„Wir befinden uns weiterhin in einem Umfeld, das von politischen Unsicherheiten, einer instabilen Wirtschaftslage sowie volatilen Energie- und Rohstoffmärkten geprägt ist. Diese Herausforderungen, die zuletzt auch durch den Krieg im Nahen Osten verschärft wurden, prägen unsere aktuelle Geschäftstätigkeit. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage gelang 2025/26 ein solides operatives Ergebnis.“ Das sagte Agrana-Chef Stephan Büttner bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am Dienstag. Trotz eines operativen Ergebnisses von 81 Mio. € sank das EBIT wegen hoher Sonderbelastungen auf nur 3,2 Mio. €. Der Umsatz ging von 3,5 Mrd. € im Vorjahr auf rund 3,2 Mrd. € zurück.

Franz Ennser, als COO für das operative Geschäft des Zucker-, Frucht- und Stärkeherstellers zuständig, schilderte die Rohstofflage grundsätzlich als stabil, aber wetter- und marktgetrieben. Beim Zuckerrübenanbau liege Agrana heuer bei 22.800 ha; nach Ausfällen durch Trockenheit und Rüsselkäfer seien rund 1.500 ha umgebrochen worden, davon würden 500 Hektar wieder angebaut. Die Bauern seien grundsätzlich bereit, nachzubauen, auch wenn es zeitlich eng werde. Die Kosten für das Saatgut beim Wiederanbau übernimmt Agrana.

Ennser erklärte außerdem, dass die kontrahierte Fläche für die Zuckerfabrik Tulln ausreichend sei. Unter Zugrundelegung des Fünfjahresdurchschnitts der Erträge ergebe sich eine Produktion von 1,5 bis 1,6 Mio. t Zuckerrüben, was für eine Fabrik dieser Größe eine vernünftige Auslastung sei. Gleichzeitig unterstrich er, dass Agrana ohne Rohstoff keine Fabriken betreiben könne und politische Rahmenbedingungen entscheidend für den Erhalt des Ackerbaus seien.

Vorstandschef Büttner sieht Agrana im Zuckersegment weiter unter Druck, rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 aber mit einer Erholung. Besonders scharf kritisierte Büttner erneut die zollfreien Zuckerimporte aus der Ukraine. Die EU habe den Markt weit geöffnet, woraufhin die Importe in „astronomische Höhen“ gestiegen seien. Das habe massive Verwerfungen in der europäischen Zuckerindustrie ausgelöst und die Lagerbestände in der EU stark aufgebläht.

Nach Aussage Büttners wirke diese Entwicklung bis heute nach. Die aktuell festgesetzten Importmengen aus der Ukraine seien zwar auf 100.000 t zollfreien Zucker in die EU begrenzt. Doch jede zusätzliche Menge verschärfe den Druck auf Produzenten und Rohstofflieferanten. Er verwies darauf, dass bereits drei bis vier Mio. t Zucker zollfrei über verschiedene Freihandelsabkommen in die EU gelangten. Auf die Frage nach der vertretbaren Importmenge aus der Ukraine sagte er klar: „Null. Ganz klar null.“

Auch die EU-Regelung zur aktiven Veredelung sei für die Branche belastend gewesen, sagte Büttner. Dass dieses Verfahren nun für zwölf Monate ausgesetzt worden sei, wertete er als richtigen Schritt. Dadurch könne der Markt um rund 300.000 bis 400.000 Tonnen entlastet werden.

Der Agrana-Chef blickte für das Geschäftsjahr 2026/27 deutlich optimistischer auf die Ertragslage. Das operative Ergebnis soll auf 70 bis 90 Mio. € steigen. Der Umsatz dürfte laut Unternehmensführung nur leicht zulegen.

Besonders im Segment Zucker rechnet Agrana mit weiter schwachen Erlösen, aber mit einer spürbaren Ergebnisverbesserung, weil die hohen Sonderaufwendungen des Vorjahres wegfallen sollen. Im Bereich Food & Beverage Solutions erwartet der Konzern einen moderaten Umsatzanstieg, beim EBIT aber eher eine leichte Abschwächung. Stärke soll sich beim Ergebnis ebenfalls verbessern.