Die Faszination für den Sternenhimmel ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Ein kleines Stück näher am Himmel konnten die kleinen und großen Sternengucker im Barmer Planetarium sein – das ab seiner Eröffnung am 18. Mai 1926 fünf Tage lang das größte Planetarium seiner Art war. Heute erinnert ein Gedenkstein in den Barmer Anlagen an den einstigen Standort des Gebäudes.
Sabrina Engert, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Bergischen Uni Wuppertal, widmete ihre Bachelor-Arbeit dem Planetarium. „Ich war in den Barmer Anlagen spazieren und dort sind kleine Infotafeln verteilt“, berichtet die gebürtige Wuppertalerin. „Ich war sofort neugierig. Ich interessiere mich sehr für Astronomie.“ Zu Hause musste sie allerdings feststellen, dass es online kaum Informationen über das Planetarium gibt. Also fasste sie den Entschluss, ihre Bachelor-Arbeit über das Planetarium zu schreiben.
„Planetarien gibt es schon sehr lange. Es gibt verschiedene Modelle. Es gab etwa mechanische Planetenmaschinen, die so groß waren wie ein Teller“, so Engert. Diese Modelle waren aber in der Regel nicht maßstabsgetreu. Ab 1914 entwickelte die Firma Carl Zeiss in Jena den ersten Planetariumsprojektor für das Deutsche Museum in München. Aufgrund der Ersten Weltkriegs wurden die Arbeiten an dem Projektor aber unterbrochen und dauerten bis 1924. Mit der Eröffnung des Museumsgebäudes in München nahm das Planetarium im Deutschen Museum am 7. Mai 1925 den Betrieb auf. Der für München konstruierte Projektor war lediglich für die Darstellung des Sternenhimmels aus Sicht des 48. Breitengrades ausgelegt. Für das Nachfolgemodell wurde ein hantelförmiger, schwenkbarer Aufbau gewählt, der die Projektion für beliebige Breitengrade möglich machte. Der erste dieser Modell II genannten Projektoren wurde in dem Planetarium in Barmen installiert.
Der damalige Oberbürgermeister der Stadt Barmen und später der erste Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Paul Hartmann, hatte die Idee in den Stadtrat eingebracht. Innerhalb von rund zwei Jahren erfolgte die Umsetzung.
„Es war das erste Großplanetarium der Welt, mit einem Gebäude, das extra dafür errichtet wurde, und einer wunderschönen Kuppel“, so Engert. Allerdings gibt es keine Aufnahmen des Innenbereichs. Zwar gebe es Postkarten, die das Innere eines Planetariums zeigen – allerdings lasse sich nicht feststellen, ob es sich dabei wirklich um das Barmer Planetarium handelt.
Laut Berichten, die Engert im Zuge ihrer Recherche fand, gab es im Barmer Planetarium Platz für rund 400 bis 600 Besucher. „Das war eine unheimliche Menge an Menschen für die Zeit“, erzählt sie. Das Planetarium bot eine Vielzahl von Vorträgen, deren Bilder an die weiße Leinwand projiziert wurden. „Das Repertoire umfasste Vorträge zur Geschichte der Astronomie, das Sonnensystem, die Mondphasen, Jahreszeiten“, so Engert. Eine Eintrittskarte kostete eine Reichsmark und 50 Reichspfennig – heute ungefähr vier bis sechs Euro. später wurde der Besuch günstiger, kostete nur noch eine Reichsmark und dann nur noch 50 Reichspfennig.
Das Planetarium in Düsseldorf öffnete fünf Tage später
Das Barmer Planetarium war für fünf Tage einzigartig, bis am 23. Mai 1926 ein größeres Planetarium in Düsseldorf öffnete. Die Öffnung dieser Planetarien fiel in eine Zeit, in der Planetarien in Deutschland regelrecht boomten. Dadurch ging allerdings auch die Exklusivität verloren. Bereits 1931 stellte das Barmer Planetarium den Betrieb für reguläre Besucher ein und erlaubt nur noch Sondervorführungen, etwa für Schulklassen.
Das Planetarium konnte sich der NS-Ideologie nur schwer anpassen. Es sind Entwürfe von Vorträgen zu germanischen Sternenbildern oder der Orientierung mittels Sternen überliefert, aber es ist nicht sicher, ob diese auch gehalten wurden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs sei man bemüht gewesen, sich in die neue Gesellschaft einzufügen. Allerdings sei es schwierig gewesen, die Darstellung der Astronomie und ideologische Denkmuster zusammenzubringen.
In der Nacht vom 30. Mai 1943 wurde Barmen das Ziel verheerender Luftangriffe. „Zwar wurde das Planetarium nicht direkt zerstört, aber durch eine Bombe, die in der Nähe explodierte, entstand ein etwa ein Meter langer Riss in der Kuppel“, so Engert. Das Planetarium wurde stillgelegt und verfiel zunehmend. „Diebe haben irgendwann den Projektionsapparat gestohlen und mutmaßlich zerlegt“. Was damit geschah, ist bis heute unklar. 1955 entschied dann der Kulturausschuss der Stadt Wuppertal, das Gebäude abzureißen.
Heute erinnert ein Gedenkstein an die ehemalige Bildungsstätte. Er steht zwischen dem Barmer Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Kriege von 1864 und 1866 und dem Bergbahn-Denkmal. Initiiert hatte die Aufstellung Margot Sundermann, die Tochter des ersten wissenschaftlichen Leiters des Planetariums, Erich Hoffmann.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Barmer Planetariums gibt es am Montag, 18. Mai, ab 19 Uhr einen Vortrag mit Sabrina Engert in der Gesellschaft Concordia, Werth 48, Wuppertal.