest: Bridget Breiner, bekennende Shakespeare-Freundin, widmet sich erstmals in der Rheinoper dem angeblich nach der Bibel meistzitierten Dramatiker. „Antony and Cleopatra“ kommt am 2. April als Uraufführung auf die Bühne in Duisburg. Breiner will die berühmte Liebesgeschichte und ihre politischen Verstrickungen tänzerisch neu erzählen und überraschende Facetten freilegen.

Ein Ballettklassiker im neuen Gewand beehrt ab 5. Juni 2027 das Düsseldorfer Opernhaus: Marius Petipa schuf 1869 den Tanzklassiker „Don Quijote“. Marcelo Gomes, Starchoreograf aus Brasilien und langjähriger Tänzer des American Ballet Theatre, wagt nun am Rhein eine Neufassung, indem er den Fokus auf die Liebesgeschichte in Cervantes‘ Ritterroman legt.

Ein Wiedersehen gibt es in der kommenden Spielzeit mit „Grey Area“, ab 27. September in Duisburg und ab 5. März in Düsseldorf. Der dreiteilige Abend „Orgelpassion“ ist ebenfalls in Duisburg zu sehen. Auch die Abschiedsgala der kommenden Saison ist schon geplant: am 6. und 7. Juli 2027 in Düsseldorf.