Wenn Zirkusdirektor Bernhard Paul auf das vergangene halbe Jahrhundert zurückblickt, ist er ganz schön stolz. Denn sein Circus-Theater Roncalli hat sich in all der Zeit etabliert und weltweit Erfolge gefeiert. Bereits im März ist die Tournee zum 50. Geburtstag gestartet, Ende Mai kommt Roncalli nach Düsseldorf. Dass es überhaupt so weit kam, hat der Österreicher unter anderem den Düsseldorfern zu verdanken.
Denn Bernhard Paul hatte zwar vor fünf Jahrzehnten den Traum und die Vision, den Zirkus groß zu machen und feierte am 18. Mai 1976 seine Premiere in NRW. Doch ganz so leicht war die Anfangszeit nicht, der Erfolg ließ lange auf sich warten. Vier Jahre nach der Premiere standen die Düsseldorfer dem Roncalli-Gründer zur Seite und sammelten unter dem Motto „Roncalli muss spielen!“ Unterschriften für den Zirkus. „Düsseldorf hat eine besondere Verbundenheit zu Roncalli“, sagt Bernhard Paul, der im kommenden Jahr 80 wird.
Und dafür bekommt die Stadt nun auch etwas zurück. Nirgendwo auf der zweijährigen Jubiläumstournee wird so lange Station gemacht wie in Düsseldorf. Denn im Rheinpark wird eine eigens gestaltete Roncalli-Nostalgielandschaft aufgebaut. Besondere Karussells, ein historisches Riesenrad, eine interaktive Circus-Ausstellung sowie Jahrmarktbuden gehören dazu. Dieser Bereich soll auch frei für alle zugänglich sein, die kein Ticket für die Show haben. „Für uns ist Düsseldorf der schönste Platz auf der Tournee, an dem wir gastieren.“ Das Jubiläum soll kein Rückblick sein, sondern ein Programm mit Blick in die Zukunft.
Die Vision, seinen Zirkus so groß zu machen, hatte Bernhard Paul schon früh. 1975 kündigte er seinen Job als Art Director in Wien und wurde Zirkusdirektor. Weil sich das in den Anfangsjahren noch schwierig gestaltete, hielt er sich mit Auftritten als Clown in Kaufhäusern und auf Festivals über Wasser. Mittlerweile haben mehr als 45 Millionen Zuschauer die Roncalli-Vorstellungen besucht. Zuletzt feierte Roncalli seine US-Weltpremiere in New York, auf Gastspiele in Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam blickt Paul ebenfalls zurück.
Damit Roncalli so lange habe erfolgreich sein können, sei es immer wichtig gewesen, mit der Zeit zu gehen. Seit einigen Jahren ist der Zirkus beispielsweise komplett tierfrei und setzt stattdessen auf eine Hologrammtechnik in der Manege. „Wir können die Technik der heutigen Zeit nutzen“, sagt Paul. Im gastronomischen Angebot finden sich außerdem vegane Speisen.
Seine Begeisterung für den Zirkus legte Bernhard Paul auch seinen Kindern in die Wiege. Sein Sohn Adrian arbeitet an einigen Shows in Roncalli’s Apollo Varieté mit, Tochter Vivian ist nicht mehr als Artistin aktiv, sondern organisiert einiges rund um die Jubiläumstournee, und die jüngste Tochter Lili wird in der Show zu sehen sein. Die Gewinnerin der Tanzshow ‚Let’s Dance‘ wird in der Manege eine Hommage an die artistischen Anfänge ihres Vaters zeigen – noch vor der Roncalli-Gründung. „Das Jubiläum wird sehr besonders; wir freuen uns auch schon seit einem Jahr auf die Erlebniswelt in Düsseldorf“, sind sich die Töchter einig.
Ab dem 20. Mai entsteht die Roncalli-Landschaft im Rheinpark. Insgesamt reist dann ein hundertköpfiges Team an. Etwa die Hälfte von ihnen wird vor und die andere Hälfte hinter den Kulissen zu sehen sein. Insgesamt seien 22 Nationen im Team vertreten. Die Artisten werden alle im Zirkusdorf im Rheinpark wohnen. Details zum Programm wollte Bernhard Paul allerdings noch nicht verraten. Aber: Es sei eine Show für die ganze Familie. „Wir sind in der heutigen Zeit als Gegengewicht da, damit sich die Seele der Menschen kurz erholen kann.“ Bei beiden Vorstellungen am Nachmittag und am Abend werde das gleiche Programm gezeigt. „Das Kleinkind und der Intellektuelle können dabei in der gleichen Sekunde lachen“, sagt Paul.
Am 30. Mai geht es dann in Düsseldorf los. Wenn die Jubiläumsshow am 28. Juni Düsseldorf wieder verlässt, geht es von da aus weiter nach Ludwigsburg und Wien.