Die Einstürzenden Neubauten sind das Aushängeschild avantgardistischer Musik „Made in Germany“. Als „Geniale Dilettanten“ haben sie die Independent-Musikwelt maßgeblich geprägt. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler berufen sich auf die Prägung durch sie.
Dennoch gibt es keine bekanntgewordene Band, die den Sound der Band einfach nur nachmacht. Was die Neubauten auszeichnet, ist die innere Freiheit, die Musik zu schaffen, die sie machen wollen: ungehemmt, ehrlich, poetisch und radikal zugleich. Und genau das hat viele andere Musiker dazu inspiriert, ihren eigenen Weg zu gehen und sich dabei nicht nach dem vermeintlichen Mainstream zu richten.
Spontane Bandgründung
Schon die Anfänge der Neubauten waren außergewöhnlich: Blixa Bargeld wurde gefragt, ob er am 1. April 1980 im Berliner Moon-Club auftreten möchte. Er sagte zu, suchte sich spontan Mitmusikerinnen und -musiker zusammen und gründete die Einstürzenden Neubauten. Eine größere Zukunft hatten sie damals nicht geplant, alles war spontan. Umso erstaunlicher ist es, dass die Neubauten auch jetzt noch, mehr als 45 Jahre später, aktiv sind.
Sei schlau, klau beim Bau
In ihrer Anfangsphase hatten die Neubauten kein Geld für ein Schlagzeug. Um Rhythmen zu spielen, besorgten sie sich von Baustellen große Metallteile, Stahlrohre, Hämmer, Trennschleifer usw. Wohl nicht ganz legal – bei ihren ersten Konzerten stand auf der Bühne der Spruch: „Sei schlau, klau beim Bau“. Ihre Notlage war jedoch ein Geniestreich, denn so schufen sie ihren unverwechselbaren Sound. Ihr musikalisches Spektrum haben sie mittlerweile enorm erweitert.
Hier sind meine persönlichen Top 10 der Einstürzenden Neubauten:
Vanadium-I-Ging [1983]
Zu „Vanadium-I-Ging“ habe ich eine ganz persönliche Verbindung. Ich hörte diesen Song zum ersten Mal in einer der seltenen Jugendsendungen des Westfernsehens, die in den 80er-Jahren sonntagmorgens gesendet wurden, und die ich als Ossi, ständig auf der Suche nach guter Musik, natürlich verschlang. Plötzlich sah ich dort eine Truppe „Wahnsinniger“ auf einer stillgelegten Autobahn, die wie wild große Stahlteile und Autowracks mit Äxten und Trennschleifern zur Klangerzeugung malträtierten. Dazwischen schrie ein Mann – mit einer Frisur, die aussah, als hätte man auf seinem Kopf einen Feuerwerkskörper explodieren lassen – Zeilen wie „Hörst du den Krach der schlagenden Herzen?“. Und ich wusste sofort: Das ist genau meine Musik! Nie zuvor hatte ich etwas derart Brachiales und zugleich Authentisches und Packendes gehört. Hier wurden Geräusche und Lärm zu einer Musik vereint, die die Tore weit für neue kreative Welten aufstieß.