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Sommerluft, dann Kälteeinbruch, Regen und Schnee. Fühlt sich falsch an, ist es aber nicht. Ein Meteorologe erklärt, warum der Mai genau so tickt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Ich sitze vor den Wetterkarten und schüttle den Kopf, wie jedes Jahr im Mai. Erst strömt am Sonntag (10. Mai) warme Luft aus Südosten heran, Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke, im Süden und Südwesten fast frühsommerlich. Am nächsten Tag (11. Mai) dann der abrupte Bruch: Wolken, Regen, ein scharfer Wind aus Nord bis Nordost, in den Alpen Schnee bis auf 1500, stellenweise sogar 1200 Meter.
Wie passend: Am Dienstag (12. Mai) – mitten in den Eisheiligen – erreicht Deutschland eine Kältezunge. © METEORED/ www.daswetter.com
Viele fragen mich dann, ob das noch Mai ist oder ob der April ein Comeback feiert. Die Antwort ist unbequem, aber ehrlich: Genau das ist der Mai. Dieser Monat lebt von Gegensätzen. Er kann an einem Wochenende nach Hochsommer schmecken und wenige Tage später nach Spätwinter riechen. Für unser Temperaturempfinden ist das anstrengend, für die Atmosphäre jedoch völlig logisch.
Die Sache mit den Eisheiligen
Jahr für Jahr taucht dieselbe Behauptung auf: Die Eisheiligen seien längst vorbei, angeblich schon im April. Als Meteorologe kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Die Eisheiligen sind kein festes Wetterereignis, sondern eine statistische Häufung von Kälterückfällen Mitte Mai. Der hundertjährige Kalender spricht hier eine klare Sprache.
Spätfröste, Kaltlufteinbrüche und wechselhaftes Wetter gehören in diesen Zeitraum. Dass sich der genaue Zeitpunkt von Jahr zu Jahr verschiebt, ist normal. Der Kalender kennt keine exakten Termine für Tiefdruckgebiete. Entscheidend ist die Großwetterlage, und die zeigt jetzt klassisch: Warmluft wird von einem kräftigen Schwall polarer Luft verdrängt. Das fühlt sich dramatisch an, ist aber kein Ausreißer.
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Fotostrecke ansehenVatertag im Regen, Muttertag im Sonnenschein
Besonders bitter ist das Timing. Nach einem freundlichen Muttertag folgt ausgerechnet rund um Himmelfahrt und Vatertag eine Phase mit Schauern, teils länger anhaltendem Regen und Temperaturen deutlich unter 20 Grad. Bollerwagen-Ausflüge werden zur Geduldsprobe, Grillpläne geraten ins Wanken.
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Doch auch hier gilt: Das ist kein Zeichen von Chaos, sondern von Ausgleich. Die Natur braucht diesen Regen, die Böden ebenso. Der Mai ordnet neu, mischt durch, räumt auf. Er ist kein verlässlicher Schönwettermonat, sondern ein Übergangskünstler. Wer das akzeptiert, versteht auch, warum der hundertjährige Kalender in solchen Phasen meist recht behält. Es ist Mai. Und der war schon immer genau so.