Der niedergermanische Limes ist ein bedeutendes archäologisches Zeugnis einer römischen Grenze. Auf einer Länge von rund 400 Kilometern entlang des Rheins gibt es eine Auswahl von 44 Fundplätzen in den Niederlanden und Deutschland. Sie bilden seit dem 27. Juli 2021 die Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“. Auf dieser Linie befindet sich auch das ehemalige römische Kastell Haus Bürgel – malerisch gelegen in der Urdenbacher Kämpe, an der Stadtgrenze von Monheim und Düsseldorf.
Dort sitzen unter anderem die Biologische Station, die Kaltblutzucht Reuter und das Römische Museum. Betreiberin des Museums ist die Haus Bürgel Betriebs gGmbH, die 2019 von der Stadt Monheim und der NRW-Stiftung gegründet wurde und von beiden seitdem finanziert wird.
Haus Bürgel ist für Anna-Lena Weber, Geschäftsführerin der Betriebsgesellschaft, ein Ort, der sie immer wieder fasziniert, wenn sie sich aus dem Monheimer Rathaus auf den Weg in die Urdenbacher Kämpe macht: „Dieses Kastell ist auch deswegen so gut erhalten, weil es fast durchgängig eine Nutzung hatte.“
Deutlich wird der römische Ursprung, wenn man vor der Mauer steht. Dort findet sich ein verbautes Fundament aus dem vierten Jahrhundert. Da zu jener Zeit die Franken aus dem rechtsrheinischen Raum immer häufiger römische Siedlungen überfielen, bauten die Römer eine Kette von Militärkastellen am linken Rheinufer. Das Kastell, auf dessen heute noch sichtbaren Fundamenten Haus Bürgel ruht, besaß dicke Mauern und zwölf Türme. Die Anlage war 64 mal 64 Meter groß und bot Platz für 150 Soldaten. Im frühen Mittelalter wurde auf der Ruine des Kastells eine fränkische Burganlage errichtet.
Das Römische Museum wurde 2003 eröffnet und zeigt in einer Dauerausstellung zahlreiche Ausgrabungsfunde. „Alle Exponate wurden hier gefunden“, erläutert Museumspädagogin Franziska Weber. Sie geben nicht nur Aufschluss über die Geschichte des Ortes, sondern lassen auch die Besatzungspolitik, den Alltag und das Militärwesen in der römischen Provinz für die Besucher wieder lebendig werden.
Viel über diese Zeit kann auch Sascha Röhrig berichten, er hat sich im vergangenen Jahr mit 27 anderen Interessierten zum Limes-Cicerone für den niedergermanischen Teil zwischen Remagen und Kleve ausbilden lassen. Ausgebildet und geprüft durch die Deutsche Limeskommission sind die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen die Spezialisten für Führungen entlang des Limes. Bislang gab es diese vor allem in Süddeutschland; mit einer Länge von 550 Kilometern ist der Obergermanisch-Raetische Limes das größte archäologische Denkmal in Europa und seit 2005 auf der Welterbeliste.
Das Wort Cicerone bezieht sich auf Marcus Tullius Cicero, den berühmtesten Redner des alten Rom. Mit dem will sich Sascha Röhrig, der hauptberuflich Grabungsmitarbeiter beim Landschaftsverband Rheinland ist, nicht vergleichen, doch hat Röhrig in den vergangenen Jahren viel Wissen angesammelt. Für die Ausbildung hat er ein eigenes Führungskonzept geschrieben, das er nun nach Teilnehmern und Interesse variieren kann.
Die erste Führung, die er als frisch gebackener Limes-Cicerone Ende März auf Haus Bürgel angeboten hatte, war bereits sehr gut nachgefragt. Nun findet am 31. Mai, 13 bis 15 Uhr, die nächste Führung unter dem Titel „Der nasse Limes als Grenze des Römischen Reiches“ statt. (Anmeldung unter hausbuergel@monheim.de oder 02173 / 951 89 30). Fünf Führungen des Limes-Cicerone soll es künftig pro Jahr geben.
Im Juli kann gefeiert werden, dass der Eintrag des niedergermanischen Limes ins Welterbeverzeichnis genau fünf Jahre her ist. Doch auch Anna-Lena Weber sieht noch Potenzial: „Das Welterbe darf gern noch weiter wachsen.“ Eine Stele vor Haus Bürgel weist auf die Geschichte hin. In der Winterpause wurde die Ausstellung neu gestaltet und es wurden neue pädagogische Angebote entwickelt, berichtet Franziska Weber. Vor allem Schulen will man nun verstärkt ansprechen – von der Grundschule bis zur Oberstufe. Aus dem Düsseldorfer Süden kämen schon viele, für den Rest der Landeshauptstadt gibt es noch Potenzial, sagt Weber. Und auch am Sonntag, 17. Mai, lohnt sich ein Besuch. Da findet dort von 11 bis 17 Uhr der Bürgeler Hofmarkt statt. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt.