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Uns auf Google folgenegon-loy-ist-ein-meister-seines-fachsMeister seines Fachs: Egon Loy spielte 13 Jahre für die Eintracht. © imago sportfotodienst

Der Torwart der legendären 59er-Meisterelf von Eintracht Frankfurt wird am Donnerstag 95. Egon Loy prägte eine Ära des Vereins.

Das jüngste Trauerspiel seiner Eintracht hat er natürlich nicht verpasst. Zu Hause in Oberursel vor dem Fernseher hat Egon Loy die Partie gegen Borussia Dortmund verfolgt. Schade, sagt er, und gut, dass die Saison bald zu Ende ist, ein letztes Spiel noch am Samstag. Dann ist Egon Loy tatsächlich schon 95 Jahre alt: Am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, feiert der Tormann, 1931 im bayrischen Schwabach geboren, einer der Helden der 1959er-Meisterelf, seinen Geburtstag, mit den Enkeln, im kleinen Kreis.

frankfurt am Main Commerzbankarnea Saison 2019 2020 UEL Europa League Qualifikation REgon Loy , imago41467898.jpg © Peter Hartenfelser via www.imago-images.de350 Pflichtspiele

Das Telefon wird nicht stillstehen, seit 1954, seit 72 Jahren, ist Loy Mitglied bei Eintracht Frankfurt, längst eine lebende Legende, und einer von Vieren, die noch von diesem süßen 5:3 im Berliner Finale gegen Kickers Offenbach erzählen können, vom einzigen Frankfurter Meistertitel. Und natürlich auch im Jahr darauf von den aufregenden Europapokalspielen gegen die Glasgow Rangers (6:1 und 6:3) und vor allem Real Madrid; das Finale ging freilich am 18. Mai 1960 verloren. Egon Loy, schwarzer Panther genannt wegen seiner Vorliebe für dunkle Trikots und besonderer Flugeigenschaften, spielte 13 Jahre für die Eintracht, er stand in fast 350 Pflichtspielen im Tor der Hessen, darunter 69-mal in der Bundesliga. Er hat unter der Latte eine Ära in Frankfurt geprägt, steht in einer Reihe mit Peter Kunter, Uli Stein, Oka Nikolov, Kevin Trapp.

Er gehörte zu jenem von Trainer Paul Oswald angeleiteten Team, das damals bereits Fußball 2000 gespielt hätte, wenn es diesen Namen gegeben hätte.

Die Eintracht war eingangs der 60er Jahre das Maß der Dinge in Deutschland, sie spielte einen fein anzusehenden Ball, offensiv, attraktiv, und hinten hielt der lange Loy den Kasten sauber. Alle Spieler waren Amateure, gingen einer Arbeit nach, Loy etwa arbeitete bei der Metallgesellschaft am Opernplatz, auch vor dem Europapokalhalbfinale gegen die Rangers: Um 14 Uhr hatte er Feierabend, dann ist er ans Stadion gefahren, abends haben sie den Schotten ein halbes dutzend Tore eingeschenkt.

„Das war“, erinnert sich Loy, der allenfalls bei Regen Wollhandschuhe trug, gestrickt von der Schwiegermutter, „eines der besten Spiele, die die Eintracht je gemacht hat.“ Dummerweise hat er einen Gegentreffer kassiert, mit seinem Arbeitgeber hatte er stillschweigend verabredet, bei einer „weißen Weste“ zwei freie Tage zu bekommen. 150 D-Mark gab es übrigens in der Oberliga als Grundgehalt.

Der Eintracht ist Egon Loy treu geblieben, war lange, so weit es die Gesundheit zuließ, gern gesehener Gast im Stadion, war kenntnisreicher Plauderer bei Veranstaltungen im Eintracht-Museum, ist geistig auf der Höhe. Internet, Streaming, Computer sind für den Jubilar kein Teufelszeug, der erst im Alter von 91 Jahren seinen Führerschein zurückgegeben hat.

Doch inzwischen spürt Egon Loy die Last des Alters, im vergangenen Jahr ist seine Frau Irmgard, zwei Jahre älter als er, gestorben, im Januar hat er sich einer komplizierten Operation unterziehen müssen, das Gehen fällt ihm schwerer.

Aber der Kopf, der funktioniert nach wie vor. Und vielleicht macht ihm seine Frankfurter Eintracht am Samstag im letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Egon Loy hätte es verdient.