Der Auftritt war etwas holpriger als erhofft. Doch am Ende gaben sich die Bundesliga-Fußballerinnen von Bayer 04 keine Blöße und gewannen die Partie bei RB Leipzig mit 3:1 (2:1). Damit haben sich die Leverkusenerinnen für den letzten Spieltag am Sonntag die Teilnahme am Fernduell um den dritten Platz gesichert. Zwei Punkte hinter dem Dritten Frankfurt ist Bayer zwar auf Schützenhilfe von Eintracht-Gegner Union Berlin angewiesen. Doch die Leverkusenerinnen dürfen weiter hoffen.
Viele Fehler, schnelle Antworten
Entsprechend groß war die Freude über den dafür nötigen Erfolg in Sachsen – und gnädig der Umgang aller Beteiligten mit der Vorstellung, die den eigenen hohen Ansprüchen nicht ganz gerecht wurde. Trainer Roberto Pätzold beispielsweise brachte die „eher durchwachsene Leistung“ zwar zur Sprache und riss die hohe Fehlerquote zumindest an, fand dann aber schnell die Kurve zum Positiven. „Wir hatten immer wieder Phasen, in denen wir Kontrolle hatten. Wir haben uns viele Strafraumszenen erspielt und den Gegentreffer sehr gut weggesteckt“, betonte er.
Sein Team hatte sich noch nicht recht akklimatisiert, da lag es bereits zurück. In der vierten Minute erwischte Juniorennationalspielerin Lisa Baum die Gäste eiskalt. Nach einem Zuspiel des einstigen Bayer-Eigengewächses Delice Boboy ging sie ins Dribbling, ließ Selina Ostermeier aussteigen, zog – einigermaßen unbehindert – nach innen und traf mit links von der Strafraumgrenze.
Immerhin zeigten sich die Leverkusenerinnen davon unbeeindruckt und fanden die richtige Antwort. In einem Akt puren Willens fand Cornelia Kramer trotz enger Bewachung den nötigen Platz, den Ball nach Zuspiel von Loreen Bender zum Ausgleich ins Eck zu setzen (18.). Katharina Piljic erhöhte noch vor der Pause mit einem sehenswerten Schuss vom Strafraumeck auf 2:1 (38.). Die endgültige Entscheidung besorgte die eingewechselte Ruby Grant, die einen guten Zeitpunkt für ihren ersten Treffer im Leverkusener Trikot fand (80.). Am Ende verdienten sich die Gäste den Erfolg dank ihrer deutlich besseren Chancenverwertung. Allerdings mussten sie bei 11:21 Torschüssen, zwei Leipziger Aluminiumtreffern und einigen RBL-Chancen auch manch bange Momente überstehen.
Am Ende hatten sie ihr Ziel erreicht und um mehr ging es letztlich auch nicht. „Klar waren heute viele Fehler im Spiel. Aber wir hatten uns fest vorgenommen, unsere Hausaufgaben zu erledigen, um am letzten Spieltag noch die Chance auf Platz drei zu haben. Das haben wir geschafft“, sagte Piljic, Torschützin und Vorlagengeberin zum 3:1. „Am Ende zählen die drei Punkte, das haben wir gerockt“, betonte Coach Pätzold.
Der sportliche Leiter der Leverkusenerinnen sah das Ganze noch in einem größeren Zusammenhang. „Mit fünf Siegen in Serie und einer insgesamt guten Saison hat sich unser Team dieses Endspiel absolut verdient“, sagte Achim Feifel.
Mit den Rechenspielen, die der Dreikampf mit Frankfurt, Bayer 04 und Hoffenheim um Platz drei mit sich bringt, sollen sich andere beschäftigen. Die Leverkusenerinnen und ihr Hauptübungsleiter wollen sich allein auf den eigenen Beitrag am kleinen Wunder konzentrieren. Zwingend nötig ist ein Bayer-Sieg im letzten Heimspiel gegen den SV Werder. „Jetzt fahren wir voller Selbstbewusstsein nach Hause, schlagen Bremen und gucken dann, was auf den anderen Plätzen passiert“, sagte Pätzold gleich nach dem Erfolg in Leipzig.
Ins gleiche Horn stießen zwei der Torschützinnen. „Wir gewinnen das nächste Spiel und dann schauen wir einfach“, kündigte Piljic an. „Wir müssen uns auf diese Partie fokussieren, unseren Job machen und gewinnen. Und dann hoffen wir, dass auch der Rest für uns läuft und wir belohnt werden. Die Hoffnung lebt“, versicherte Grant.
Sicher keinen Europapokal mit Leverkusen nächste Saison spielen werden neben Piljic, die zum VfL Wolfsburg wechselt, auch Friederike Repohl (Karriereende) und Julia Mickenhagen. Die unterm Bayer-Kreuz ausgebildete Außenverteidigerin Mickenhagen schließt sich Aufsteiger VfB Stuttgart an. Die 21-Jährige hofft an neuer Wirkungsstätte auf mehr Spielminuten. Etwas, was ihr Bayer 04 nicht garantieren konnte.
Bayer 04 Borggräfe – Merino Gonzalez, Wenger (63. Turanyi), Ostermeier, Wamser, Piljic, Zdebel, Bender, Kögel (83. Mickenhagen), Fudalla (83. Mädl), Kramer.