Wie ein leiser Gruß aus vergangenen Tagen wirken die Bilder, die derzeit in der Friedberger Archivgalerie zu sehen sind. In zarten Farben und feinen Linien erzählen sie von vertrauten Landschaften, stillen Wegen und dem aufmerksamen Blick eines Künstlers, der seine Heimat mit besonderer Sensibilität festhielt.
Vom 10. bis 24. Mai erinnert eine Retrospektive an den Friedberger Maler Siegfried „Siggi“ Hartl. Die Ausstellung mit insgesamt 120 Werken würdigt sein vielseitiges künstlerisches Schaffen und hält zugleich die Erinnerung an einen Menschen wach, der mit seiner Hilfsbereitschaft viele nachhaltig geprägt hat.
Früher stellte Siegfried Hartl seine Bilder in seiner Garage aus
Hartls Bilder zeigen bekannte Wege, weite Felder, stille Winkel und Lichtstimmungen, wie man sie kennt und doch wieder neu entdeckt. In jedem Werk scheint etwas von jener Ruhe auf, die auch den Künstler selbst ausgezeichnet hat. Dass diese Ausstellung zugleich einem guten Zweck dient, hätte Hartl besonders gefreut. Die Werke können erworben werden, der Erlös wird zwischen der Hilfsorganisation „Kartei der Not“ und der Schule für Musik in Friedberg aufgeteilt.
Damit setzt sich fort, was ihm zeitlebens ein Herzensanliegen war. „Uns war es immer wichtig, anderen Menschen zu helfen“, lautete ein Satz, den Freunde und Wegbegleiter immer wieder von ihm hörten. Fast logisch, dass die Vernissage musikalisch von der Schule für Musik begleitet wird. Da Hae Kim Steinherr, Elena Vogel und Antonia Prencipe finden den richtigen Ton am Piano.
Bei der Eröffnung erinnerte Bürgermeister Roland Eichmann an den Künstler und seine Frau Erika mit spürbarer Wärme. Er erzählte von einer Garage in der Achstraße, in der Hartls Werke dauerhaft zu sehen waren – ein kleines, ganz persönliches Schaufenster der Kunst. Selbst nachts konnten Vorübergehende einen Blick auf die Bilder werfen und sich für einen Augenblick von ihnen berühren lassen. „Das vermisse ich sehr“, sagte Eichmann.
Roland Eichmann erinnert an den Friedberger Künstler
Hartls Stil fände man heute kaum noch in Ausstellungen, so Eichmann weiter. In dessen hauptsächlich figurativen Werken spiegeln sich bekannte Orte aus Friedberg und der Umgebung, ebenso wie eindrucksvolle Tierdarstellungen und fein abgestimmte Naturstudien. Und immer wieder taucht ein ganz persönliches Motiv auf – sein Garten. „Er hat auch die abstrakte Malerei ausprobiert“, erzählte Eichmann weiter, „aber das war nicht so Seins.“
Rund 120 Werke warten nun darauf, neue Besitzer zu finden und ihre Geschichten weiterzutragen. Aquarelle, Zeichnungen und Landschaftsbilder, die über Jahre hinweg mit ruhiger Hand entstanden sind, verlassen nach und nach den Nachlass und finden neue Orte, an denen sie weiterwirken können. „Was nicht verkauft wird, hängen wir in die Friedberger AWO und in die Residenz Pro Seniore“, sagt Franz Reissner, der die Ausstellung gemeinsam mit Hartls langjährigem Freund, Nachbarn und Nachlassverwalter Roland Meisel organisiert hat.
Gerade dieser Gedanke berührt. Denn in der Residenz Pro Seniore verbrachte Siegfried Hartl seine letzten Tage. Dass seine Bilder dorthin zurückkehren und Flure, Gemeinschaftsräume und Zimmer mit ihren stillen Landschaften erfüllen, wirkt wie ein behutsamer Kreis, der sich schließt. So bleiben nicht nur Farben und Motive erhalten, sondern auch die Erinnerung an einen Künstler, dessen Werke weiterhin Menschen begleiten und ihnen Freude schenken werden.
Ausstellung
Die Ausstellung mit Bildern aus dem Nachlass des Friedberger Künstlers Siegfried Hartl ist von 10. bis 24. Mai in der Archivgalerie Friedberg, Pfarrstraße 6, zu sehen. Die Bilder können erworben werden. Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.